Ein Roadmovie mit sieben TRAUMWAGEN, Teil 3

Chevy Nova Drag Racer und 1940er Ford Pickup

Andacht vor dem Altar

Andacht vor dem Altar

Österreich, die Zweite. Es war gestern definitiv zu viel Auto für eine Geschichte (auch für zwei), also machen wir heute mit den verbliebenen abzulichtenden Boliden weiter. Ich bin noch immer bei Robert Willinger in Dornbirn, dem Mustang-Züchter mit der Miet-Stute, dem Einheizer der sündigen Kraftwerke mit Heckantrieb, dem Zuhälter der pornösen Plüsch-Hot-Rods – und heute dem souverän Gas dosierenden Drag-Strip Piloten und dem Farmer aus den swingenden Fourties. Wie? Was? Na, lesen Sie doch einfach weiter.

Das allererste mal seit meiner Zeit beim DAZ Verlag scheint seit Tagen die Sonne, obwohl ich Fotos machen will. Das war noch nie so. Der Audi V8 auf dem Rastplatz? Diesig. Die Opelsammlung von Marc Kleist? Regen in Hamburg. Adeles Coupé an der Elbe? Nieselregen. Martin Hofmanns Charger an der Oldtimertankstelle Brandshof? Bedeckt, leichte Schauer. Das Taunus Hardtop Coupé in Lüneburg bei Carracho Classics? Wolken und Kälte. Soll ich Ford fahren? Genug gelitten. Seit Montag bin ich unterwegs, seit Montag scheint die Sonne und meine neue Kamera und ich sind schon dicke Freunde geworden. Hallo schöner früher Morgen!

Autobahnkaffee ist wunderbar

Autobahnkaffee ist wunderbar

In Dornbirn bekomme ich auch gleich noch einen weiteren Kaffee, und dann geht es auch schon mit der Arbeit los. Arbeit? Arbeit. Wir haben hier ein Chevy Nova Coupé, ganz leicht umgebaut und seinem Aufgabengebiet angepasst mit einem echten Manko: Es fehlt definitiv der Rückwärtsgang. Also schieben wir ihn raus aus der Halle, wo er schon knisternd und murmelnd auf mich gewartet hat…

Rückwärtsgang? Braucht man nicht.

Rückwärtsgang? Braucht man nicht.

Kein Rückwärtsgang? Nein. Warum auch? Die einzige aktuelle Aufgabe dieses amerikanischen Kleinwagens aus den 60ern besteht darin, möglichst flott aus dem Stand nach vorn zu fahren, und das über eine runde Viertelmeile. Tief liegt er. Dicke dicken Reifen hat er hinten, wo die Kraft sich in den Asphalt graben soll. Und vorn steckt ein Motor im verstärkten Rahmen, der mich ganz stark an meine Matchbox-Autos aus der Kindheit erinnert. Ich hatte einige, da guckte aus der Haube immer noch so ein chromiger Klotz raus. So wie bei Mad Max. Hey – hätten Sie gedacht, dass es so was wirklich gibt???

Der guckt echt oben raus

Der guckt echt oben raus

Und das verrückteste daran: Der Bolide fährt auch! Wer von den Dornbirner Einwohnern noch nicht von unserem Dodge Coronet aus dem ländlichen Frieden vertrieben wurde, der ist hier und jetzt fällig. Diese Maschine hat nur eine einzige Aufgabe: Treibstoff in Bewegung umsetzen. Nicht schön, nicht komfortabel, nicht kompakt. Dazu muss sie im Standgas auch nicht rund laufen, Standgas ist nur was für den Moment kurz nach dem Anlassen. Sie will Vollgas, was anderes kennt sie eigentlich nicht. Willinger stellt hier und da noch ein paar Kleinigkeiten nach, während das Gewitter bockig am Aufziehen ist. Und dann geht es ab auf die Dorfstraße. Aber das ist eine andere Geschichte. Das Heft. Sie wissen ja….. Vielleicht hätte ich mich nicht in direkter Nähe des Motors aufhalten sollen. Himmel macht der einen Krach! So, Kaffeepause, und hier ist auch der auf Facebook versprochene Wuschelhund.

Der Wauwi hält nicht still

Der Wauwi hält nicht still

Welpen sind super. Besonders flauschige und puschelige Welpen, distanzlos, aufgedreht und perma-schlabbernd. Willingers Hund ist erst 4 Monate alt und bringt alle Qualitäten mit, einem das Herz zu brechen. Während der kleine Freund um mich herum, unter mir und auf mir herumturnt (sein Herrchen will das eigentlich nicht aber ich find’s klasse, meine Klamotten sind eh’ schon durch von dem vielen Rumliegen auf dem Boden vor den Autos) unterhalten wir uns über Autos, alte Autos und alte Autos speziell in Österreich. Im Sommer ist hier in Dornbirn wieder das sehr beliebte US-Car Treffen, vielleicht komme ich ja auch einmal vorbei? Mein Navi kennt ja nun den Weg. So, weiter geht es, der Tag verlief bis jetzt schon sehr ereignisreich, meine Ohren piepen ein wenig wie nach einem Konzert von Meat Loaf… aber da ist noch ein weiteres Auto, was in die Hall of Fame aufgenommen werden soll.

Tramper willkommen

Tramper willkommen

Der Ford Pickup von 1940, dezent (oder auch weniger dezent) zum Cruising-Rod umgebaut, ist seit nunmehr über 70 Jahren unterwegs. Spartanisch, sexy, aktuell ein wenig übermotorisiert und mit liebevoll handgemaltem Tacho. Sonst eigentlich nix, aber mehr braucht es genau genommen auch nicht, um glücklich zu sein. Wir reiten den Laster in den nahe gelegenen Wald und geben ihm noch einmal das Gefühl, ein Arbeitstier zu sein. Zufrieden gluggernd bewegt sich der rostfreie Veteran erstaunlich gemütlich durch die Welt und hat zudem auch noch einen guten Antritt auf der Straße. Mehr braucht es nicht. Nach den Bildern fahren wir wieder zurück ins Dörfchen, wo verschreckte Bewohner sich langsam fragen, wie viele Karren wir eigentlich noch durch ihre Heimat scheuchen wollen.

TRÄUME WAGEN

TRÄUME WAGEN

Ein wunderbarer Wagen. Und man kann ihn sogar kaufen….. Wäre es nicht großartig, mit so einem kleinen Truck bei Aldi vorzufahren und die Wocheneinkäufe lasziv auf die Ladefläche zu werfen? Ha! Mir persönlich fehlte allerdings der Rücksitz, aber ich bin ja mit meinem Passat aktuell auch nicht das Maß der Dinge. Wir sind soweit. Ich habe alles im Kasten. Heute Abend schlafe ich auf der deutschen Seite der Grenze in einem per Internet gebuchten Hotel im Allgäu. Ganz oben in den Bergen. Und da muss ich zunächst einmal hin. Auch heute fällt niemandem auf, dass ich einige Kilometer auf Österreichischen Autobahnen plakettenfrei unterwegs bin, ich beschließe, das aus versehen eingesparte Geld heute Abend in einen Vignetten-Memorial-Landwein umzusetzen. Berge. Jetzt.

Navi Därme

Navi Därme

Wenn auf dem Navi gedärm-gleiche Straßenverläufe auftauchen, bin ich einerseits froh, kein Beifahrer zu sein und andererseits, dass wir nicht in Italien oder Frankreich sind. Da hätte man auch auf den wahnwitzigsten Serpentinenpisten bei reifenquietschenden Geschwindigkeiten noch immer jemanden hinter sich, der vorbei will. Hier auch. Das liegt allerdings daran, dass ich mir Zeit lasse, denn die Kurven sind so verrückt, dass mir sogar am Steuer latent schlecht wird… Aber ich habe ein Herz für eilige. Mit einem TDI älteren Semesters bleibt einem eigentlich auch gar nichts anderes übrig, will man nicht permanent genötigt werden. Ich halte mal an und lasse ein paar ungeduldige Eingeborene vorbei, die auf dem Nach-Hause-Weg zu ihrer inzestösen Familie sind. Und ich finde – Schnee!

Schnee! Es ist Schnee!

Schnee! Es ist Schnee!

Später komme ich in Röthenbach/Allgäu an. Ein Traum in Rosa und Echtholz. Zwei schmale, keusche Einzelbetten, rustikale Bauernschränke, ein rosa Nachttischlämpchen und ein Blick auf den Friedhof und die Kirche. Großartig. Ich kenne einige (vornehmlich weibliche) Menschen, die so eine Einrichtung als den ultimativen Headshot der Geschmacksnerven bezeichnen würden. Mir egal. Ich bin glücklich. Wann ich frühstücken möchte kann ich mir aussuchen, die Wirtin macht mir das dann frisch fertig. Das klingt nach einer anderen Nummer als die Plastikorgie im Etap Hotel Mannheim. Finden Sie es hier gern furchtbar – ich fühle mich wohl. Es ist unfassbar still, von unten dringen leise die fröhlichen Gespräche und das Gläsergeklapper der Gäste und ich komme allmählich zur Ruhe. Und sogar ein W-LAN gibt es hier.

Wenn Sie wüssten, was ich für großartige Fotos mitgebracht habe! Aber die zeige ich jetzt noch nicht, die kommen wie immer dann später in den gedruckten Magazinen. Denn es ist ja ein Roadmovie, ein Making-Of. Morgen geht es nach München zur Katze und ihrem Audi V8. Aber vorher werde ich in meiner rosa Wunderwelt müde und zufrieden einschlafen und … vielleicht noch….. chchch…..

zzzzzzzzzzzzz

4 Gedanken zu “Ein Roadmovie mit sieben TRAUMWAGEN, Teil 3

    • Hi Snoopy,

      unser aller Problem. Manchmal bin ich persönlich aber auch ganz froh, keinen Platz mehr zu haben. Wer weiß, was ich dann noch alles an automobilen Köstlichkeiten ansammeln würde.
      Immerhin hab ich eine kleine Garage, in der mein K70 steht. Hm.
      Oder ob ich da noch einen Doppelcarport daneben setze? Tjaaaaa…

      Jens

      • Jens,

        ich empfehle den Doppelcarport. Dann können deine Alltagskalesche und der Granni gemeinsam wohnen.Bin mir sicher, in diesem Jahrhundert machst du den irgentwann zumindest fahrbar und dann kannste wenigstens mit ner 04
        am Heck mal ne Runden drehen.
        Nur wenn der Wagen auch um die Ecke steht, macht man was. So peu a peu.
        Auch dann passiert was.:D
        Und der Kasi hat ja sein Wohnzimmer…

        Grüsse nach Kiel, Bronx

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