Land Rover Defender – Der Verfechter der Tradition

Die letzten Lebensjahre des Land Rover Defender sind angebrochen. Grund genug, das Modelljahr 2012 so richtig stilvoll in den Matsch zu schicken – im morastigen Garten des Duke of Roxburghe

am012012_7043_landrover_00Man könnte meinen, der Duke of Roxburghe wäre pikiert, wenn man mit schweren Geräten wie Land Rover Defendern seinen Garten umgräbt. Oder sauer, wenn man schwimmende Pontons über seine Teiche legt. Oder stinkig, wenn man bis über die Türunterkante durch seine Gewässer pflügt. Doch mitnichten: “Wir im Schloss Floors haben mit Land Rover eine wundervolle Beziehung aufgebaut,” sagt der Oberhaus-Adlige aus Kelso, der selbst mit seiner Familie eine Flotte von Land Rovern besitzt, “wir passen gut zusammen.”

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Treuer Bauern-Helfer: Pick-up-Landy

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Sicher ins Bett: Ambulanz-Landy

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Flucht übern Acker sinnlos: Polizei-Landy

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Nur fliegen ist schöner: Shuttle-Landys

Tatsächlich tobt Land Rover des Öfteren mit seinen Modellen hier im Garten des Blaublütigen – wobei man dazu wissen muss, über welche Größenordnungen wir hier reden: Der Duke besitzt mehr als 26.000 Hektar Land, 60 Farmen und 300 Cottages. Da kann man schon mal mit den grob-stolligen Reifen von Defendern dicht an seiner Schlossmauer das Erdreich belüften. Und das auch noch nachts.

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Der Defender müsste das allerdings schon alleine deshalb dürfen, weil er ein Defender ist – ein automobiles Urgestein, seit 1948 gebaut. Natürlich hat er im Laufe der Zeit Modernisierungen erfahren, aber tief im Stahlchassis ist er noch der knochige, enge, unperfekte, aber liebenswerte beste Freund in allen Geländeformen. Bis 2015 wird er noch gebaut, dann fahren ihm unter anderem die sich verschärfenden Vorschriften zum Fußgängerschutz in die Parade. Aber bis dahin will er noch genossen sein. Immerhin 25.000 Abnehmer findet er noch weltweit pro Jahr.

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In dieser Größenordnung hat Landy-Erfinder Maurice Wilks allerdings noch nicht gedacht, als er am 6. April 1947 seine Idee eines geländegängigen Rovers in den Sand am Strand von Anglesey malt – auf der walisischen Insel besitzt er ein Wochenendhaus. Vorher hat er einen Willys Jeep gekauft und ihn als sehr hilfreich für Farmer und Landarbeiter gehalten. Aber ein Willys war ein Ami – und was die können, sollten die Briten doch auch hinkriegen…

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So entstand ein Design, wie es kleine Kinder auch zeichnen könnten – große Räder und ein Kasten drauf. Die ersten Prototypen waren Jeeps mit Rover-Motoren und -Getrieben.
Der erste echte Land Rover, Chassis-Nummer R.01, wurde im Februar 1948 produziert und Huey genannt – aufgrund seiner Registrierungsnummer HUE 166. Die Serie I, gebaut von 1948 bis 1958, besaß zunächst einen 50 bis 52 PS starken 1,6-Liter- oder 2-Liter-Motor, je nach Radstand von 80 bis 107 Inches (Zoll). Die Serie II (1958 bis 1961, Serie IIA bis 1971) besaß schon bis zu 77 PS, der “109” erhielt ab 1958 bereits einen Dieselmotor. Serie III wurde von 1971 bis 1985 gebaut – auch mit einem 3,8-Liter-V8, der immerhin 91 PS leistete. Seit 1985 heißt das Urmeter “Defender” – “Verteidiger”. Und seit 2003 wird ein 122 PS starker Dieselmotor eingebaut.

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Pures Vergnügen: Hardtop-Landy

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Alles andere als eine Niete: Großraum-Landy

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Hart im Nehmen: Anti-Demo-Landy

Und jetzt gibt es den Defender sogar in sauber. Zumindest unter der Motorhaube: Die neueste Innovation ist ein Euro-5-fähiger 2,2-Liter-Diesel, der den bisher verbauten 2,4-Liter ersetzt. Das hat hauptsächlich abgastechnisch Vorteile, denn das Drehmoment von 340 Newtonmetern und die Kraft von 122 PS bleiben gleich. Ein Partikelfilter macht aus dem Landy wegen seines Verbrauches von rund zehn Litern im normalen Einsatz keinen Vorzeige-Offroader, doch das Gewissen ist viel reiner, wenn man zum Beispiel im schottischen Matsch versinkt.

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Der Motor ist ab sofort aber nicht nur sauberer, sondern auch leiser. Der Kenner merkt immerhin mit halbem Ohr, dass an der Kapselung des Motors im Modelljahr 2012 gearbeitet wurde. Dass man nun statt mit 132 km/h mit 145 km/h über die Autobahn rauschen kann, will man trotzdem nicht wirklich ausprobieren. So ein Defender gehört bis zu den Radnaben in den Dreck, da fühlt er sich wohl.

Und genau dort gehen wir hin. Mit Zusatzbeleuchtung an der Front, jeder Testwagen mit einer Winde ausgestattet. Zum Glück und mit wohl berechneter Weitsicht. Denn des Dukes Länderei unmittelbar am 1721 erbauten Schloss ist so weich wie warmes Haggis. Nicht umsonst wurde uns vor der Tour geraten, unsere Abendgarderobe vorher abzugeben oder zumindest auf die Rücksitzbänke zu verfrachten und nicht im Fußraum liegen zu lassen…

am012012_7043_landrover_14Tatsächlich führt uns die Tour durch aufgeweichten Erdboden, dass selbst 314 Millimeter Bodenfreiheit nicht mehr reichen. Die Rampenwinkel der Rampensau (25 Grad vorne, 32 Grad hinten) werden im Hügelland voll ausgenutzt, die Wattiefe von 500 Millimeter scheinbar überschritten. Tatsächlich kriecht in einem Tümpel im schottischen Adel-Urwald das Wasser durch die Türritzen, und wir sind des Dukes Gärtner dankbar, dass er nicht in jedem Winkel des Gartens aufgeräumt hat. Die Steigfähigkeit von 45 Grad kann der Landy allerdings nicht beweisen – was nicht am Gelände liegt, sondern an dessen Rutschigkeit: Trotz des wohlmeinenden Rates, die Geländereduktion einzulegen und mit Vollgas im dritten Gang die Kurve und die danach folgende Steigung zu nehmen, müssen die Defender auf halber Höhe aufgeben. Zum Glück wuseln hilfreiche Geister durch die Nacht, die flugs die Stahlseile der Winde greifen und um den nächsten Baum legen, damit wir uns mit Motor- und Seilkraft aus der misslichen Situation befreien können. Da merkt man gar nicht, dass man auf dem schmalen Gestühl und mit der viel zu nahen Fahrertür wie ein Affe auf dem Schleifstein sitzt, verglichen mit modernen SUV. Die können allerdings auch nicht halbwegs das, was ein Defender zu leisten vermag, und wenn man wie Land Rover die Sitzposition mit “Command View” bezeichnet, sieht die Welt doch gleich wieder viel freundlicher aus…

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Aus Solihull, England, in die Welt: Die abklappbare Scheibe des Land Rover wurde nicht nur aus Transportgründen konstruiert

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Ein Auto für alle Fälle: Land Rover wurden schon immer für die härtesten Einsätze der Welt benutzt. Zum Beispiel als Kettenfahrzeug, bei den Rettungsschwimmern und als Renntransporter

Nach dem Abenteuer befreien neuerlich fleißige Helfer die Wagen vom Dreck mit Hochdruckstrahlern, und so langsam kommt die Motorhaube wieder zum Vorschein – nur dort findet sich der einzige äußerliche Hinweis auf das neue Modelljahr. Zum Glück unterlagen die Verantwortlichen bei Land Rover nicht dem allgemeinen Trend, optisch Retuschen aus Lifestyle-Gründen vornehmen zu müssen. So wurde nur die Form der Haube leicht überarbeitet – fertig. Sogar die winzigen, spitzen Heckleuchten sind geblieben und bewahren den Defender davor, seinen rustikalen Charme zu verlieren.

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Ohne ihn kein Land Rover: Maurice Wilks erfand auf seinem Anwesen in Angelsey, Wales, den Rover für die Landwirtschaft. Vorbild ist der amerikanische Jeep

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Der Ur-Land-Rover - mit der Serie I fing die Erfolgsgeschichte an. Spätestens 2015 ist Schluss mit dem Defender alter Bauart - der Fußgängerschutz macht ihm den Garaus

Der Einstieg in die nagelneue Defender-Welt beginnt bei 26.990,- Euro inkl. MwSt. Dafür gibt’s den kurzen 90-Zoll-Defender (bezeichnet den Radstand) mit Soft-Top, allerdings ohne ABS (die Bremshilfe samt Traktionskontrolle kostet aber bei allen Modellen 1.850,- Euro Aufpreis). Serienmäßig an Bord sind nur Bodenverkleidung aus Gummi, Vinylsitze und eine Radiovorbereitung. Die teuerste Serien-Variante ist für 36.170,- Euro zu haben mit dem 110er-Radstand und als SE mit Ablagebox, Teppich, Leder-Stoff-Sitzen, elektrischen Fensterhebern und Zentralverriegelung, fünf Sitzen, Radio-CD-Player und einem iPod-Anschluss.

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Helfer in der Not: Feuerwehr-Landy

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Dicke Puschen: Angeber-Landy

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Gute Figur: Edel-Landy

Ob sich der Duke of Roxburghe einen der neuen Defender zulegt, war nicht zu erfahren. Liegt aber nahe – denn die Bedingung des Dukes für die Freigabe seines Gartens zum Play-ground war, zum Schluss selber ans Steuer zu dürfen…

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Land Rover Defender MY2012 (Alle Varianten)
Motor: Reihenvierzylinder-Diesel
Hubraum: 2.198 ccm
Leistung: 90 kW (122 PS) bei 3.500/min
Max. Drehmoment: 360 Nm bei 2.000/min
Aufhängung: vorne Starrachse, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Panhardstab, hinten:  tarrachse, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Dreieckslenker
Bremsen: Scheiben rundum
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: permanenter Allradantrieb, Mittendifferenzial-sperre, Geländeuntersetzung
Reifen: 7.50 R16, 235/85 R16
Länge: 3.722 bis 5.170 mm
Breite: 1.790 mm (ohne Spiegel)
Höhe: 1.997 bis 2.181 mm
Radstand: 2.360 bis 3.225 mm
Wendekreis: 12,3 bis 15,08 Meter
Tankinhalt: 60 bis 75 Liter
Gewicht: 1.740 bis 2.062 kg
Mindestbodenfreiheit: 314 mm
Max Steigfähigkeit: 45 Grad
Max. Wattiefe: 500 mm
Fahrleistungen 0-100 km/h: 15,8 bis 17 s
Max: Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
Verbrauch: 10,0 bis 11,1 Liter
CO2-Emission: 266 bis 295 g/km
Bilder: Land Rover

Ein Gedanke zu “Land Rover Defender – Der Verfechter der Tradition

  1. Typisch EU Politik!!!
    Der Bau des Landrover Defender soll eingestellt weil die Form schlecht für Fussgänger ist werden.
    Soviel ich weiß treiben sich Geländewagen seines Schlages häufig in unwegsamen Gelände herum.
    Was ist denn mit den anderen Geländewagen (z.B. Mercedes G) oder etwa LKW??
    Sind diese Fahrzeuge etwa Fussgängertauglicher??
    Wann kümmern sich diese Idioten in Brüssel endlich um Wichtige Dinge????
    Einfach nur noch LÄCHERLICH!!!!!!
    MfG MHB

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