Eine Frage von Generationen – 60 Jahre Mercedes-Benz SL

Als Mercedes-Benz am 10. März 1952 in knappen Worten einen neuen Fahrzeugtyp vorstellte, ahnte keiner der Adressaten, dass 60 Jahre später das Kürzel “SL” noch immer jedem Autoenthusiasten den Mund wässrig, die Beine unruhig und das Konto leer machen würde – das gilt sowohl für die historischen Autos als auch für die neueren und neuen Exemplare. “Sehr geehrte Schriftleitung,” schrieben die Schwaben, “der neue Mercedes-Benz Sportwagen Typ 300 SL (Super-Leicht) wird in dieser Woche erstmalig Versuchsfahrten in der Öffentlichkeit durchführen…”
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Nicht nur die Schriftleiter waren baff. Für die Rennsaison baute Mercedes zehn Fahrzeuge des Typs W 194.  Bei der Mille Miglia wurden die Plätze zwei und vier eingefahren. Ein Doppelsieg bei den 24 Stunden von Le Mans und der legendäre Doppelsieg bei der 3. Carrera Panamericana im November 1952 zeugte von echter deutscher Sportwagenkunst. Daran konnte auch der berühmte Geier, der in Südamerika Klings und Klenks Auto erschütterte, nicht rütteln. Der Wagen mit dem schweren, 215 PS starken 3-Liter-Sechszylinder geriet dennoch leicht dank des nur 50 Kilo wiegenden Rohrrahmengeflechts. Insgesamt wog der Rennwagen 869 Kilo ohne Sprit (170-Liter-Tank!) und Ersatzräder. Aus Gründen der Steifigkeit hatte Mercedes-Konstrukteur und SL-Vater Rudolf Uhlenhaut angeordnet, dass die Türen nach oben aufgehen.

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Der erste SL war ein geschlossener Rennsportwagen, der erste für den solventen Normalsterblichen käufliche Supersportler mit Flügeltüren. Doch den Kult der offenen Mercedes-Zweisitzer begründete der 300 SL Roadster – seit sechs Generationen steht SL für gepflegte Frischluft. TRÄUME WAGEN fuhr die interessantesten Exemplare

Nur zwei Jahre später gab es den SL für Jedermann. Oder fast jedenfalls – sein Preis machte ihn zum begehrten und oft unerreichbaren Gut. Die Idee für eine Straßenversion  stammte vom US-Importeur Max Hoffmann, der stets den richtigen Riecher für künftige deutsche Modelle besaß, die in Amerika gute Chancen haben sollten. Tatsächlich kamen die ersten Kunden-SL als Flügeltürer – inzwischen für die Straße auf ein Gewicht von 1.310 Kilo inklusive Betriebsmittel gemästet und mit einem direkteinspritzenden Motor ausgerüstet.

Doch mit geplanten 1.000 Stück des Coupé (W 198 I) wollte man sich nicht alleine auf der International Motor Sports Show in New York blicken lassen. Flugs baute man auf der Plattform des Mercedes-Pontons eine kleine Variante, den 190 SL. Dessen Prototyp – optisch noch weit entfernt von der späteren Serienversion – debütierte gleichzeitig in New York, zu haben war er aber erst ein Jahr später.

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Faszination Gullwing: Klare, übersichtliche und herrliche Rundinstrumente dominieren das Armaturenbrett. Das Bakelitlenkrad ist abklappbar für einfacheren Einstieg

Schon bemerkenswert, dass nicht der unglaubliche Flügeltürer die weiteren Generationen des SL nachhaltig prägte, sondern die offenen Typen 300 SL Roadster und der 190 SL. Trotzdem müssen wir uns zuerst in den Autotraum aller Sportwagenfans mit dem Beinamen “Gullwing” schwingen, wenn schon mal die Chance dazu da ist. Das ist trotz der Gitterrohrahmenkonstruktion und den damit verbundenen sehr breiten Schwellern nicht schwer. Denn das Platzangebot ist erstaunlich großzügig. Beim Einstieg muss nicht mal das weiße Bakelitlenkrad abgeklappt werden.

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Eine Form für die Ewigkeit: Wer einmal unter die Fittiche des SL Coupé durfte, mochte nicht mehr aussteigen

Das Auto aus dem Mercedes-Benz-Fundus lässt sich butterweich schalten, die Lenkung ist exakt, aber schwergängig. Herrlich sind die mechanischen Geräusche von Motor und Kraftübertragung in dem geschlossenen Wagen. Der Motor hängt wunderbar am Gas, und der Respekt vor den damaligen Heroen wächst, wenn man bedenkt, dass einige von ihnen den Top-Speed von 247,5 km/h ausprobiert haben. Nur die Unübersichtlichkeit macht dem Fahrer des wertvollen Autos zu schaffen – die Rundungen sind von innen nicht zu überblicken. Und tatsächlich wird es schnell sehr warm im Innenraum, wie immer wieder kolportiert wird – dagegen hilft nur das Öffnen des Ausstellfensters. Und die Lüftungsklappe unten – einen kleinen Hebel auf der Beifahrerseite unter dem wunderschön bestückten Armaturenbrett – ziehen, schon strömt Frischluft auf die schnell heiß werdenden Füße.

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So gerne wir noch stundenlang mit dem Coupé (das 1999 in einer internationalen Wahl zum “Sportwagen des Jahrhunderts” erkoren und insgesamt 1.400 Mal gebaut wurde) durch die Gegend düsen würden: Die Zeit drängt. Und eine Ausfahrt mit den offenen SL der 50er Jahre steht an.
Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL Roadster (W 121/W 198 II)

Die Ur-Meter

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Offen fahren in seiner schönsten Form: von Chrom und unschlagbaren Formen umgeben wie im 300 SL Roadster

Heute wird gern vergessen, dass der 190 SL noch vor dem 300 SL Roadster debütierte. Der “kleine” Zweisitzer lehnte sich stilistisch am 300 SL an und wurde als Cabriolet, Coupé und Hardtop-Version gebaut. Technisch basierte der W 121 auf der Ponton-Baureihe, neu war der 1,9-Liter-Motor. Mit 105 PS benötigte die Stoffdachvariante 14,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit betrug 171 km/h. Bis 1963 wurden 25.881 Fahrzeuge gebaut, dann war Schluss. Das berühmteste Exemplar war schwarz und gehörte der Prostituierten Rosemarie Nitribitt. Die wurde 1957 ermordet, die Tat nie aufgeklärt. Fortan musste der kleine SL mit einem leicht verruchten Image leben.

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Die kleine Ausgabe: Der 190 SL sah das Licht der Welt gleichzeitig mit dem großen Bruder

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Kaum weniger opulent als im 300 SL ist das Interieur des 190 SL. Die Sitze sind schön anzusehen, bieten aber null Seitenhalt

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Zivilisiert, aber kein Temperamentsbolzen der 105 PS starke Reihenvierzylinder des 190 SL

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Unser Test-SL ist Baujahr 1961, dank Mercedes-Pflege in Bestzustand und innen mit herrlich verruchtem Rot ausgekleidet. Die Infos am Armaturenbrett sind auf das Wesentliche beschränkt, die Zeituhr musste aus Platzgründen in den Handschuhfachdeckel wandern. Das Auto lässt sich völlig einfach dirigieren und rangieren, auch wenn die 105 PS aus dem wunderbaren Auto keine Rakete machen.

MERCEDES-BENZ 190 SL
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor
Hubraum: 1.897 ccm
Leistung: 105 PS bei 5.700/min
Länge/Breite/Höhe: 4.220/1.740/1.320 mm
Radstand: 2.400 mm
Gewicht: 1.440 Kilo (ab 1961)
Höchstgeschwindigkeit: 171 km/h
Sprint 0-100 km/h: 14,5 s
Preis: 16.500,- Deutsche Mark

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Den exorbitanten Preis von damals 32.000,- Mark kann man dem 300 SL Roadster noch heute ansehen – außen und innen

Da ist der 300 SL Roadster (W 198 II) schon ein anderes Kaliber. Das offene Auto, ebenfalls initiiert von Max Hoffmann – löste 1957 den Flügeltürer ab und wurde insgesamt 1.858 Mal gebaut. Fahrfertig schleppte der bildschöne Wagen allerdings satte 1.420 Kilo mit sich herum und der Kaufpreis von 32.000,- Mark sorgte für strenge Limitierung – der kleine SL kostete im Vergleich gerade mal 16.500,- Deutsche Mark. Für den Bau des großen Roadsters musste die Flügeltürer-Konstruktion kaum geändert werden. Besonders im Seitenbereich ermöglichten neue Strukturen den Einbau von normalen Türen. Eine Eingelenk-Pendelachse mit tief gelegtem Drehpunkt anstatt der beim Gullwing üblichen Pendelachse lässt ein wesentlich angenehmeres Fahrverhalten zu.

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Mit 215 PS aus dem Dreiliter-Sechszylinder war der offene 300 SL  stark genug motorisiert, um die Straßen zu beherrschen

Wer erstmals in einen 300 SL Roadster einsteigt, ist zunächst geplättet von den wunderschönen Instrumenten und Schaltern, alles eingefasst in Chrom.  So lebte also die Upper-Class der 50er – der Luxus wirkt noch heute. Die Frontscheibe steht steil, und zum Glück hatten die Konstrukteure von damals keine Ahnung von Windschotts oder ähnlichen Spaßbremsen. Mit tiefem Sound schiebt der Sechszylinder-Motor den großen Wagen an, rangieren fällt am großen, dünnen Bakelitlenkrad gar nicht so leicht. Die vier Gänge flutschen problemlos in ihre Positionen, das Blinken mit dem Hupring und der Blick in den auf dem Armaturenbrett stehenden Rückspiegel sind gewöhnungsbedürftig. Die riesigen Rundinstrumente für die Drehzahlen und das Tempo mit den schlichten Ziffern laden zum Gasgeben ein. In zehn Sekunden soll der Wagen auf 100 Stundenkilometer sprinten, was den Durchschnittsverbrauch von 17 Litern noch einmal kräftig erhöht, doch wir behandeln den Roadster lieber vorsichtig – hauptsächlich aus Respekt vor dem Alter. Und weil die Sitze von Seitenhalt nur wenig Ahnung haben.

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MERCEDES-BENZ 300 SL
Motor: Sechszylinder-Reihenmotor
Hubraum: 2.996 ccm
Leistung: 215 PS bei 5.800/min
Länge/Breite/Höhe: 4.570/1.790/1.300 mm
Radstand: 2.400 mm
Gewicht: 1.420 Kilo
Höchstgeschwindigkeit: ca. 220 – 250 km/h
Sprint 0-100 km/h: 10 s
Preis: 32.000,- Deutsche Mark

Mercedes-Benz 280 SL (W 113 E 28)

Die Pagode

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1963 wagt Mercedes die Ablösung von 190 SL und 300 SL Roadster – mit einem hochbeinigen, fili-granen Zweisitzer. Der hat schnell seinen Spitznamen “Pagode” weg – ausgerechnet durch die Form des Hardtops, die an fernöstliche Tempelbauten erinnert. Als 230 SL stellen die Stuttgarter in Genf die neue Generation vor, auf Wunsch kann man hinter den Vordersitzen einen Quersitz einbauen lassen. Der neue SL basiert auf der Bodengruppe der “Heckflosse”, ist also mit Knautschzonen und einer steifen Fahrgastzelle ausgestattet.

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Überhaupt achtet Mercedes erstmals auf die Sicherheit ihrer Freiluftfans. Innen sind alle Ecken und Kanten geschliffen, die Lenksäule ist geknickt, 1967 kommen die Sicherheits-Teleskoplenksäule und der Pralltopf im Lenkrad hinzu. Unter der Haube arbeiten 150 PS.

Der 19.831 Mal gebaute 230 SL wird 1967 vom 250 SL ersetzt, dieser wiederum erhält nach 5.196 Exemplaren mit dem 280 SL einen 170 PS starken Nachfolger. Und mit so einer späten Pagode, immerhin 23.885 Mal gebaut, drehen wir unsere Runden.

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Die erste Begegnung mit dem einst 24.300,- Mark teuren Auto enttäuscht. Nachdem wir von dem Supersportler 300 SL in die Pagode umsteigen, wähnen wir uns in einer anderen Welt. Nicht nur, weil die Pagode optisch wesentlich moderner wirkt – aber die Sitzposition erinnert an die in einem modernen SUV. Hoch und aufrecht thront der Pilot, weswegen auch die Frontscheibe so hoch in den Himmel ragt. Die Anordnung der Armaturen ist zwar wie im 300 SL, wirkt aber längst nicht so mondän – vielleicht deshalb, weil das gesamte Armaturenbrett einen fetten Rand aus mit Leder besetztem weichen Material hat, das im Un-Falle die Passagiere vor Verletzungen schützen soll.

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Trotz 170 PS fühlt sich die Pagode nicht wirklich sportlich an, eher wie ein komfortabel motorisierter Reisewagen

Aber auch der Fahreindruck ist gänzlich anders als bei den älteren Brüdern. Sportlichkeit wich fast vollständig zugunsten von Komfort, die Pagode fährt sich butterweich und scheint mit ihrem Heck zu wanken und zu wedeln. Das mag man auf langen Reisen zu schätzen wissen, für unsere kurze Ausfahrt auf gewundenen spanischen Straßen hätten wir es gerne etwas fester. Außerdem haben wir eine Automatikversion erwischt, was den optisch so leichtfüßigen Wagen 1.715 Kilo schwer macht. Und das Getriebe haut die Gänge rein, als wären Nackenschläge gut für die Aufmerksamkeit.

Insgesamt 48.912 Kunden hat das alles damals nicht gestört, genauso wenig wie ein Spritverbrauch von 16,5 bis 17,5 Litern – kein großer Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger. 1971 war es Zeit für einen Nachfolger.

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MERCEDES-BENZ 280 SL Automatic
Motor: Sechszylinder-Reihenmotor
Hubraum: 2.778 ccm
Leistung: 170 PS bei 5.750/min
Länge/Breite/Höhe: 4.285/1.760/1.320 mm (mit Roadster-Verdeck)
Radstand: 2.400 mm
Gewicht: 1.715 Kilo (Roadster mit Coupédach und Automatik)
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Sprint 0-100 km/h: 11 s
Preis: 24.300,- Deutsche Mark (mit Coupédach)

Mercedes-Benz 500 SL Automatic (R 107 E 50)

Die offene S-Klasse

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Kraft bis zum Anschlag und ein klares, gradliniges Design: beeindruckender 500 SL aus dem Jahr 1986

 

Nicht nur die Nomenklatur ändert sich mit dem neuen SL im Jahr 1971 – auch die Form. Sie nimmt viele gestalterische Elemente der folgenden neuen S-Klasse voraus. Das beginnt bei der für die 70er Jahre sehr grafischen Statur und endet erst bei den profilierten Heckleuchten, die durch ihre Form ein Verschmutzen verhindern sollten. Und erstmals sollen SL Achtzylinder-Motoren erhalten.

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Wir setzen uns in einen 500 SL aus dem Jahr 1986 – zu diesem Zeitpunkt gibt es den größten Motor nur im Zusammenhang mit einem Automatikgetriebe. Schon im Stand vibriert der ganze Wagen, als wolle der Motor endlich zur Tat schreiten. Die Sitze sind er-?staunlich weich, das Lenkrad überdeckt etwas die klar gezeichneten Armaturen – mehr gibt es aber auch nicht zu kritisieren. Geschmacksache sind die Karo-Muster auf Sitzen und als Türverkleidung, das üppige Holz, die Plastikschalter und das fette schwarze Vierspeichenlenkrad. Das Interieur wirkt schlicht, der Wählhebel fürs Automatikgetriebe wie ein Fremdkörper.

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Aber in Sachen Leistung gibt es keine Fragen. Vehement stürmt der 500 SL los, nur wenig Elektronik gebietet der Kraft Einhalt. Gut, dass die Straßen trocken sind, denn die enorme Kopflastigkeit, der kurze Radstand und das leichte Heck erfordern eine erfahrene Hand am Volant. Aber steif ist das Auto, voller Sicherheitsfeatures und immer ein Hingucker.Erst am 4. August 1989 rollte ein roter SL 500 als letzter R 107 aus den Hallen in Sindelfingen. Damit konnte diese Baureihe auf ein 18 Jahre langes Leben zurückblicken. Genau 237.287 Stück des Roadsters wurden gebaut, hinzu kamen 62.888 Coupè-Versionen namens SLC. 80 Prozent der R 107 gingen in den Export. So erfolgreich war vorher noch kein anderes Luxusauto in Preiskategorien bis zu 100.000,- Mark.

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Aus fünf Litern Hubraum schöpft der Achtzylinder 240 PS. Die haben keine Probleme mit dem Auto, auch wenn 1.600 Kilo ein ganz schönes Pfund sind

 

MERCEDES-BENZ 500 SL
Motor: V8
Hubraum: 4.973 ccm
Leistung: 240 PS bei 5.000/min
Länge/Breite/Höhe: 4.390/1.790/1.300 mm
Radstand: 2.400 mm
Gewicht: 1.600 Kilo
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Sprint 0-100 km/h: 8,5 s
Preis: 93.200,- Deutsche Mark (September 1986)

Mercedes-Benz 300 SL (R 129)

Der Keil

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Der große mittige Stern vorne als SL-Markenzeichen, aber sonst richtig fett geworden: Mit 1.780 Kilo ist der grafisch gezeichnete 300 SL der 90er Jahre ein echtes Schwergewicht

 

Im Genf des Jahres 1989 steht die vierte Generation des SL, genannt R 129. Erstmals wird ein SL im neuen Bremer Werk montiert, die aufwändige Handarbeit in Sindelfingen ist passé. Die A-Säulen werden dicker, die Außenspiegel eckiger, die Instrumente mannigfaltiger. Die Mittelkonsole sieht aus wie gefaltet und dann aus-einander gezogen, tiefe Teppiche und dickes Leder lassen keinen Zweifel an einem Luxusauto. Die Außenhaut ist inzwischen sehr glatt, fast zu glatt. Nur winzige Kiemen an den vorderen Kotflügeln erinnern an seinen Urgroßvater, ein klappbares Windschott läutet die Zeit der Weichei-Cabrios ein. Erstmals wird das Stoffdach elektrohydraulisch bedient – es braucht jeweils eine halbe Minute zum Auf- und Zuklappen.

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Neu ist auch das adaptive Dämpfungssystem namens ADS. Es sorgt für eine automatische Niveauregulierung. Ebenfalls eine echte Innovation sind die hochschnellenden Überrollbügel, die erstmals in einem SL auftauchen. Sie benötigen nur 0,3 Sekunden, um sich in Position zu bringen. Auch die Integralsitze sind neu. Zur Präsentation gibt es drei Motorvarianten: den normalen Dreiliter, den Dreiliter mit 24 Ventilen (Aufpreis rund 10.000 Mark, dafür 41 PS mehr) und den V8 mit 326 PS. Der wird ab Herbst 1991 noch getoppt vom 6-Liter-V12 mit 394 PS. So gerüstet kostet der offene Zweisitzer rund 180.000,- Mark.

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Die Ausfahrt mit einem 300er aus dem Jahr 1993 birgt keine Überraschungen. Er fährt sich wie ein völlig modernes, offenes Auto. Mit Absicht hat Mercedes das Fahrwerk auf den Tourenwagensport abgestimmt, so dass schnelles Fahren komfortabel und risikoarm möglich ist. Aber nach den Ritten in den Vorgängern ist die Fahrt im R 129 nahezu langweilig. Dabei kann das Auto gar nichts dafür…

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Die Kundschaft jedenfalls war völlig aus dem Häuschen. Schnell war die Produktionskapazität ausgelastet, mehrjährige Lieferfristen waren die Folge. Im Sommer 2001 war Schluss mit der vierten Generation. In zwölf Jahren wurden 204.940 Stück gebaut.

Den Nachfolger des R 129, der von 2001 bis 2012 unter der Bezeichnung R 230 gebaut wurde, ehren wir, wenn er noch ein paar Jahre mehr auf dem Blechbuckel hat…

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MERCEDES-BENZ 300 SL
Motor: Sechszylinder-Reihenmotor
Hubraum: 2.960 ccm
Leistung: 190 PS bei 5.700/min
Länge/Breite/Höhe: 4.465/1.812/1.303 mm
Radstand: 2.515 mm
Gewicht: 1.780 Kilo
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Sprint 0-100 km/h: 9,5 s
Preis: 106.000,- Deutsche Mark (Juni 1991)

Mercedes-Benz SL 500 BlueEfficiency (R 231)

Der Neue

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Damals und heute: 300 SL Roadster der 50er neben dem Mercedes SL 500 modernster Bauart – die Ähnlichkeiten halten sich in Grenzen

Und was leistet die aktuelle SL-Baureihe? Mercedes ist stolz auf besondere Leichtigkeit wegen eines nagelneuen Aluminium-Unterbaus (minus 110 Kilo) und diversem Feintuning in Sachen Material (zum Beispiel Magnesiumrahmen für die Klappdachkonstruktion, macht sechs Kilo weniger im Vergleich zum Vorgänger). Insgesamt soll das bisherige Top-Modell SL 500 (435 PS) 140 Kilo leichter sein als sein Vorgänger.Wobei: Wirklich leicht war nur der Ur-SL, ein reiner Rennwagen. Und was die Innovationen angeht, so werden die Schritte auch kleiner: Der neue SL hat durchlöcherte Scheibenwischer für eine optimale, elektronisch geregelte Wischwassermenge auf der Frontscheibe sowie ein neues Bass-System für orchestralen Musikgenuss auch bei schneller Offen-Fahrt. Dazu: optionales Vario-Dach (Glas kann man undurchdringlich machen), natürlich die bekannte Nackenheizung und ein Kofferraumöffnungs- und Schließmechanismus, der nur einen bewegten Fuß unter dem Fahrzeugheck benötigt. Grundpreis für das volle Paket: 117.096,- Euro. Wer die “Edition 1” wie auf unserem Foto ordert, muss noch einmal 22.598,10 Euro drauflegen. Wahrscheinlich war es noch nie so bequem, einen Mercedes SL zu fahren. Aber faszinierender sind die alten…Bilder: Roland Löwisch/Werk

MERCEDES-BENZ SL 500
Motor: V8
Hubraum: 4.663 ccm
Leistung: 435 PS bei 5.250/min
Länge/Breite/Höhe: 4.612/1.877/1.315 mm
Radstand: 2.585 mm
Gewicht: 1.785 Kilo
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Sprint 0-100 km/h: 4,5 s
Preis: 117.096,- Euro

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