Viva Las Vegas

Der Viva Las Vegas Rockabilly Weekender ist zwar ein berühmtes, alljährliches Treffen in Las Vegas im April mit jeder Menge Hot Rod und Kustom Car Culture. Was die Sin City aber über das ganze Jahr in Sachen Autokultur wirklich leben lässt, ist die Aktivität von Clubs wie den Sin City Jokers. AUTO MOBILES-TRÄUME WAGEN kam in Kontakt mit der Geschichte, den Einstellungen und den Aktionen der illustren Gang aus Las Vegas.

Chito, einer der Köpfe der Sin City Jokers, war uns über Kati Dalek, der Fotografin dieser Story, als direkter Kontakt vermittelt worden. Telefon, E-Mail, Facebook, eine Art mehrgleisige, mediale Standleitung war aufgebaut, einfach mal eben über den großen Teich. Chito ist sein Chicano-Nickname. Chito wuchs in Las Vegas in einem härteren Viertel auf und war schon früh auf der Straße unterwegs. Dort machte er zwangsläufig auch Bekannschaft mit diversen Street-Gangs in Las Vegas, die denen in Los Angeles in nichts nach stehen. Hier muss man schnell lernen, wo man steht. Man denkt an Las Vegas höchstens als ein von der amerikanischen Mafia ausgebautes Glücksspiel- und Unterhaltungs-Paradies. Eine unter ihrem Kunstlicht-Spektakel nahezu explodierende Stadt, die einen astronomisch hohen Stromverbrauch hat. Aber Straßenbanden und klassische US-Auto-Kultur? Okay, da waren die ganz Großen, die zumindest den Rock ´n´ Roll oder lässigen Lifestyle nach Vegas brachten wie Elvis Presley oder Frank Sinatra. Ansonsten ist Las Vegas heute die am schnellsten wachsende Großstadt Amerikas mit Abermillionen von Besuchern jedes Jahr. Und weil an jedem Hotelbett im Schnitt vier Arbeitsplätze hängen, entsteht jeden Monat ein neues Viertel mit Tausenden von Häusern mit Vorgarten und Carport, eins wie das andere.

Doch Las Vegas hatte zum Glück immer auch eine Subkultur, eigene Jugend-Szenen, die in eben ihren Vierteln die Musik bestimmten. Dazu gehörte auch Chito, der Musikfan, der DJ, der echte Freund seiner Freunde. Ein Mann mit zig Tattoos – jedes ein Bekenntnis. Irgendwann stellte er fest, dass die wilde Jugend ein logisches Ende hat und ließ es etwas ruhiger angehen. Chito, auch Familienmensch, zog sich etwas zurück und widmete sich seinen Hobbies, der Musik und vor allem den Autos. Alte, coole US-Cars aus den Vierziger, Fünfziger und Sechziger Jahren. 1992 kaufte er sich einen 46er Plymouth Special, der dann – ganz Mexican Style – mit gekappten Federn vorne und Lowering Blocks hinten zum Low Rider umgebaut wurde. Dann, 1996, legte er sich einen 1965er Chevy El Camino zu, seinen treuen Daily Driver mit originaler 327er Maschine. Die montierten Gangster Supreme Felgen besitzt Chito seit den Achtzigern, ein Relikt der alten Zeit. Jetzt wohnt er auch in einem der vielen neueren Vierteln in einem für seine Freunde immer offenen Haus mit sauber gestutztem Rasen. Wer jedoch erstmalig durch die Straßen von Chitos Wohngegend fährt, muss wahrscheinlich froh sein, wenn ihn sein Weg gerade zu Chito führt – falls man mal gefragt wird, was man denn hier zu suchen hat… Sein Lieblingsspruch auf Facebook ist: “Entrégame un beso, una mirada y una caricia, yo te devolveré mi mundo, mi amor y cada trozo de mi vida.”

 

1998 war das Gründungsjahr des Auto-Clubs Sin City Jokers. Es vereinten sich coole, ehrliche und sehr straighte Leute in ihrem Interesse für Hot Rods, Custom Cars und dem dazu gehörigen Rock ´n´ Roll-Lifestyle. Die Gründer waren Jesee, Art und Ray. Dann kamen Chito, Theresa, Juan Carlos, Eddy, Ryan, Cesi und auch Jesse, der T-Shirt-Mann, dazu. Es geht darum, alte, coole US-Fahrzeuge zu fahren und zu customizen. Tagsüber gehen sie ganz normalen Berufen nach, fahren “Hitze bedingt” (so Jesse augenzwinkernd) und emotionslos auch irgendwelche modernen “Von A nach B”-Karren und keiner von ihnen ist gelernter Schrauber. Derzeit am Start sind Autos wie Chevy Fleetline 1947, Chevy Deluxe 1949, Chevy Belair und 210, beide aus 1953, ein Bel­air Hardtop aus 1954, ebenfalls aus 1954 ein Ford Customline, ein 1963er Lincoln Continental und einige Bikes. Chito hat noch einen 1965er Ford Thunderbird und einen 1976er Chevy Impala stehen. Ob sein 48er Chevy Fleetline schon fertig ist, wissen wir noch nicht. Jungs wie Art stecken ihr ganzes Geld in ihre Autos, sind absolute Nerds, die ohne Rücksicht auf Engpässe in ihre Perlen investieren. Auch Ryan mit seinem Continental war Jahre lang infiziert mit dem Vorhaben, selbst einen aufzubauen. Jetzt hat er seinen Traum realisiert, der Wagen ist ein kompletter Custom-Aufbau. Motor, Getriebe, Auspuff-Anlage mit stylischen Fish Tail Tips und Airride Fahrwerk. Viele Teile hat Ryan mit Kollegen in Eigenfertigung hergestellt wie Stoßstangen, Sitzbezüge und Schwingungsdämpfer. Die Farbe Metallic Blue mit Candy Ice Blue Scallops gewann bereits den Preis für die beste Lackierung beim ersten Car Show Auftritt des Wagens.

 

Die Sin City Jokers arbeiten aber nicht nur an ihren automobilen Schätzen. Jesse hat 2008 eine T-Shirt-Linie gestartet, die die Jokers samt neuen Cap-Designs über die SCJ-Homepage weltweit vermarkten. Die Jungs treffen sich regelmäßig privat zum abhängen, BBQ oder zum schrauben. Es gibt auch Interesse an Wohltätigkeitsaktivitäten für unterprivilegierte Kinder. Chito ist der Partyman und DJ und sagte mir ganz direkt, dass er immer noch sehr viel Party mit den Jungs mache: “Yeah Brother, we still party a lot!” Jesse antwortet auf meine Frage: What kind of music, art and lifestyle do you prefer?: “Oldies, chicano oldies, old school (70’s and 80’s R&B), Rockabilly for music…anything kustom kulture art…the jokers lifestyle”. Auf etlichen Auto- und Rockabilly-Treffen sind die Jokers vor Ort und präsentieren sich und ihre Karren. Aber niemals prollig, übermäßig besoffen oder peinlich. Die Jungs haben ihren eigenen, aufrechten und gleichzeitig freundlichen Stil und ziehen eine Haltung wie Respekt ganz automatisch an. Es gibt auch Pläne für ein eigenes, größeres Autotreffen. Aber alles auf easy und ohne Druck. Man findet auch nichts im Internet über die Jokers außer die Merchandise-Site, gewürzt mit einigen Fotos. “Ein Paar der Jokers sind zum Beispiel beide Polizisten. Sie und er wollen den Job bis zur Rente durch ziehen und dann den Jokers-Lifestyle mit ihren Autos und Freunden weiterhin und in vollsten Zügen genießen”, sagte Kati noch ergänzend.

 

Interessant ist auch, dass speziell die Deutschen einen Draht zu den Sin City Jokers haben. Mein Kumpel Helge war auch vor zwei Jahren in Las Vegas und… – hat die Jokers getroffen. Als ob man wie selbstverständlich in so einen Club rein laufen würde?! Chito erzählte, dass er kürzlich auch einfach geholfen hat, sieben US-Cars nach Deutschland zu exportieren. Fotografin Kati hat er auch schon eine lang gesuchte Stoßstange in Top Zustand für Schmales besorgt. Selbst mir Neuling hat er auch jedwede Hilfe mit Autosuche und Teilebeschaffung angeboten. Wahnsinn, er kennt mich ja gar nicht. Aber Leute wie Chito und die anderen Jokers haben eine untrügliche Nase für Menschen. Das hab sogar ich bei unseren Telefon-, E-Mail und Facebook-Kontakten sofort gemerkt. Der Umgang ist direkt aber herzlich. Und zum Viva Las Vegas Rockabilly Weekender jetzt über Ostern werden wieder sechs Deutsche bei ihm zu Hause zu Gast sein. “It´s all about friendship”, sagte er zu mir, als ich mich über seine Offenheit wunderte. Großartig, der Typ. Straft jede Sozialstudie Lügen und tut uns verstockten Deutschen richtig gut. Also, ab nach Vegas zum Weekender oder anderen Events. Die Sin City Jokers sind bestimmt auch am Start und bitte richtet Chito fröhliche Grüße aus von Brother Chris.

Joker Ape und auch die gesamte Jokers-Bande mit Girls und Karren grüßen mal wieder fröhlich. Cool sein hat im Mutterland der Coolness nämlich so gar nichts mit muffelig zu tun. VIVA SCJ!

 

 

INFORMATIONEN Sin City Jokers:
   
Was: Auto Club für Hot Rod und Custom Car Kultur
Wo: Las Vegas, Nevada, USA und Umgebung
Wer: Amerikaner (Weiße und Latinos, Männer, Frauen)
Warum: Hobby, Freizeitgestaltung, Freundschaft
Programm: entspanntes Cruising, gemeinsames Schrauben und customizen, BBQ´s und Auto-Event-Teilnahmen
Specials: Merchandise von T-Shirts und Caps (mehr Stuff in Planung)
Info: www.sincityjokers.com

Bilder: Kati Dalek

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