Opel GT – Grand Classic Tuning

Einen Opel GT kauft man schon 1990 am besten nur nach Blechzustand. Damals wie heute kommen rostfreie Oldtimer häufig aus dem Süden der USA. So auch der hier vorgestellte Opel GT California, der mit seinem zeitgenössischen Tuning schon 2011 in die Nähe der H-Zulassung rückt…

am112010_6187_opel_gt_00Andreas Wolf war erst Anfang Zwanzig und wollte schon den Traum-Sportwagen aus seinen Kindheitstagen als reales Spielzeug erstehen. Obwohl man im Ländle eher von Mercedes SL oder schnellen Porsche spricht, wenn es um deutsche Sportwagen geht, stand für Andreas die Entscheidung bereits fest: Ein Opel GT musste her.

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Alte Liebe rostet nicht: Andreas Wolf am Steuer seines Traum-Sportwagens made in Rüsselsheim. Die beiden fanden über Umwege zueinander: Sein ursprünglich knallgelber GT ist ein Re-Import aus Kalifornien

Als junger Mann schaut man sich zunächst in der Umgebung um und so war Andreas erster GT zwar schick in Ferrarirot, jedoch leider ein marodes, typisch deutsches Exemplar. Diese “guten Stücke” glänzten zumeist mit einer schlechten Verkaufslackierung und wurden gerade in den Achtzigern noch als schnieker Sportler mit alltagstauglicher Opel-Technik teuer abgestoßen. Andreas kam dann aber schnell mithilfe eines Opel GT Spezialisten auf die heute landläufig praktizierte Idee, einen besseren weil rostfreien GT aus Kalifornien zu importieren. Schon damals war bekannt, dass das Blech zwar top, das Interieur dieser Importe jedoch oftmals durch starke, langjährige Sonneneinstrahlung Risse bekam und ausgeblichen war, Gummiteile trocken und die Technik meist schlecht gewartet wurde. Doch dank guter Ersatzteillage, machte sich Andreas um Interieur- und Technikfragen erstmal keinen Kopf. Er hatte sowieso einiges an ausgefeiltem Tuning vor…

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Kurzer Ausritt im Traumwagen der Siebziger: Im Hintergrund das Haupthaus des 17 ha großen Gartenparadieses "Arboretum" in Ellerhoop-Thiensen bei Pinneberg

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Der verschnörkelte Zündschlüssel ist ein ganz eigner Zugang zu einer lebenden Legende

Doch vorab einmal einer kurzer Ausflug in die Geschichte eines Opels, der markenübergreifend und von allen Seiten in seinem Design und Anspruch begeistert aufgenommen wurde. Seit der Vorstellung des Prototyps auf der IAA 1965 unter der Bezeichnung “Opel GT Experimental” fragte man sich allerdings, ob eine so biedere Marke wie seinerzeit Opel dieses Modell zur Serienreife bringen und tatsächlich ausliefern würde. Das General Motors Design-Team der US-Sportwagen-Ikone Corvette hatte für die GT-Studie mit dem bekannten Coke-Bottle-Design in kleineren Abmessungen und den patentierten Klappscheinwerfern (Schlafaugen) bereits einen großen Schritt gemacht. Nun mussten die Rüsselsheimer Autobauer lediglich noch die Innereien bestimmen. Hier wurde aus heutiger Sicht zwar solide, aber eher untermotorisierte Technik aus dem damaligen Opel-Regal verwendet. Der Opel GT 1100 erhielt den 1,1 Liter-Motor (60 PS) aus dem Kadett B und der GT 1900 das 1,9 Liter-Aggregat (90 PS) aus dem Rekord C. Basis war die Bodengruppe des Kadett B: Motor vorn und Antrieb hinten – die zu der Zeit gültige Formel für eine optimale Gewichtsverteilung. Der mit 103.463 Exemplaren erfolgreiche Verkauf startete 1968 mit einem vergleichsweise günstigen Preis um die 10.000,- DM.

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Der Carport mit mediterranem "Ausblick" und schwarzen Hochglanzfliesen ist das GT-Schatzkästchen

Der sich jedoch zum Glück schlecht verkaufende GT 1100 wurde schon 1971 durch den GT/J (Junior) abgelöst, der zwar die 1900er Maschine besaß, jedoch mit abgespeckter Ausstattung (kein Chrom, keine Cordsitze, kein Ausstellfenster, weniger Uhren) auskommen musste. Der Opel GT wurde tatsächlich in den USA unter demselben Namen häufiger als in Europa verkauft und ist bis heute durch eine gute Clubszene als “kleine Corvette” äußerst beliebt und als echter Sportwagen anerkannt. Er erlebte dann sein Produktionsende 1973 ganz schlicht mit der Einführung neuer US Sicherheitsstandards, wobei wir Spekulationen um die Konkurrenz im eigenen GM-Hause gegenüber der Corvette einmal außer Acht lassen wollen. Die Corvette bedient bis heute ein anderes Segment sehr viel stärkerer Sportwagen als der kleine Preis/Leistungs-Kracher Opel GT.

Neben den veränderten Produktionsbedingungen durch den Wegfall der französischen Stätten, die 1973 an Renault gingen, wollen wir einfach mal ganz idealistisch annehmen, dass GM und Opel das zeitlos schöne Design ihres kleinen Renners nicht verschandeln wollten. Der Opel GT strahlt bis heute durch seine schlanke Taille, das wohl geformte Heck und die seinerzeit ultracoolen Klappscheinwerfer in der flachen Haube sehr viel Sexyness aus. Leute aus dem Showbiz oder Motorsportler zeigten sich am und mit dem GT. Auch die ersten Tuner entdeckten das Auto schnell für sich.

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Diese Auswahl zeitgenössischer Plakate und Werbeprospekte dokumentiert eindrucksvoll, dass die Rüsselsheimer sehr wohl die eigene Variante der Sportwagen-Ikone der Siebziger attraktiv in Szene zu setzen wussten

Könner wie Steinmetz bauten die GTs für die Rennstrecke in immer stärkeren und schnelleren Varianten auf und fuhren etliche Siege ein. Auch Kunden-Rennfahrzeuge wurden gut geordert und im Rahmen der Opel-Markenrennen innerhalb des deutschen Formel1-GPs von 1969 bis 1976 waren die GTs ganz vorne mit dabei. Dieser Faszination war auch Andreas Wolf erlegen. Der Ende 1989 erstandene Ferrarirote GT mit schwarzem Heckspoiler aus Deutschland taugte aber nur für Teile der späteren Innenausstattung. Der Wagen wurde schon nach einem halben Jahr wieder verkauft, da die Durchsicht bei Fachmann Lenk aus Esslingen bei Stuttgart diesen als zu schlecht als Basis für einen Neuaufbau befand. Der Opel GT-Spezialist Gerry Lenk hatte vor gut 20 Jahren einen klingenden Namen für GT-Umbauten und Leistungssteigerungen, Fahrwerksoptimierung und Teilehandel.

Er riet Andreas, nach einem rostfreien Exemplar z.B. aus Kalifornien zu suchen. Dieser kam dann schon Mitte 1990 in Knallgelb als perfekte Basis aus dem Land der Surfer und des Sonnenscheins. Rostfrei und ready to be stripped. Mit dem schwäbischen Spezialisten plante Andreas dann die komplette Restaurierung und die Umbauten seines GT. Nach sämtlichen Vorbereitungen wurde die Karosse mit mehreren Schichten rotem Lack M 330 und drei Mal Klarlack neu aufgebaut. Rot war schon der erste GT und so sollte auch der neue Wagen in knalligem Rot glänzen. Der Sattler im Hause GT-Lenk veredelte die Wunschausstattung von Recaro aus dem Manta B mit elfenbeinweißem Leder, roten Kedern und rotem Porsche Velours. Das Armaturenbrett wurde mit neuer Mittelplatte und unzähligen Lenk-VDO-Instrumenten ebenfalls mit weißem, geschabtem Leder teuer bezogen, natürlich auch in Leder weiß: Raid II-Sportlenkrad, Mittelkonsole, Handschuhfach, Türverkleidungen und Himmel. Die roten Schroth-Hosenträger-Gurte passen bestens und veränderten durch die hinteren Montagepunkte die Nutzbarkeit der Rücksitzbank. Soweit zur Optik. Eine spezielle Tieferlegung von Lenk, Irmscher-Teile an der Bremsanlage und BBS RS 100-Felgen runden das Paket konsequent ab.

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Perfekt im Stile der 80er: Der außen knallig rote GT punktet mit einem Interieur in elfenbeinweißem Leder

Als Motor wurde ein 2,4 Liter 4-Zylinder-Einspritzer aus dem Opel Omega A transplantiert. 100 kW bei 5.200 U/Min stehen nun zu Buche. Die Reste der potenten Verbrennung fauchen mit sonorem Röhren aus der Lenk-Doppelauspuffanlage. Dies hoffentlich in die dankbaren Hörkanäle der geneigten Zuschauer und -hörer von Andreas sportlichen Ausritten. Apropos Ausritte: Nach den Jahren bei Stuttgart mit Touren zum Bodensee und durch den Schwarzwald, fährt Andreas als eingemeindetes Nordlicht nun gerne bei norddeutschen Oldtimer-Rallyes mit. Vielleicht erlebt der ein oder andere Leser den authentisch getunten Opel GT demnächst ja auch einmal aus der Nähe. Er ist ein echter Hingucker und mit dem letzten Lenkschen Update aus 1991 auch in guter Ausgangsposition für eine H-Zulassung in 2011. Denn Zubehör und Anbauten müssen bei einem mindestens 30 Jahre alten Auto nur mindestens 20 Jahre alt sein. Viel Glück dabei und vielen Dank für die Ausfahrt in einem einzigartigen Klassiker.

Bilder: Christian Böhner

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