Roy Brizio Street Rods: Shop-Tour

Wer Street Rod sagt, muss auch Roy Brizio sagen – die erste Adresse für jeden, der in Sachen abgefahrene Autos auf Shopping-Tour geht. Dazu muss man nur in den Süden von San Francisco reisen. Was der Experte zu bieten hat, lohnt jeden Umweg

am122011_7007_roy_brizio_00Roy hält das nun wirklich für Quatsch, was da in jüngster Zeit – manchmal sogar sehr verbohrt – diskutiert wird: Street Rod oder Hot Rod? Ist das wichtig? Haben die Leute keine anderen Probleme? Für ihn ist das alles dasselbe. Denn als er seinen Shop 1977 eröffnete, steckte die Street-Rod-Szene in den Anfängen. Ende der 60er Jahre hatte sich das alte Hotrodding mehr oder weniger totgelaufen. Die Gründe waren vielfältig – egal. Schon Anfang der 70er Jahre formierten sich die ersten Unverdrossenen, um das Hotrodding, jetzt als Nostalgiebewegung, wiederzubeleben. 1970 wurde die NSRA, die National Street Rod Association, gegründet. Man wählte bewusst den Begriff “Street Rod” und nicht “Hot Rod”: Zum einen sollte es ausdrücken, dass es um straßentaugliche Autos ging, die auch gefahren werden, zum anderen wollte man sich vom Böse-Buben-Image der alten Hotrodder distanzieren.

Der Schraubenschlüssel fällt nicht weit vom Werkzeugkasten, sagt man, und Roy bildete da keine Ausnahme. Sein Vater, Andy Brizio, war ein bekannter und respektierter Hotrodder, nicht umsonst trug er den Beinamen “The Rodfather”. Unter anderem hatte er 1966 mit dem “Instant T” (nettes Wortspiel) den ersten Hot-Rod-Bausatz mit GFK-Karosserie auf den amerikanischen Markt gebracht, einen Ford T. Daneben führte er auch den “Champion Speed Shop”, der Performance-Teile für Hotrodder und Dragracer verkaufte. Roy war schon als Kind ständig dabei und wuchs mit Hot Rods auf. Im Jahr 1977, mit 21 Jahren, richtete er im Hinterhof des Speed Shops seine erste Hot-Rod-Werkstatt ein, schon unter dem Namen “Roy Brizio Street Rods”.

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Schon im Vorraum kann man jede Menge Geld ausgeben, wenn man will...

Zunächst hatte er nur einen Teilzeitangestellten, Jim Vickery (der ist heute immernoch da). Aber nicht mal ein Jahr später zog Roy in einen eigenen, großen Shop in der 505 Railroad Avenue in South San Francisco um. Die Zahl der Angestellten wuchs ständig, heute sind es 16. Der Name “Roy Brizio Street Rods” ist längst zu einem Markenzeichen geworden, und das gilt als Garantie für beste Qualität.

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Dieser 40er Ford wird von Grund auf restauriert.

Glück mit Reggie

Man muss auch etwas Glück im Leben haben, um irgendwann einmal zu den ganz Großen im Geschäft zu gehören. Roy lief das Glück 1977 in Form von Reggie Jackson über den Weg, als der zum ersten Mal bei ihm auftauchte und einen Hot Rod gebaut haben wollte. Was, ihr kennt Reggie Jackson nicht? Roy ging’s damals nicht anders und heute ist ihm das schon ziemlich peinlich. Reggie Jackson war nämlich einer der ganz großen Baseball-Stars in den Staaten. Okay, nicht gerade Babe Ruth, aber auch nicht wirklich unbedeutender. Roy aber hatte keine Ahnung, welcher Promi da in seinem Laden stand, der interessierte sich nur für seine Autos und nicht für Sport. Aber Reggie wollte ja nicht fachsimpeln, sondern einen Street Rod bestellen. Dass der aber schon in drei Monaten fertig sein sollte, rechtzeitig zur SEMA, der jährlichen großen Tunermesse, war ein bisschen viel verlangt. Normalerweise dauert das zwischen einem halben und einem ganzen Jahr.

Aber Roy fand eine Lösung: Er besorgte für Reggie ein “unfinished project”, ein bereits angefangenes Projekt, dass er dann tatsächlich innerhalb der vorgegebenen Zeit fertigstellte.?Das war der Beginn einer wunderbaren, dauerhaftenFreundschaft…

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Verschiedene Vorderachsen machen Lust auf den Komplettumbau des eigenen Autos...

Reggie ist Roy’s ältester und treuester Kunde und hat sich im Lauf der Zeit ein Dutzend Autos von ihm bauen lassen. An Prominenten mangelt es übrigens bei den Klienten nicht. Dazu gehören unter anderem die Hotrodder und Musiker Jeff Beck, Jimmy Vaughn und Eric “Slowhand” Clapton. Für letzteren hat Roy vor einiger Zeit einen 40er Ford mit einem 600-PS-Chevy-Bigblock-Motor samt Blower gebaut. Erics Hand mag langsam sein, sein Auto ist es ganz sicher nicht …?Anders als Boyd Coddington (über den manchmal ein bisschen gelästert wird, obwohl viele seine Arbeit und seine Innovationsfähigkeit im höchsten Maße bewundern) wurde Roy nicht so bekannt, weil er besonders spektakuläre oder richtungsweisende Hot Rods gebaut hätte.Sondern vor allem aufgrund der hervorragenden Qualität seiner Arbeit und seiner hundertprozentigen Zuverlässigkeit. Überhaupt ist Roy irgendwie das genaue Gegenteil von Boyd – er ist das, was man in den USA im positiven Sinn als “down to earth” bezeichnet. Nicht nur, dass er selber mitschraubt, wenn es die Zeit erlaubt – jeder kann ihn beobachten, wie er in der Frühstückspause mit seinen Jungs Klappstullen isst. Das kann man sich von Boyd schwer vorstellen, nachdem man “American Hot Rod” gesehen hat, die Story aus der DMAX-Serie.

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… genauso wie diese "Quickchange"-Hinterachsen, die für rund 3.500 Dollar zu haben sind.

Ford, the “Deuce”

Roy’s Lieblingsautos sind 32er Fords. Uneingeschränkt. der “Deuce” ist der wahre Hot Rod. Und das nicht erst seit John Milners in “einer Mischung aus Pissgelb und bekotztem Grün” lackiertem Deuce Coupé in “American Graffiti” – das 32er Ford Coupé hatten schon lange davor die Beach Boys mit ihrem gleichnamigen Song unsterblich gemacht. Während sein Vater Andy erklärter Ford-T-Fan ist, war Roys erster Rod natürlich ein 32er Ford Coupé, der zweite ein Ford Roadster Baujahr 32.

Andere Modelle hat er seitdem nicht mehr besessen. Kein Wunder, dass auch die absolute Mehrheit der im Kundenauftrag gebauten Autos 32er sind. Obwohl Roy grundsätzlich alles macht.

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Blickfang: In der sehenswerten Halle hängt sogar ein alter Dragster an der Wand.

Neben kleineren Arbeiten werden bei Roy Brizio Street Rods durchschnittlich sieben Autos im Jahr komplett aufgebaut. Bei der sprichwörtlichen Qualität müssen die Kunden allerdings auch ordentlich in die Tasche greifen: Roy ruft im Normalfall Preise zwischen 80.000 und 125.000 Dollar auf – das ist schon Porsche- und Ferrari-Klasse.
Der Unterschied zwischen Roy’s Werken und den “üblichen” Sportwagen aus der Alten Welt liegt vor allem im Geschmack des Betrachters. Es gibt Leute, denen fällt beim Anblick von Lenkern in Porsche oder Ferrari sofort der Begriff “reicher Schnösel” ein. Entdecken sie dagegen jemanden in einem Hot Rod, überwiegt Bewunderung: Hat der ein cooles Auto…

Cooles Auto? Lassen wir lieber Bilder sprechen. Nicht umsonst heißt es: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte…

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Benzingespräch: Bei Roy gerne am Motor des Interesses.

INFORMATIONEN

Roy Brizio Street Rods
505 Railroad Avenue
South San Francisco
CA 94080

Tel.: 001 650 952 7637
Fax: 001 650 952 0840

www.roybriziostreetrods.com

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Auch der Woodie wird komplett restauriert.

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Ein 32er, diesmal ohne Kotflügel und Trittbretter.

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Innerhalb eines Jahres werden durchschnittlich sieben Autos komplett aufgebaut.

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"Traditionell" ist wieder in, wie bei Brizio.

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Der Chef persönlich: Roy Brizio (links).

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Seltenes Teil: ein 55er Chevy Nomade.

 

Bilder: Hans Pfeiffer

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