Farmer’s Delight – Chevrolet 3100 Stepside 1954 Lowrider


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Wir schreiben das Jahr 1947, als Chevrolet eine Revolution im Bau von so genannten Light Trucks einführt. Neue Formen, starke Motoren und sogar etwas Komfort im Innenraum prägen die neuen Fahrzeuge. Mit der Vorstellung der “Half-Ton”- bis “One-Ton”-Klasse erfüllt sich so für viele Farmer und Lieferanten ein lang gehegter Traum. Über die Jahre kamen die Trucks dann in den Genuss von Modellpflege-Maßnahmen, unter anderem spendierte der Hersteller ihnen Teleskop-Stoßdämpfer, eine verbesserte Innenraumbelüftung und noch stärkere Motoren.

1954 rollte dieser Half-Ton-Truck vom Band und verbrachte die nächsten Jahrzehnte damit, alles zu transportieren, was sein Besitzer ihm auf die Ladefläche lud. Er pötterte mit seinem Reihensechszylinder jahrein, jahraus über die Landstraßen und ahnte, was ihn im Alter erwarten würde: Entweder gleich auf den Schrottplatz, wenn sein Nachfolger auf den Hof fuhr, oder erstmal abgestellt. Wenn er Glück hatte, parkten sie ihn hinten in der Scheune und vergaßen ihn, verdeckt von einem Berg aus Krimskrams und Baumaterial. Dieser hier hatte Glück, denn die Zeiten änderten sich und Sammler begannen, die knorrigen Lastesel vergangener Dekaden zu suchen und aufwändig zu restaurieren oder umzubauen. Pick-ups aus der Regierungszeit von Dwight “Ike” David Eisenhower, der von 1953 bis 1961 der 34. Präsident der Vereinigten Staaten war, kamen plötzlich schwer in Mode.

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Kult aus Ellgau

Um alles “Kultige” auf vier Rädern kümmert sich auch eine Firma aus dem Süden der Republik, mit dem bezeichnenden Namen Cult Classics. Normalerweise werden dort klassische Sportwagen und VW-Busse vor dem Verfall gerettet, doch der Chef Anton Stumpp und ein Freund suchten was zum Spielen. Und sie fanden diesen rostarmen California-Veteranen. Der bekam neue Rückleuchten, gelochte Bleche an der Ladefläche und an der Heckklappe sowie seitliche Lufteinlässe zur besseren Belüftung des neuen Motors. Das sollte ein V8 mit 5.700 ccm Hubraum sein, möglichst in Kombination mit einem 3-Gang-Automatikgetriebe.

Soweit, sogut. Doch jetzt waren 185 kW, also rund 250 PS, am Start. Ein bisschen viel für Trommelbremsen und Blattfedern, fand Anton, der seinen Freund damit nicht auf die Straße lassen wollte. So bekam der Oldie eine moderne, innenbelüftete Scheibenbrems- anlage und Querlenker an der Vorderachse. Die Hinterachse freute sich über einen Satz Unibal-Lager aus dem Rennsport. Ganz o.k. bis hierhin, fahren ließ sich die Kiste jetzt, doch die Optik war noch nicht das Gelbe vom Ei. Anton erinnerte sich an alte Filme, in denen cruisten Mexikaner lässig mit coolen Lowridern um die Blocks, um Girls zu beeindrucken und die Jungs neidisch zu machen. Schon in den 50er Jahren legten die Chicanos ihre Autos durch das Absägen der Federn oder durch Blöcke unter den Blattfedern tiefer, doch das geht technisch heutzutage natürlich gar nicht. Nach einer kurzen Besprechung waren sich die beiden Freunde einig: Man wollte was wagen, um sich von der Masse abzuheben.

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Also kümmerten sich die Jungs bei Cult Classics zuerst einmal um die Bodenfreiheit. Als erste Maßnahme wurden die vordere Stoßstange verstärkt und die Radhäuser angepasst. Nun griff Anton ganz tief in die Trickkiste, montierte Lkw-Faltenbälge als Dämpfereinheit und koppelte das Ganze mit einem Airride System. Das hebt und senkt den Chevy von der Normalhöhe bis platt auf den Boden ab, was auch die Verstärkung der Stoßstange erklärt, weil die dann quasi das Fahrzeuggewicht trägt. Als Bereifung fand man nach einigem Suchen auch das Passende, denn die Pneus sollten schmal bleiben, mußten andererseits jedoch genügend Traglast für den V8 aufweisen. So wurden vorn zarte 165er-Reifen und hinten 195er-Gummis mit Weißwandringen auf Stahlfelgen im Oldschool-Design in der Dimension 7×15 und 8×15 montiert.

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Nun geht es bei den Sombrero-Trägern ja bekanntermaßen auch abseits von Fiesta Mexicana extrem bunt und verwirrend aufgetakelt zu. Dazu zählen auch Flakelacke für die Autos, was in Deutschland nicht ungeteilte Zustimmung findet. Ganz so heftig wollte man es bei dem Chevy nicht treiben und entschied sich daher für das andere Extrem, ein schlichtes Mausgrau. Kaum lackiert, wurde genörgelt: wie langweilig! Also musste ein Kompromis her, irgendwo zwischen Disco-Glitter und Mauerblümchen – das wärs! Und so traf Flake auf Grau. Gar nicht mal schlecht für einen Gringo. Klassische Scallops an den Seiten, kreischend grüne Felgen und ein Dach mit Flakelack sind eine mutige Entscheidung, doch das Ergebnis überzeugt.Der Innenraum im Lowrider-Stil kombiniert grünen Glitterlack mit weißem Kunstleder. Abschließend erhielt der Chevy noch moderne Instrumente und ein kleines 330-mm-Lenkrad, das sich dank der nachgerüsteten Servolenkung auch leicht bewegen lässt. Ob nun Lowrider, Originalrestauration oder Dragsterstyle – diese Autos sind einfach Kult. Und wer hätte 1947 gedacht, dass ein Light-Truck mal flach am Boden liegt, außer, wenn die Räder geklaut wurden?

Bilder: Frank Sander

Cult-Classics
Hauptstraße 3c
DE-86679 Ellgau
Telefon: +49 (0) 8273-998661
home.mobile.de/CULT-CLASSICS
e-mail:Cult-Classics@mobile.de

FAKTEN

Chevrolet 3100 Pick-up, Baujahr 1954
Motor: 5.700 ccm, V8
Leistung: 185 kW (251 PS)
Antrieb: Heckantrieb
Getriebe: 3-Gang-Automatikgetriebe
Radstand: 3.175 mm
Ladefläche: modifiziert
Ladeflächenlänge: 1.981 mm
Ladeflächenbreite: 1.270 mm
Bordwandhöhe: 406 mm
Stoßdämpfer: Airride-System
Bremse vorn: Scheibenbremsen, nachgerüstet
Räder vorn: 7×15 mit 165 R 15
Räder hinten: 8×15 mit 195 R 15
Sonderausstattung: 330-mm-Lenkrad, Custom- Schalthebel, Dreieckslenker vorn, innenbelüftete Bremsscheiben, Fahrwerk mit Unibal-Lagern

Ein Gedanke zu “Farmer’s Delight – Chevrolet 3100 Stepside 1954 Lowrider

  1. Ich suche schon lange einen alten Pick Up.
    Haben Sie Kontakt zu guten Händlern oder können Sie mir etwas empfehlen?
    Danke für Ihre Hilfe

    RainerBauhof
    86508 Rehling

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