Hinterachse einbauen Teil 2

Das kennen wir doch noch, als wir unsere Fahrräder und später die Mopeds zerlegt hatten: Der Einbau des Hinterrades war stets etwas Bedeutendes, denn es handelte sich schließlich um das Antriebsrad.

So ist der Einbau einer Antriebs-Hinterachse nach Abschluss einer Oldtimer-Komplett-Restauration ebenfalls der erste Schritt zur Wiederbelebung eines Autos. Wurde die Hinterachse erst einmal montiert, dann ist der erste große Schritt zum Zusammenbau des Wagens getan.

Am Beispiel eines Mercedes 300 SEL, 6.3 (Typ W 109 E 63, Baujahr 1968-1972) zeigen wir, wie eine Eingelenk-Pendelachse mit Zugstreben, Luftkammer-Federbälgen (Niveauausgleich), Gummi-Zusatzfedern und Drehstab-Stabilisator eingebaut wird.

Fahrzeug und Achse waren zuvor komplett überholt worden.

Es gilt bei dem Einbau eines derartig komplexen Bauteils im Vorwege zu verstehen, wie die Systeme funktionieren, insbesondere die Luftfederung und die Achskinematik. Außerdem trägt die Achse in ihrer Mitte ein wuchtiges Differenzial. In Summe also auch ein schwergewichtiges Bauteil, dessen Einbau zeitweise die Muskelkraft und das Augenmerk von vier kräftigen Monteuren fordert.

An diesen Job sollte sich nur ein Team von mindestens zwei engagierten Monteuren wagen, die idealerweise die Restauration von Anbeginn, also vom Zerlegen des Fahrzeugs und seiner Aggregate bis zur Instandsetzung begleiten sollten.

Doch der Einbau dieser Hinterachse bleibt kein Buch mit sieben Siegeln. Wir zeigen in diesen Folgen, was zu beachten ist, damit der Einbau gut gelingt.

In dieser Folge zeigen wir, wie die Achse weiter für den Einbau vorbereitet wird und schließlich unters Bodenblech kommt.

am022011_hinterachse_21

21. Die Gummilager mit viel Fett in ihre Betten an den Schubstreben drücken

am022011_hinterachse_22

22. Hilft kolossal: Alle Bauteile am Fußboden systematisch und analog der Einbaufolge ausbreiten. So entsteht ein guter Überblick.

am022011_hinterachse_23

23. Da braut sich was zusammen: Besprechung, wie die Achse am besten zum Montageort transportiert wird.

am022011_hinterachse_24a am022011_hinterachse_24b
24. Der richtige Weg: Drei Rollen-Hubständer in Position stellen, die Auflagefläche mit dicker Pappe oder – wie in diesem Fall – mit noch dickerem Schaumstoff auslegen. Dann mit vier Personen die Achse auf die Rollenständer wuchten. Das Differential mittig auf den mittleren Ständer, die beiden Ständer links und rechts stützen die beiden Achshälften ab.
So lässt sich die Achse bequem unters Auto rollen. Allerdings sollten alle Helfer dabei bleiben und die Achse auf dem Rollweg festhalten und so vor dem Abrutschen sichern.

am022011_hinterachse_25

25. Jetzt folgt das zielgerichtete Hochbocken der Achse. Dabei ist die Kommunikation der Monteure untereinander wichtig: jeder hat seine Problemzone im Visier und achtet auf den genauen Verlauf des Anpassens. Denn jetzt droht Gefahr durch falsches Positionieren. Dabei können Gummibälge aufgeschlitzt, Leitungen gequetscht und Bleche verbogen werden.

am022011_hinterachse_26

26. Jetzt muss ein Monteur auf die Leiter und in den Kofferraum, denn es gilt die mittige Achsfixierung vom Kofferraum aus anzuschrauben. Die Regie übers Justieren der Achse führt dabei der Mann im Kofferraum. Er muss vier Bolzen paßgenau verschrauben. Ist diese zentrale Verschraubung gut gelungen, lassen sich die übrigen Anlenkpunkte der Achse relativ mühelos befestigen.

am022011_hinterachse_27

27. Eine Schubstrebe sperrt sich vehement, ihren Platz einzunehmen.

am022011_hinterachse_28

28. Wenn mit einem Holzkeil gedrückt oder gehämmert werden muss, dann aber bitte
ein festes Tuch zum Schutz der frisch lackierten Achsoberflächen dazwischenlegen!

am022011_hinterachse_29a am022011_hinterachse_29b am022011_hinterachse_29c
29. Trotz der leichten Schläge mit dem Holzkeil, trotz guter Vorbereitung durch eine dicke Vaseline-Schicht:
Hier sperrt sich ein Gummilager. Da hilft auch der Versuch mit dem runden Montierhebel nicht.
am022011_hinterachse_30a am022011_hinterachse_30b
30. Erst mit der Hydraulikpresse “gehorcht” das Gummiteil.

am022011_hinterachse_31

31. Jetzt folgt die Befestigung dieses Schubstrebenlagers.

am022011_hinterachse_32a am022011_hinterachse_32b
32. Noch das Fixierblech aufschrauben und schon ist die Achse an diesem Punkt fest mit dem Karosserieboden verankert.

In der nächsten Folge zeigen wir, ob der Einbau der zweiten Schubstrebe Probleme bereitet und welche Herausforderungen bei der Achsmontage noch warten.

Bilder: Tobias Kerner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code