Altblech auf Platten geträumt

Andrea Mayer ist nicht mehr zu retten. Zum Glück. Denn von ihrer Leidenschaft profitieren auch wir. Andrea ist eine junge, attraktive Frau aus Dresden – und eine begabte Malerin. Sie bringt besonders gern klassische Autos auf unnachahmlich atmosphärische Weise auf MDF-Platten

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Dodge Challenger – 2010 entstanden während der Restaurationsphase unseres Firmenaushängeschildes 73er-Challenger. Mein erstes eigenes US-Car, welches inzwischen die Straßen von Dresden erleuchtet, wie auf diesem Bild. Lila und gelbe Schattierungen im Hintergrund Signalfarbe Rot im Auto Spiegelnder Chrom Öl auf MDF.

Andrea Christine Mayer ist eine ungewöhnliche Persönlichkeit. Sie verbindet eine junge Lehramtstätigkeit vom Start weg mit ihrer Liebe zu automobilem Altblech. Wie geht das zusammen? Über die Kunst. Andrea ist Kunst-Lehrerin und Auto-Nerd. Im Schul-Atelier malt sie heute ihre Bilder. Dort kann sie dem inneren Glühen, das spezielle Autos in ihr erwecken, in aller Ruhe Ausdruck verleihen. Denn Ruhe zum Malen hat sie im privaten Umfeld eher nicht.

Das liegt unter anderem an Uwe Sickert. Der betreibt die Restaurations-Werkstatt “MotorVisionen” in Dresden. Ein eher lauter und gerne öliger Platz, wo aus potentiellen Klassikern echte Perlen entstehen. Eine Welt, die Andrea genauso liebt und lebt wie die ruhige Atmosphäre an der Staffelei.

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VW Käfer – Das war eines der ersten Bilder, ein Käfer Cabrio. Mein Herz schlug schon als Kind für den VW Käfer, meinen ersten eigenen kaufte ich 2003, einen rapsgelben 1975er. Erstes Restaurationsobjekt, heute noch in meinem Besitz. Er ist abgemeldet, steht in einer alten Scheune, trocken. Dort ist immer noch mein Rückzugsort. Dann wisch ich ihm den Staub vom Blech und fahre seine Formen ab. Davon inspiriert malte ich dieses Bild hier – Herz zum Beatle. Öl auf MDF Blautöne Froschperspektive.

Wir sind über Andrea Mayers Dodge Challenger “El Diablo” auf sie aufmerkam geworden, über den wir bereits in der TRÄUME WAGEN berichtet haben. Aus dieser Begegnung stammt auch das Wissen um Andreas Auto-Bilder. Wir mochten ihren grellen, bunten und naiven Stil sofort, denn er hebt sich von den naturalistischen Gemälden, die man von Oldtimer-Messen kennt, deutlich ab. So entstand die Idee, ihre bisherigen Werke vorzustellen, auch wenn das eine oder andere bereits verkauft wurde.

Um Andreas Werdegang zur Künstlerin und ihrer speziellen Art der Auto-Malerei näher zu kommen, lassen wir sie selbst zu Wort kommen. Zu den einzelnen Bildern hat Andrea jeweils direkt erklärt, wie diese entstanden sind…

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Ford Mustang Fastback – Gemalt 2010, verbinde ich das Bild mit dem Film „60 seconds“… Obwohl es sich um den Umbau eines 67er Fastback mit „neumodischen“ Teilen handelt, hat dieses Fahrzeug dazu geführt, Emotionen bei vielen US-Car-Fans auszulösen. Es verbindet Moderne mit Klassik und ist sicherlich auch eine Ursache für die vielen jungen Newbee´s in der Szene, die durch den Film mit Nicolas Cage inspiriert werden. Ich liebe die Form dieses Mustangs… diese Linienführung, vom Dach ablaufend, schräg nach unten im Heck auffangend… es ist so traumhaft schön. Deshalb: Seitenansicht.

TRÄUME WAGEN (TW): Die Bilder wirken lebendig, sie transportieren Leidenschaft. Wie machst Du das?
Andrea Christine Mayer: Generell versuche ich, Momente und Details mit meinen Bildern einzufangen, die mir wichtig sind, zu denen ich eine Verbindung habe und die Emotionen in mir und den zukünftigen Besitzern wecken.
TW: Malst Du nur selbst gewählte Motive?
Andrea: Ich suche mir oft eigene Motive, ich erhalte aber auch regelmäßig Anfragen. Bei einem Auftragswerk bekomme ich das Wunschmotiv als Foto. Wir sprechen dann über die Farbvorlieben und die gewünschte Größe sowie über den Hintergrund des Wunschbildes.
TW: Ist das nicht ein Eingriff in Deine künstlerische Freiheit?
Andrea: Nein. Ich versuche, die mir vermittelten Wünsche in den Bildern auf meine eigene Art darzustellen. Das ist ja auch vom Kunden so gewollt.Wenn das Bild fertig ist, bekommt der Kunde ein Foto von dem Ergebnis. Sollte etwas abgeändert werden müssen, was eventuell nicht gefällt, bin ich gerne dazu bereit, noch einmal Hand anzulegen.
In der mir verbleibenden Zeit male ich so oft es geht nach meinen Wünschen und Vorstellungen.
TW: Behältst Du diese Bilder für Dich?
Andrea: Nein, ich verkaufe die Bilder, zum Beispiel über MotorVisionen.
TW: Beschreibe bitte Deine Mal-Technik.
Andrea: Die Bilder sind in Öl und Acryl gemalt auf einer MDF-Platte, weil ich keine Leinwände mag. Der Vorteil ist der stabilere Untergrund, der nicht nachgibt und nicht nachgespannt werden muss.
TW: Wie beschreibst Du Deinen Mal-Stil?
Andrea: Leuchtende Farben, klare Formen, gerade Farbabtrennungen, kubische Hintergründe sind mein Markenzeichen und zeichnen meine Bilder aus, wobei neben Farbe auch Schwarzweiß seinen Reiz hat – ganz nach Kundenwunsch. Am liebsten großformatig – 1×1 Meter und mehr. Aber kleiner geht auch, denn große Bilder brauchen Platz um zu wirken, und nicht jeder besitzt genug davon.
TW: Warum glänzen die Bilder so speziell?
Andrea: Sie erhalten eine Firnis, damit sie unempfindlich gegen die Sonne sind, gleichmäßig glänzen und die Farben ihre Sattheit aufzeigen.
TW: Wie bist Du Malerin geworden?
Andrea: Ich habe Lehramt auf Kunst und Geschichte für die gymnasiale Oberstufe studiert, was natürlich ein Kunststudium an der TU Dresden einschloss. Bei der Dresdner Koryphäe Prof. Dr. Roland Unger erlernte und verfeinerte ich die Öl- und Acrylmalerei und entwickelte meinen eigenen Stil.
TW: Wie kamst Du dann zu MotorVisionen?
Andrea: Nach meiner Ausbildung stand eine Wartezeit auf mein Referendariat an, währenddessen gründeten wir MotorVisionen. Meine Liebe zum Automobil schlug sich nicht nur in meinen Bildern nieder, sondern ich hatte die Objekte live vor mir. Ich arbeitete mit ihnen, erweckte sie mit zum Leben – und hole sie aus Amerika.
TW: Wie sieht Dein Alltag heute aus?
Andrea: Mittlerweile arbeite ich als Lehrerin für Kunst und Geschichte am Gymnasium Dresden-Plauen und natürlich bei MotorVisionen. Ich male in der Schule, während der Pausen und nach dem Unterricht. Ich biete neben dem normalen Unterricht auch einen Malkurs an. Da können sowohl Schüler als auch Lehrer teilnehmen.

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Paule – Dieses Bild ist ganz besonders: Ab und zu fange ich nicht nur Fahrzeug auf, sondern Momente, wie diesen kleinen Aufpasser vor einem Mustang – Paule: Watchdog. Ich durfte den Hund (und seinen Besitzer) kennen lernen und brachte ihnen das Bild, nachdem es trocken war, persönlich vorbei. Ich denke, dass seine Besitzer mit diesem Bild genauso viel Herz verbinden wie ich mit diesem Moment auf einer US-Car-Show, als ich Paule entdeckte.

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Der Jever Mustang … – Ende der 60er Jahre wurde genau dieses Fahrzeug zum Symbol der Sportlichkeit – im Film Bullitt mit Steve McQueen in den Hängen von San Francisco. Bullitt-Felgen, Bullitt-Green und natürlich das über allen schwebende Emblem, das Running Horse. Heckansicht: Klare Linien und Formen – wie eigentlich überall wiederkehrende Farben im Vorder- und Hintergrund. Beschränkung auf Grün, Gelb und Rot. Glanz – Licht.

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Ford vs. Mopar – Mein Lieblingsbild. Das habe ich ursprünglich für mich gemalt, habe es dann aber doch schon während seines Entstehens verkauft. 68er Mustang Coupé, 73er Challenger. Diesen Moment nahm ich auf, als ein guter Freund mit seinem 68er Mustang Coupé die Werkstatt besuchte und hinter meinem Challenger stand. Heckansichten: Leuchtende Rücklichter – amerikanische Fahrzeuge waren schon immer gekennzeichnet von besonderen Rückleuchten, in den 50ern dazu durch die Schwingen, und in den 60er und 70ern – wie auf diesem Bild – durch Sportlichkeit. Der Style ist hier from Pony to Muscle – zwei besondere Fahrzeuge dieser Epoche, mit denen ich mein Herz teile…

INFORMATIONEN

Die Bilder von Andrea Christine Mayer gibt es bei:

MotorVisionen
Uwe Sickert
Hamburger Str. 65A
01156 Dresden

0351/3270607

www.motor-visionen.de
motorvisionen@gmx.de

“ARTS by MotorVisionen”

 

Bilder: Andrea Christine Mayer

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