Eine Stilikone der 50er Jahre

Der 1955er „Donnervogel“ von Ford wurde in nur drei Produktionsjahren zur Legende.

Wie die Geschichte der Entstehung ranken sich ebenso viele Mythen wie um den Donnervogel selber, der in früheren Jahren mit seinen riesigen Schwingen angeblich für Gewitter und Sturm gesorgt haben soll. Der Thunderbird, hatte nach nicht bestätigten Überlieferungen seine Geburtsstunde  auf dem Pariser Autosalon von 1951, als der Ford Manager Lewis D. Crusoe mit dem Designer George Walker die Europäischen Sportwagen bewunderte und der Designer auf die Frage des Bosses, warum es bei Ford so etwas nicht gibt, geantwortet haben soll, dass man schon in der Planung sei. Gerüchten zufolge telefonierte der Designer noch am gleichen Tag mit seiner Abteilung und gab einen 2-sitzigen Sportwagen in Auftrag. Zudem hatte man bei Ford Informationen, dass Chevrolet an einem Sportwagen mit dem Namen Corvette arbeitete und so war es schon 1955 so weit, dass Ford mit dem T-Bird auf den Markt kam. Bereits in den ersten Tagen wurden mehr als 3.000 Kaufverträge unterzeichnet, was für Ford ebenso unspektakulär war wie die Gesamtstückzahl von 16.000 Fahrzeugen im ersten Jahr, doch in diesem neuen Segment war es erheblich mehr, als die Konkurrenz aus den USA und Europa unters Volk bringen konnte.

 

Während Chevrolet die ersten Corvetten mit einem 6-Zylinder Triebwerk anbot, vertraute Ford vom Verkaufsstart an gleich auf einen V8 Motor, der nach Meinung der Käufer zu einem Sportwagen gehört wie die Schmalztolle zu Elvis. Ein Grund dafür, dass der T-Bird heute zu den wohl begehrtesten Klassikern gehört, ist die Tatsache, dass er in der zweisitzigen Variante nur 3 Jahre lang gebaut wurde und selbst während der 3 Jahre einige Änderungen erhielt, die jeden T-Bird ganz speziell machen. Aus heutiger Sicht ist die Motorisierung des 1955er Thunderbird für einen Sportwagen sicherlich kein Kracher, doch für damalige Verhältnisse ist ein V8 Motor mit einer Leistung von ca. 168 kW (225 PS) ein absoluter Überflieger. Zu der Zeit hatte ein Mercedes 190SL beispielsweise gerade einmal 105 PS und auch der 6- Zylinder-Reihenmotor der Corvette war weit von der 200 PS Marke entfernt. Der T-Bird von Holger aus der Nähe von Hamburg ist eines der Fahrzeuge aus der früheren Produktion, bei denen es noch nicht die Option gab, seitliche Bullaugen im Hardtop zu ordern, um eine bessere Sicht zu gewährleisten. Zudem verfügt er ebenfalls noch nicht über das später lieferbare Convertion Kit mit dem Reserverad am Kofferraum, welches die Linie des Ford etwas stört. Dafür befindet er sich in einem nur leicht restaurierten Zustand, was ihn zu einem authentischen Exemplar seiner Gattung macht.

Lediglich einige Teile der Innenausstattung sind ausgetauscht worden, leichte Lackarbeiten wurden durchgeführt  und die Fahrwerksmechanik erhielt  eine Überarbeitung. Trotz der Leistung und der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von ca. 190 km/h war der T-Bird eher ein ruhiger Vertreter, was auch bei diesem Exemplar zu merken ist. Der Originalmotor hat nichts vom aggressiven Sportwagen, sondern nimmt seine Arbeit fast unhörbar auf. Beim Einlegen der ersten Fahrstufe setzen sich die ca. 1,5 Tonnen in Bewegung und man beginnt über den Asphalt zu rollen. Das Fahrwerk rumpelt etwas, in den Kurven neigt die Karosserie sich wie Opas Schaukelstuhl und beim Bremsen sind kräftige Oberschenkel gefragt. Für unsere verwöhnten Sinne kommt der T-Bird daher wie eine Antiquität, die man nicht kaputt machen möchte, doch wenn man bei erreichter Arbeitstemperatur das Gaspedal durchtritt, erreicht Oldie nach ca. 9 Sekunden die 100 km/h Marke, was für damalige Verhältnisse zu den Bestmarken zählte. Natürlich kann man aus heutiger Sicht einiges modernisieren, doch das Flair eines echten 1955er T-Bird geht dann sicherlich verloren. Und wenn man schneller fahren möchte, dann kann man ja immer noch auf einen der 2002 erschienenen Retro Thunderbird zurückgreifen. Trotzdem gesteht Holger, dass er immer wieder wie zwischen Engel und Teufel hin und her gerissen ist, wenn er mit seinem Thunderbird unterwegs ist. Auf längeren Strecken gerät er immer wieder in Versuchung, sich eine moderne Brems-anlage einzubauen, den Motor etwas zu tunen und eine dicke Auspuffanlage zu montieren, was er aber aufgrund akuten Zeitmangels immer wieder verwirft und sich auf die notwendigen Wartungsarbeiten beschränkt.

FAKTEN

1955 Ford Thunderbird Cabrio

EZ: 1955
Motor: 4.800 ccm V8
Leistung : 168 kW (225 PS)
Höchstgeschwindigkeit: ca. 190 km/h
Beschleunigung: ca. 9,0 sek. 0-100 km/h
Kraftstoffart: Benzin
Antrieb: Hinterrad
Getriebe: 3-Gang Automatik
Gewicht: 1.600 kg
Radstand: 2.591 mm
Länge: 4.458 mm
Breite: 1.749 mm
Höhe: 1.308 mm
Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung
Hinterradaufhängung: Starrachse
Tankinhalt: 63 Liter
Bereifung: 6,70 x 15 Zoll

Bilder: Frank Sander

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