Da steckt der Wurm drin: Wie Sie Tür-Holzeinlagen erneuern I

Selbsthilfe am Beispiel einer Beifahrertür des Mercedes 500 SEC Coupé, Baujahr 1985. In vier Folgen

Der Zahn der Zeit – genauer gesagt die UV-Strahlung der Jahre  – setzt nicht nur dem Äußeren eines Fahrzeugs zu, sondern auch dem Interieur. Bevorzugt betroffen sind neben Lederpolstern die Holzeinlagen in den vorderen Türen. Sie altern häufig dann besonders schnell, wenn die Sonne schräg von vorn durch die Frontscheibe auf die Türinnenseiten strahlt. Zwar sind diese Holzeinlagen vom Werk aus recht gut geschützt, und Mehrschicht-Klarlacke mit hoher UV-Resistenz sollen den Frische-Look der Echthölzer möglichst lange erhalten. Doch alles hat Grenzen und vor der Sonne kapitulieren selbst die besten Klarlacke eines Tages. Spätestens nach 20 Jahren werden diese Lackschichten milchig trüb und haben mit der Bezeichnung Klarlack nichts mehr gemein.
Es gibt übrigens noch weitere Zersetzungserscheinungen. So beginnen im fortgeschrittenen Stadium der UV-Belastungen nach den Lacken auch noch die Hölzer zu reißen. Dann wird die Reparatur meistens besonders notwendig. Einige Fahrzeughersteller haben außerdem Edelholzapplikationen verarbeitet, die nicht auf Aluminium fixiert wurden. Folge ist eine mangelhafte Formstabilität.

 

Im Klartext: Die Hölzer werden wellig.  Das Ergebnis ist dasselbe: Keiner mags. Der Wunsch nach Abhilfe liegt also nahe. Dafür gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

1. Sofern noch Originalersatzteile lieferbar sind, können die Neuteile verbaut werden.
Häufigster Nachteil: Färbung und Maserung weichen von den übrigen im Fahrzeug eingebauten Holz­-
applikationen deutlich sichtbar ab.

2. Altteile ausbauen und  vom Fachbetrieb (meistens ein Schreiner) aufarbeiten lassen.  Ein guter Lackierer bekommt auch eine spiegelglatte Klarlackschicht wieder hin – ihm helfen Schleifpaste und eine finale Politur.

3. Ersteigertes Gebraucht-Ersatzteil einbauen. Das kann unter Umständen die beste Lösung sein, weil das Teil eine gewisses Maß an Patina aufweisen wird – damit passt es meist gut zu den anderen Bauteilen. Außerdem ist es im Regelfall die preiswerteste Lösung. Wenn da nicht die meistens fummelige und zeitaufwändige Montage wäre.

In vier Folgen zeigen wir am Beispiel einer Beifahrertür des Mercedes 500 SEC Coupé des Baujahres 1985, wie der Austausch einer Holzeinlage problemlos klappt.

Grundlagen: die ersten Vorbereitungen zur Demontage der Türverkleidung

1. Altes Holz und trüber Lack: Besonders im Bereich rechts neben den Sitzverstellungshebeln wird der milchige Ton der Klarlackierung erkennbar
2. Das Ersatzteil: Eine ebay-Ersteigerung, die glücklicherweise gut zur übrigen Maserung der verbauten Holz-Applikationen passt. Die Lackierung ist noch klar, sie wurde nur etwas aufpoliert. Das lässt sich mit Geduld, feinster Schleifpaste und anschließender Lackpolitur recht gut selber machen
3. Zunächst die kleinen Schalter zur Sitzverstellung abziehen. Das geht relativ leicht, wenn mit einem kleinen Kunststoffhebel nachgeholfen wird. Tipp: Plastik-Mantelheber aus der Fahrradwerkstatt helfen gut. Sie sind freundlich zu Fahrradschläuchen, also werden sie auch an der Türverkleidung nichts zerstören.
4. Der Türgriff lässt sich jetzt leider noch nicht demontieren. Aber ein einfacher Trick hilft weiter: Hebel ganz rausklappen und Schraubendreher in den Zwischenraum  drücken, um so etwas Spiel in die gesamte Kunststoffkulisse zu bringen. Dadurch lässt sich nun…
5. …leichter die Plastikschale der Sitzverstellung herausnehmen
6. Weiteren Platz verschafft das Lösen der großen Fixier-Schraube unterm Türzuzieher
7. Denn es kommt jetzt darauf an, als nächstes die Kunststoffschale hinter dem Türöffner zu entfernen. Das klappt nur mit viel Fingerspitzengefühl und  experimenteller “Wackelei”
8. Lohn der Geduld: Die Kunststoffschale konnte entfernt werden
9. Eine für die weitere Demontage entscheidende Schraube liegt jetzt frei. Sie sitzt unterm Türöffner
10. Sobald diese Schraube gelöst wurde, lässt sich die restliche schwarze Ummantelung am oberen Ende des Türzuziehers entfernen. So wird der Weg zur Fixier-Schraube des Zuziehbügels frei.
11. Jetzt die untere und mittlere Fixierschraube des Zuziehbügels komplett lösen und herausdrehen.
In der nächsten Folge zeigen wir, wie die restliche Innenverkleidung abgenommen und damit der Austausch des alten Holzteils gegen ein ansehnliches Ersatzteil vorbereitet wird

 

Bilder: Tobias Kerner

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