Der Wahnsinn des Winters

avatar_6Dunkelhaft, Fettleibigkeit und Gefrierbrand? Lachhaft. Das wirklich Gefährliche an dieser Jahreszeit lauert an anderer Stelle. Denn zwischen Glühwein und Trübsinn kommt der Benzinkopf auf komische Ideen. Zum Beispiel auf den Gedanken, sich einen Toronado mit 375 PS zu kaufen.

„Wieso fährst Du eigentlich keinen Amerikaner?“ fragte Jens mich vor einer Woche. Ich verschluckte mich an meinem Keks und hustete Feinstaub. „Was ist denn das für eine Frage?“ krächzte ich zwischen sechs Krümeln. Wir hatten gerade „Love The Beast“ gesehen, einen überaus empfehlenswerten Dokumentarfilm des Schauspielers Eric Bana. Die meisten kennen den Australier aus Filmen wie „Hulk“ oder „München“, wenige wissen, dass der Mann ein ausgemachter Auto-Nerd ist. Der Film erzählt die Liebesgeschichte zwischen Bana und seinem Ford XB Falcon Coupe von 1974 und beinhaltet die tragische Note, dass Bana und seine Buddys den Wagen komplett neu aufbauen, um mit ihm die Targa Tasmania Rallye zu bestreiten – mit bösem Ende.

Der Film beinhaltet alle Komponenten, die Menschen wie mich glücklich machen: Ein wirklich schönes Auto, ein wirklich schöner Mann, und viele Verrückte wie die Moderatoren Jeremy Clarkson und Jay Leno, die in dem Film auftauchen. Außerdem weine ich immer heimlich in der Sequenz, in der Bana seinen Wagen zerlegt und seufze beim Anblick von Karre und Kerl. Ganz großes Kino eben, ganz große Gefühle.„Hast Du nicht gehört, was Jeremy Clarkson eben über US-Kisten gesagt hat?“ fragte ich zurück und fischte einen halben Keks aus meinem Ausschnitt. “Darf ich zitieren? Er sagt: They all look fantastic, but all muscle cars are crap. They don’t handle properly.“ Und ganz zu schweigen von Clarksons Nachsatz: „Six hundred horsepower and leaf springs … are you mad? Recht hat der Mann! Muscle-Cars sind übermotorisierte Monster. Und Bana gibt ihm recht.”

Jens betrachtete das Etikett seines Biers mit größtem Interesse. „Und deswegen schleichst Du auch immer um den Charger herum und liebäugelst mit einem Cougar. Bist Du nicht sogar mal einen Mustang Probe gefahren?“ Ja, bin ich. Der Wagen stand zum Verkauf an der Straße, erst schlich ich betont unauffällig um ihn herum, und zückte dann wie ferngesteuert mein Telefon. Keine zwei Stunden später saß ich in dem Geschoss. Allerdings handelte es sich um einen Mustang II von 1978, wenn ich mich recht erinnere. Ein kastrierter Alptraum in braunmetallic. 35 Zentimeter kürzer als sein legendärer Vorgänger, zwölf Zentimeter schmaler und etwa 100 Kilo leichter. Um ehrlich zu sein, kaufte ich ihn nur deswegen nicht, weil beim Beschleunigen der Lack abblätterte. Bei einem Preis von 7000 Euro, wohlgemerkt.

„Warum kaufst Du Dir nicht einen Oldsmobile Toronado?“, schob Jens hinterher. „Der hat Fronantrieb.“ Ich schwieg. Eine Woche ist das jetzt her, und ich schweige noch immer. Das ist das Gefährliche am Winter. Du frickelst in der Garage an Deinen Kisten herum, Du konsumierst nonstop Kekse und Autofilme und schnüffelst heimlich an den Auto-Ersatzteilen in Deiner Wohnung, bis Du den Frühling zu riechen meinst. Und Du kommst auf seltsame Ideen. Ein Toronado. 7,0 l-V8, 385 SAE-Brutto-PS. Hüstel. Warum eigentlich nicht.

 

Ein Gedanke zu “Der Wahnsinn des Winters

  1. Hihi… Dein Jens hat Recht… Du kannst Dir mal meinen Toronado ausleihen, wenn Du inne Schweiz bist (Lusthansa fliegt direkt HH – ZRH) und die Vorteile von 385 SAE-PS und Frontantrieb kennenlernen. Aber erst im Frühling. Jetz is Winterschlaf…S

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