Porsche 993 Carrera 4S 3.8 RSR – Testosteron auf 4 Rädern

am122010_6270_porsche_carrera_00Ein Porsche Carrera 4S ist ja allein schon ein Auto, bei dem der Puls nicht auf Normalniveau bleibt, doch bei diesem Exemplar produziert der Körper sofort eine Überdosis Testosteron. Flach über dem Boden kauernd steht der Porsche Carrera 3.8 RSR vor einem und wirkt gegenüber einem serienmäßigen Carrera wie ein Bodybuilder in Kriegsbemalung. Dass es sich bei dem Objekt nicht um ein reines Showobjekt handelt, wird klar, wenn man einen Blick unter die Blechschale und die Kunststoffteile des umgebauten 911er von 1997 riskiert. Reine Renntechnik mit Straßenzulassung! Das klingt oft ziemlich übertrieben, doch hier ist es Fakt. Das Optikpaket entspricht dem Porsche RSR und stammt von Manthey Racing, die viele aus dem Rennsport kennen und besteht aus Kotflügelverbreiterungen, Heckflügel mit Lufteinlässen und optimiertem Frontspoiler mit Sidewings für eine bessere Aerodynamik.

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Was steckt nun wirklich in dem 911er?

Der Besitzer des Porsche wollte jedoch mehr, er wollte alles optimiert haben und sowohl Motor, Fahrwerk als auch Räder entsprechend des Rennporsche modifiziert haben. Nur im Innenraum sollte es edel und komfortabel zugehen. So behielt der 993 seine Klimaanlage, sein Soundsystem und andere Annehmlichkeiten, was ein Gewicht von ca. 1.500 kg zur Folge hat. Zudem wurde der gesamte Innenraum mit Leder bezogen. Um genügend Seitenhalt zu bekommen, wurden Rennschalensitze mit Hosenträgergurten montiert. Selbst der Überrollbügel, der dem Porsche zusätzliche Steifigkeit verleiht, wurde mit Leder bezogen. Optisch alles ganz schick, doch was steckt nun wirklich in dem 911er mit der auffälligen Kriegsbemalung?

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Anpressdruck und Beatmung für den Motor durch den RSR-Heckflügel.

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Detailarbeit, die gefällt: Airbrush auf dem Außenspiegel.

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Noch bessere Aerodynamik durch die Spoilerlippe an der Heckscheibe.

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Mit Einzeldrossel Einspritzung, Edelstahl-Fächerkrümmer und -Auspuff leistet der 3,8-Liter-Motor satte 265 kW (360 PS) und klingt bestialisch gut.

Beim Starten des Motors wird sofort klar, dass es sich hier nicht um ein Serientriebwerk handelt. Es röchelt und prustet nach dem Anlassen wie ein Bodybuilder nach seiner Trainingseinheit, beginnt aber nach wenigen Sekunden rund zu laufen und die kurzen Gasstöße lassen schon vermuten, was in dem Motor steckt. Nach dem Einlegen des ersten Gangs benimmt der 911er sich zunächst etwas zickig, was an der Rennkupplung mit erleichterter Schwungscheibe liegt, die jedoch Sinn macht, da zum einen die bewegten Massen reduziert werden und zum anderen die Kupplung erheblich besser greift als ein Standardteil. Wir begeben uns nun in den Stadtverkehr mit Ampelstopps und zäh fließendem Verkehr, was so gar nicht die Paradedisziplin des RSR-Motors ist. Unter 1.800 Umdrehungen will er mit schleifender Kupplung bei Laune gehalten werden. Beim Verlassen der Stadtgrenze jedoch ist der 3.800- ccm-Motor in seiner natürlichen Umgebung. Beim Tritt auf das Gaspedal öffnen sich die Klappen der Einzeldrossel-Einspritzanlage und ohne Verzögerung schießt das hochoktanige Lebenselixier durch die Rennansaugbrücke.

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Dick und durstig. Dicke Räder, dicke Backen und ein dicker Motor machen den 993 durstig.

Der Porsche quittiert es mit einem Fauchen aus dem Sportauspuff und dem Edelstahl-Fächerkrümmer, was sofort in vehementen Vortrieb umgesetzt wird. Dank des Allradantriebes geht nichts von den 265 kW (360 PS) verloren, was am Ende eine Beschleunigung von ca. 4,5 Sekunden auf 100 km/h bedeutet. Auf der Autobahnauffahrt wünscht man sich, dass die Kurve nie endet, denn die 225er-Vorderreifen und die 295er-Hinterreifen, die auf Magnesiumfelgen gezogen sind, greifen in den Asphalt und es drückt den Fahrer in die Schalensitze. Nach kurzer Zeit taucht schon wieder ein natürlicher Feind des Porsche am Straßenrand auf; ein Schild mit roter Umrandung, auf dem die Zahl 120 steht. Die Verzögerung von ca. 240 km/h auf die besagten 120 Stundenkilometer geht genau so brutal von statten wie die Beschleunigung, was der Turbobremsanlage mit Sintermetall-Bremsbelägen zu verdanken ist.

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Durch die Rennschalensitze mit Hosenträgergurten und Überrollbügel kommt Rennfeeling im komplett mit Leder bezogenen Innenraum auf.

Das H&R Gewindefahrwerk ist sportlich, aber nicht zu hart abgestimmt, was ein Fahren auf normalen Landstraßen nicht zur Qual für die Wirbelsäule macht. Man könnte meinen, dass die Abstimmung der „Nordschleifen- Einstellung“ ähnelt, bei der bekanntermaßen auch etwas größere Federwege notwendig sind. Im weiteren Verlauf der Landstraße krallt der RSR sich förmlich in den Asphalt und saugt die Kurven auf, ohne irgendwelche Anstalten von Über- oder Untersteuern zu machen, zumindest in dem Bereich, der auf öffentlichen Straßen zulässig und möglich ist. Hierzu tragen die verstärkten Stabilisatoren und Domstreben ihren Teil bei, die den Porsche extrem verwindungssteif machen, wodurch der RSR sehr exakt auf Lenkbewegungen reagiert. Der RSR-Umbau ist ein echter Streetracer, der zwar nicht gerade zu den unauffälligen Gesellen auf unseren Straßen zählt, denn  davon gibt es genug und wenn man schon Muskeln hat, dann kann man sie auch gern zeigen.

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FAKTEN

Daten und Fakten

Porsche 993 4S  mit GT2 3.8 RSR-Optikpaket

EZ: 04 / 1997
km: 51.800
Preis: 89.000,- Euro
Motor: 3.8 RSR mit Einzeldrosselklappen-Einspritzung und Rennansaugbrücke
Leistung: 265 kW (360 PS)
Höchstgeschwindigkeit: ca. 300 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: ca. 4,5 s
Kraftstoffart: Super
Antrieb: Allrad
Getriebe: 6 Gang manuell
Gewicht: 1.500 kg
Länge: 4.240 mm
Breite: 1.790 mm
Höhe: 1.260 mm
Bereifung: Vorn: 225 / 40 ZR18
Hinten: 295 / 30 ZR 18
Sonderausstattung: Magnesiumfelgen vorn 8×18, hinten 11,5×18, Turbobremsanlage, Überrollbügel, H-Gurte, Porsche-Rennsitze, Vollleder, GT 2-Heckflügel, H&R-Gewindefahrwerk, verstärkte Stabilisatoren, Domstreben, Car Graphic-Auspuff, Edelstahlfächerkrümmer, Rennkupplung, Einmassenschwungscheibe erleichtert, Sportluftfilter, Sonderlack Porsche Racing, Xenon-Scheinwerfer, Schiebedach

Bilder: Frank Sander

2 Gedanken zu “Porsche 993 Carrera 4S 3.8 RSR – Testosteron auf 4 Rädern

  1. Das von dir beschriebene Fahrzeug wurde im Porsche Zentrum Koblenz Umgebaut, Karosserie Mit Orginalteilen Verbreitert, Der Motor Mit Orginal RSR Rennsportteiel Modifiziert , das Getriebe von der Übersetzung Angepasst
    Das Fz. Geht echt gut und ist nun wieder bei uns in der Betreuung.
    Mfg.
    W.Adams

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