Giugiaro und das Glück der Frauen

avatar_6Baccara-Rosen? Rosa Kleinwagen? Minnegesänge? Womit macht man Frauen glücklich? Die Antwort ist so klar. Aber das scheint offenbar nur eine italienische Design-Legende zu wissen.

 Wie beglückt man eine Frau? Manche sagen, es hülfe, ihr ein Paar Schuhe zu schenken. Eine Handtasche. Eine Kreditkarte. Andere kaufen rosige Rosenknospen oder schürfen sich bei romantischen Anwandlungen die Knie auf. Ich sage: Vergessen Sie es. In meinen Augen gibt es nur einen Mann, der weiß, wie man das weibliche Geschlecht entzückt. Der Mann heißt Giorgio Giugiaro, und alles, was der Kerl tun muss, ist ein Auto zu entwerfen. Das Auto heißt in diesem Fall Brivido und wurde jüngst auf dem Genfer Autosalon vorgestellt. „Brivido“ bedeutet auf Deutsch „Schauder“, was schon an sich sexy ist. Während andere ihre Fahrzeuge „Lodgy“ oder „i30“ taufen. Gut, jetzt leiden die Deutschen seit Goethe sowieso an einer unstillbaren Leidenschaft für das Italienische, träumen von „La Dolce Vita“ und halten Pasta immer noch für ein Hauptgericht.

Aber bleiben wir beim Brivido und den technischen Daten. Unter der Motorhaube lauert ein V6-Motor mit drei Litern Hubraum. 360 PS, in 5,8 Sekunden kommt er auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 275 Stundenkilometern.

Damit auch unser froschgrünes Karma befriedigt wird, verbraucht der Brivido nur 6,5 Liter auf 100 Kilometer. Der CO2-Ausstoß wird mit 154 Gramm pro Kilometer angegeben, eine für einen Sportwagen lächerliche Zahl. Schaut man sich die Kiste von vorne an, blickt man auf einen megalomanischen Kühlergrill aus Kohlefaser. Dazu Scheinwerfer, so weit das Auge reicht, die Abmessung beträgt 2,60 Länge, sie funktionieren auch gleichzeitig als Blinker und Standleuchten. Der silberne Streifen in V-Form auf der Motorhaube dient dem Fußgängerschutz, die Haube hebt sich bei einem Aufprall nach oben und soll so schlimmere Verletzungen verhindern – wie auch immer das funktionieren mag. Aber das alles ist es nicht. Nicht das Tiefseefischmaul, nicht der CO2-Ausstoß oder der niedliche Benzinverbrauch. Noch nicht einmal die Flügeltüren sind es.

Der Punkt sind die Fenster. Der Brivido besitzt Fenster. Fenster, um nach draußen zu blicken. Um gesehen zu werden. Um zu wissen, wo der Wagen endet. Um Einzuparken, ohne auf lächerliche Bildschirme blicken zu müssen, damit man eine Ahnung bekommt, wann man genau seinen stoßstangenfreien Hintermann rammt. Warum haben die Automobildesigner die Freude am Fensterglas verloren? Warum setzt man sich in ein neues Auto, atmet gegen seine Platzangst an und beginnt aus blinder Hilflosigkeit, den A-, B- und C-Säulen Namen zu geben? Ich weiß es nicht. Aber eins weiß ich. Der Giorgetto weiß, wovon Frauen träumen. Wir sind so einfach zu durchschauen.

www.italdesign.it

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