Power Ranger – 78er Ford Bronco 6,2 – V8

Ein Bronco ist zwar ein Allrad-, aber deshalb nicht zwingend ein Offroadfahrzeug. So wie dieses Exemplar – eigentlich viel zu schade, um damit durch Matsch und Dreck zu fahren

am022012_7052_ford_bronco_00Bronco? Da war doch was – genau: Das ist in Amerika die Bezichnung für ein ungezähmtes Pferd. Keine schlechte Idee von den Ford-Marketing-Experten, dem Mustang ein weiteres Fluchttier zur Seite zu stellen – denn bald darauf galt der Bronco als “Stallgefährte des Mustang”. Im August 1965 wurde er als 66er-Modell offiziell vorgestellt, und zwar als echter Offroader mit Allradantrieb.

Das hatte seinen Grund: Seit dem Krieg war die Offroad-Bewegung in den USA ständig gewachsen, inzwischen gab es sogar offizielle Offroad-Rennen. Zeit also auch für eine große Marke wie Ford, in diesen Markt einzusteigen. Da tummelten sich bereits neben Jeeps von Willys aus Armeebeständen (die teilweise noch aus dem Krieg stammten und nicht kaputtzukriegen waren) auch die zivilen Nachfolgemodelle mit der Bezeichnung CJ (Civilian Jeep) und seit 1961 die International Harvester Scout.

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Die zweite Bronco-Generation wuchs kräftig und basierte nun auf den "F-Series"-Pick-up

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Zu schade für Matsch: wunderbarer Innenraum

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Der Motor wurde ebenfalls komplett überarbeitet - nicht nur technisch, sondern auch optisch

Echte SUVs (Sports Utility Vehicles), wie sie heute populär sind, waren das nicht, viel mehr “echte” Offroader – nur für die Fahrt im Gelände konzipiert und deshalb entsprechend spartanisch eingerichtet. Das Bronco-Basismodell, der Roadster, hatte weder Dach noch Türen, ähnlich wie der ursprüngliche Jeep. Er war leicht und klein, nur 3,68 Meter lang, der kurze Radstand von nur knapp 2,30 Meter machte ihn ideal fürs Gelände. Aber dabei sollte es nicht bleiben.

Wie fast alles in der US-Fahrzeuggeschichte legte er im Lauf der Zeit an Größe, Gewicht und Luxus zu, bis eigentlich nichts mehr außer dem Namen und dem Allradantrieb an das ursprüngliche Konzept erinnerte.

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Obwohl das Offroad-Fieber inzwischen seinen Höhepunkt wohl schon überschritten hat, gibt es heute – vor allem in den USA – zahlreiche Fahrzeuge dieser Art. Abgesehen von den Leuten, die tatsächlich geländegängige Modelle brauchen, um an ihre entlegenen Wohnorte zu kommen, und denen, die einen neuen großen SUV aus Prestigegründen fahren, gibt es noch zwei weitere Fraktionen von Besitzern: Diejenigen, die ihre Autos für harten Offroad-Einsatz modifizieren und diejenigen, die diese Art der Modifikation mit Höherlegung und riesigen Geländereifen sehr weit treiben. Das kann allerdings zur Folge haben, dass das Fahrzeug schließlich zwar Offroad-tauglich ist, aber jeder mögliche Kratzer weh tut.

Zu dieser letzen Kategorie gehört der Bronco von Michael Bromma. Sein Ford ist ein 78er-Modellund gehört damit zur zweiten Generation, die nur zwei Jahre (1978 bis 79) gebaut wurde, aber restlos neu konzipiert war, wie der Verkaufskatalog stolz feststellt. Mit 4,58 m Länge und 2,64 m Radstand waren die neuen Modelle dabei deutlich gewachsen. Sie basierten jetzt technisch und optisch auf den aktuellen “Ford F-Series”-Pick-up und waren als Konkurrenten für die Chevy Blazer gedacht.

Bromma hat den Wagen 1995 gegen einen Jeep CJ-7 eingetauscht. Eigentlich wollte er einen Blazer haben, aber so ein Bronco war ja irgendwie dasselbe in Grün. Abgesehen vom Getriebe-Umbau (Schalter auf Automatik) fuhr er den Wagen zunächst zwei Jahre so, wie er war, im Sommer und Winter. Auf Treffen stellte er fest, dass Bronco doch recht selten sind, und so reifte der Entschluss, das gute Stück von Grund auf neu aufzubauen.

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Beim Höherlegen musste die komplette Achsgeometrie angepasst werden.

1997 begannen die Arbeiten – die eigentlich immer noch andauern, denn es findet sich immer wieder was zum Verbessern.

Die Teile für die Fahrwerkhöherlegung um 2,5 Zoll (ca. 6,5 cm) fertigte Bromma mithilfe der Technischen Universität Aachen selbst an, ebenso den Panhardstab vorne. Selbstverständlich wurden auch richtige Geländereifen im XXL-Format montiert. Mit Hilfe eines Freundes, der eine entsprechende Werkstatt führt, wurde der Motor komplett überholt und verbessert. Der Hubraum des 351ers (ca. 5,8 l) wurde auf 6,2 Liter erhöht, die Köpfe wurden überarbeitet und geplant, die Verdichtung beträgt jetzt 11,2:1. Dabei kamen auch jede Menge Performance-Teile, hauptsächlich von Edelbrock, zum Einsatz. Die genaue Leistung ist nicht bekannt, aber auf alle Fälle auf ehemaligem Rolls-Royce-Niveau – das bedeutet “ausreichend”.

Schließlich erfolgte eine komplette Neulackierung in Lagunengrün, die sich aufwändiger gestaltete als erwartet, weil der einst teilweise bis zu fünf  Zentimeter dick aufgetragene Spachtel am Bronco manchen Mangel kaschierte. Herausgekommen ist ein Show Car auf höchstem Niveau – natürlich viel zu schade, um damit durchs Gehölz zu brechen. Stattdessen besucht Bromma lieber mit seinen Freunden vom “Brotherhood CC” regelmäßig US-Car-Treffen. Dort holt sich der Wagen keine Kratzer, sondern Pokale…

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Ein Bronco ohne Offroad-Reifen wäre kein Bronco

FORD BRONCO 1978
Motor: Grauguss-V8, zentrale Nockenwelle
Verdichtung: 11,2:1
Hubraum: 6,2 l
Leistung: unbek., Serie: 156 PS
Drehmoment: unbek., Serie: 355 Nm
Gemischaufbereitung: Edelbrock-Vierfachvergaser
Radstand: 2.642 mm
Länge/Breite/Höhe: 4.580/2.020/2.010 mm
Antrieb: Allrad
Kraftübertragung: Dreigangautomatik Ford C6
Vorderradaufhängung: Dana-44-Starrachse, Spiralfedern, doppelte Teleskopstoßdämpfer, Schubstreben, einstellbarer Panhardstab, Höherlegung um 2,5 Zol
Hinterradaufhängung: Dana-60-Starrachse, Blattfedern, doppelte Teleskopstoßdämpfer,  Höherlegung um 2,5 Zoll
Bremsen: vorne Scheiben, hinten Trommeln, Bremskraftverstärker
Räder: 10×15 Cragar Quick Trick mit Wrangler, MT 33×12,50-15
Stückzahl: 69.120
Neupreis 1978: 6.543 Dollar
Infos: www.uscc-brotherhood.com – US-Car-Club Brotherhood
Bilder: Hans Pfeiffer

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