Damals Flop, heute Top – Buick Riviera Coupé 1973

am132011_7025_buick_rivera_00Riviera? Schon mal gehört? Gegenüber Mustang, Camaro oder auch Cadillac gehört der Riviera eher zu den wenig bekannten Fahrzeugen in der großen Palette der US-Cars. Ein Grund dafür ist, dass der so genannte „Boattail“-Riviera, der an die Roadster-Modelle der 30er Jahre erinnern sollte, in den drei Produktionsjahren von 1970 bis 1973 nur 101.618 Mal gebaut wurde. Von dem Nachfolger, der gegen den 73er sehr konventionell und langweilig wirkt, wurden dann trotz gewöhnlichem Stufenheck noch weniger Fahrzeuge verkauft. Und was dann ab 1986 in den Handel kam, hatte nichts mehr mit dem aufregenden und unkonventionell gestalteten 1973er zu tun.

Ursprünglich plante man bei GM, den Riviera bei Cadillac fertigen zu lassen, beschloss dann jedoch aus Kapazitätsgründen, den Riviera bei Buick zu bauen. 1998 verließ der letzte Buick mit dem Riviera das Band.

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Umgeben von weißem Leder, Holz und einer aufregenden Karosserie, gleitet man in dem Buick fast königlich über die Landstraßen.

Wie schön, dass Peter Heigl aus Grafenwiesen einen 1973er Buick Riviera pflegt. Mit einer Länge von 5,674 Metern und einer Breite von 2,05 Metern gehört der zweitürige Buick zu den fetten Schiffen dieser Klasse und ist mit 2.140 Kilo auch nicht gerade ein Leichtgewicht. Dies resultiert nicht nur aus der großen Karosserieform, sondern ist auch das Ergebnis einer absoluten Vollausstattung mit Klimaanlage, Servolenkung, elektrischen Fensterhebern und der damals neuen Shock-Absorbation in der vorderen Stoßstange, die einen Aufprall mit bis zu fünf Meilen pro Stunde abfedert.

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Unser erster Blick gilt – nachdem Heigl die Abdeckung von dem in makellosem Candyrot lackierten Riviera zieht – dem korrekten Sitz der Mittelsicke von Dach und Heckklappe, die mit dem angedeuteten Mittelsteg der Heckscheibe eine Linie ergeben sollte. Tut sie auch bei diesem Buick, was auf eine gute Restaurierungsarbeit hindeutet. Der im Jahre 2005 eingeführte Buick hatte in den USA nur einen Vorbesitzer aus Santee in Kalifornien, bevor er in Deutschland von Nico Bialek komplett zerlegt und überholt wurde. Alle Verschleißteile wurden erneuert, alle verwertbaren Teile aufgearbeitet. Der Wagen erhielt als Aufwertung weiße Ledersitze, 8×15 Cragar Felgen mit 235er-Gummis vorn und 255er hinten sowie einen Edelbrock-Vergaser samt Ansaugspinne und Luftfilter. Mit komplett überarbeitetem Fahrwerk liegt der Riviera satt auf der Straße, die Vierrohr-Auspuffanlage sorgt für satten und tiefen Sound. Natürlich ist das Coupé mit seinen 147 kW (250 PS) kein Sportwagen, doch dank der knapp 7,5 Liter Hubraum ist genug Kraft in allen Lebenslagen vorhanden – auch für 175 km/h Spitze. Die Power ist für Heigl auch gar nicht so wichtig, denn er will, seit er den Buick im Jahre 2009 bei Ebay (ohne deutsche Papiere) gekauft hat, in Ruhe cruisen und sich vom Alltag erholen.

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Nach dem Motto "Hubraum ist nur durch noch mehr Hubraum zu ersetzen" blubbert hier nun der Sound von 7.500 ccm auf vier Auspuffrohren.

 

am132011_7025_buick_rivera_10Auch für die Augen der Passanten ist der Wagen eine Erholung – vom täglichen Einerlei moderner Autos…

www.buickclub.de
www.auto-spaeth.de

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BUICK RIVIERA COUPÉ 1973
EZ: 01.07.1973
Motor: 7.456 ccm V8
Leistung: 147 KW (250 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Antrieb: Hinterrad
Getriebe: Dreistufen-Automatik TH 400
Gewicht: 2.140 kg
Länge: 5.674 mm / Breite: 2.050 mm / Höhe: 1.460 mm
Vorderradaufhängung: Einzelrad mit Schraubenfedern
Hinterradaufhängung: Starrachse mit Schraubenfedern
Bereifung: 235 / 60 R15 vorn, 255 / 65 R15 hinten
Sonderausstattung: Leder Weiß, Grant Lenkrad, Edelbrock Luftfilter, Edelbrock Vergaser, Cragar Felgen 8×15
Bilder: Frank Sander

14 Gedanken zu “Damals Flop, heute Top – Buick Riviera Coupé 1973

  1. Jawohl!! Cooler Schlitten, Gratulation dem stolzen Besitzer! Der Riviera gefiel mir schon immer ausgesprochen gut, weil er so anders aussieht als die übrigen zeitgenössischen US-Cars. Dieses muskulöse Heck ist einmalig, die Seitenlinie bestechend aufregend. Das Modell 1967 gefällt mir zwar noch einen Tick besser, aber der hier gezeigte Riviera ist zweifelsohne ein Prachtsexemplar.

    Beste Grüsse aus der Schweiz,
    Stefan H.

    • Hallo Stefan,

      da kommt bei mir persönlich, auch wenn ich nicht Autor dieses Artikels bin, die Frage auf: Möchtest du nicht generell deinen Fuhrpark mal mit dem einen oder anderen Ami erweitern? Die Zeiten sind gut, die Preise niedrig…

      Viele Grüße aus dem hohen Norden Deutschlands
      Jens

      • Hallo Jens,

        mit dem Gedanken hatte ich auch schon gespielt, ihn aber immer wieder verworfen. Weshalb? Nun, erstens habe ich trotz der faszinierenden Formen und Motoren irgendwie keinen persönlichen Bezug zu US-Fahrzeugen. Zweitens ist die als einfach geltende Technik, wenn es ans Eingemachte geht, plötzlich alles andere als simpel; mein Ford Fairlane fahrender Kollege lässt grüssen. Und drittens sind gute Autos leider unerschwinglich, unter CHF 25’000.- bekommst Du eigentlich fast nur Schrott, auch wenn er oberflächlich noch gut aussieht. Vernachlässigte Wartung und Pflege wird gerade bei Amerikanern richtig teuer!
        So bleibe ich lieber bei europäischen Fahrzeugen, wobei ich die dicken US-Schlitten natürlich weiterhin bewundere.

        Gruss, Stefan H.

        • Hallo noch einmal Stefan,

          okay, dein Anspruch an den Zustand eines Fahrzeuges ist allerdings auch ein ganz besonderer…
          Ich habe in meiner Zeit, da ich zwei Amis hatte (allerdings weniger exotische), vor allem die gute Ersatzteilversorgung und die moderaten Preise bewundert. Hm. Mal wieder so ein Cadillac… 🙂

          Schönes Wochenende

          Jens

  2. Wow, waren das noch Formen! Ein wenig Corvette Stingray, ein bisschen GTO… Und es sah immer klasse aus.
    Da merkt man erstmal, wie lächerlich es ist, wenn einige Leute das dem Fahrer entgegengeneigte Cockpit BMW zuschreiben!

    • Hallo Maik,

      was mich dabei vor allem fasziniert sind die mutigen Formen, die immer eigenständig und immer anders waren. Heute habe ich das Gefühl, an den Autos wird rumdesigned nur um des Designs wegen. Auf ein stimmiges Gesamtbild wird meiner Meinung nach nicht immer geachtet.
      Da fällt mir eine neue Kolumne ein……
      Ich muss weg!

      Jens

      • Ay Jens,

        wie wäre es in dem Zusammenhang denn mal mit einem Beitrag “Design, einst und heute”? Beispiele gibt es ja zur genüge.
        Man könnte doch bestimmte Modelle aus ein und der selben Sicht darstellen um gewisse Entgleisungen anschaulich und erheiternd zu entlarven.
        Mir fallen dabei nicht nur die unsäglichen Crashboxen gewisser Hersteller ein,
        welche für die entsprechende Nasenbär-Optik sorgen. Begonnen hat das alles mit dem unsäglichen Cab forward Design. Dazu noch die heutigen Scheinwerfer, welche allmählich an der Frontscheibe ankommen, gepaart mit der bekannt miserablen Übersicht, fertig ist man mit der Beschreibung.

        Dazu dann mal die Proportionen von früher, langer Vorderwagen, kurzer Überhang vorn, hinten klassisch länger. Beispiele gibts genug. BMW vertritt
        diese Linie heute noch. Opelmodelle der 70er und frühen 80er, Ford mit dem Granada / Taunus und und..

        Titelvorsclag: (Alp)Träume Wagen 😀

        Bronx

        • Hey Bronx,

          ich reagiere zeitverzögert, weil das hier gar nicht mein Artikel ist und ich immer keine Mailbenachrichtigung bekomme, wenn jemand kommentiert 🙂 Ich habe zunächst das kommende “Tanz ums Auto” diesem Thema gewidmet, aber ich stimme dir zu, dass man Vergleiche mal ausarbeiten könnte. Wobei ich mir dann zunächst genau überlegen muss, was ich vergleiche. Andere Zeiten, anderes Design. Und vor 30 Jahren wurden Autos auch anders genutzt als heute, direkte Vergleiche wären also hinkend.
          Hm.
          Gestern Abend las ich erneut den großartigen Artikel über zwei VW Chefdesigner, die sich im Designcenter mit den Proportionen des K70 40 Jahre nach seiner Markteinführung auseinandersetzten. Das hat mich zu diversen weiteren Artikeln inspiriert…

          Jens

            • Jep, die VW Classic. Print.
              Liegt an meinem Bett 🙂 Ich bin ja nicht NUR Internet…
              Gerade bin ich in Dänemark und komm nicht ran, aber ich schau morgen mal und guck, ob es den Artikel auch im Netz gibt.
              Sonst spätestens im Mai…

              Jens

  3. Hallo Leute (sind doch immer wieder die Gleichen hier 😉 )

    Also meine Freundin und ich diskutieren seit nunmehr laaaaanger Zeit über die Erfüllung von Träumen, auch (oder gerade) in schwierigen Lebenssituationen.
    Dabei ging es hauptsächlich um die gegenseitige Unterstützung des anderen usw.

    Wir sind uns einig… 😉

    In meinem Fall spielten da Amerikanische Muscle Cars eine ausgeprägte Rolle, da ich ja ein ganzes meiner Lebensjahre in den USA verbringen durfte… über ihre rede ich jetzt HIER erstmal nicht… *lach*
    Der Traum eines Chargers scheint zunächst einmal nicht so leicht zu realisieren. aber da die Familienmitgliedschaft meines Tourans nun endgültig begrenzt wurde, wird die Wahl des Nachfolgers wohl auf einen “kleineren” Ami Pick Up fallen…
    Solche Artikel, wie dieser hier, heizen das Feuer ziemlich schmerzlich an… Erste Kontakte mit scheinbar nicht “Normal-tickenden” Fachleuten ist geknüpft…

    Warum ich das hier schreibe? weil SOLCHE Autos, egal wie unökonomisch sie sein mögen (und noch eine Menge mehr “Un-….” beinhalten) vielleicht DAS Licht am Ende des Tunnels sein können, welches man (n) braucht 😉

    Touranus

    • Ay Touri 😀

      Schön gesprochen. Ich war auch einmal in einer ziemlich besch** Lebenssituation.
      Da half mir ein herrlich unvernünftiger Pick-Up über`n Punkt.
      Insofern versteh ich dich voll und ganz. 😉

      Bronx

  4. Um wieder auf das Thema zu kommen:

    Rivieras sind tatsächlich außergewöhnliche Autos. Besonders die Boattails passen in keine der üblichen Klassen: musclecars sind sie nicht, aber sie haben mehr Power als ein Charger oder Mustang. Sportcoupes sind sie auch nicht, dafür haben sie zuviel Komfort an Bord und sind zu groß.
    Luxuslimousine ist auch nicht der passende Ausdruck, dafür ist die Erscheinung zu aggresiv und sie wirkt schon im Stand schnell.
    Ist auch egal wie man die Klasse bezeichnen will, fahren muss man so ein Auto.
    Und die Blicke auf den Schriftzug “RIVIERA” mit dem darauf folgenden nachdenklichen Blick des Betrachters (als ob er ein echtes Ufo gesehen hat) kann der Riviera-Besitzer immer wieder genießen.
    Zugegeben: eine BMW Isetta ist ein besserer Sympatieträger und Passanten neigen eher zur Freude als beim Betrachten eines Rivieras, aber der faszinierte Bilck auf das Hinterteil ist dann doch dem Riviera-Fahrer sicher. (Gemeint ist immer das Auto)
    Das Fahren auf Landstraßen macht dabei genauso Laune wie das Rollen auf der Autobahn. Der Riviera lässt sich spielend leicht und fast geräuschlos bewegen. Selbst bei sommerlicher Hitze sind weite Strecken dank der Klimaanlage ermüdungsfrei zu ertragen, da zeigen sich auch die Qualitäten als Langstrecken- UND Familienfahrzeug.
    Aber auch Ampelrennen können beeindrucken: der 455/4 V8 zieht wie die Sau, wobei die Reifen sich manchmal vergeblich bemühen die Kraft auf den Asphalt zu bringen.
    Ich denke, dass der Buick Riviera in der Szene TOTAL unterschätzt ist. Dafür stimmt der Preis!!! Noch.
    Ich habe meinen 71er vor 3 Jahren in Michigan gefunden. Er war mit 8500.- USD der Teuerste im Riviera-Forum. Heute bekomme ich für das gleiche Geld nur noch ein “needs bodywork”-Auto.

    RIVIERA, BY BUICK.

    Claudius

    • Hallo Claudius,

      danke für dieses bildliche Statement, du hast wirklich treffend beschrieben, wie man einem Riviera begegnet. Ich persönlich finde es immer wieder beeindruckend, was verschiedene Autos bei verschiedenen Passanten auslösen. Um die Jahtausendwende herum hatte ich als Alltagswagen einen Cadillac Eldorado Biarritz von 1981, den letzten großen. Da ging die Bandbreite von purem Neid über Fassungslosigkeit bis hin zu Bewunderung und Interesse.
      Der Buick wirkt darüber irgendwie erhaben. Sehr beeindruckend. Ich kann mir vorstellen, dass man mit ihm keine “Ach wie niiiiiedlich” Blicke erntet, und wahrscheinlich wirst du auch ständig nach dem Benzinverbrauch gefragt, oder? Cool. Weitermachen. Und halte uns gern auf dem Laufenden, wo du dich mit deinem Boattail rumtreibst!

      Jens

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