und Action … bei Cinema Vehikel Services in Hollywood

Dass wir in der Mehrzahl der Filme, die wir konsumieren, auch Autos sehen, ist eine banale Erkenntnis. Aber daran knüpft sich die eigentliche Frage: Wo kommen die alle her?

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Autos, so weit das Auge reicht: Filmwagen von der Stange gibt es bei Cinema Vehicles Services

Nichts in einem Film ist “von selbst” – alles ist inszeniert. Wenn wir also Autos sehen, die nur wie zufällig im Hintergrund vorbeifahren, muss jemand dafür gesorgt haben, dass sie zur rechten Zeit am Drehort waren. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten…

Möglichkeit eins: Die Filmcrew mietet ein privates Auto. Eine interessantes Beispiel dafür ist die der Pepsi-Reklame mit Britney Spears vor einigen Jahren. Darin konnte man auch für ein paar Sekunden einen “Hippie-VW-Bus” sehen. Den hatten die Verantwortlichen für die Dreharbeiten von dem Besitzer geliehen und vereinbart, 300 Dollar pro Tag Miete zu zahlen. Eine übliche Größenordnung. Und ein völlig unerheblicher Punkt im Rahmen der insgesamt anfallenden Kosten. Entgegen den Planungen zogen sich die Dreharbeiten aber aufgrund verschiedener Schwierigkeiten über drei Monate hin. So fielen tatsächlich  insgesamt rund 27.000 Dollar Miete an – und die Crew musste den Wagen dann auch noch zurückgegeben. Da wäre ein Kauf sicher die bessere Option gewesen. Trotzdem war die Miete im Vergleich zu Britneys Gage nur “Peanuts”…

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Natürlich stehen hier jede Menge Polizeiwagen…

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…auch aus Chicago…

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… und auch ältere…

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… oder ganz Skurriles wie diese Corvette-Limousine

Meist sitzt eine professionelle Agentur zwischen Filmcrew und Autobesitzer, um zu vermitteln.
Möglichkeit zwei: Große Filmstudios unterhalten oft einen eigenen Fuhrpark mit den verschiedensten Autos der verschiedensten Baujahre, die dann in diversen Filmen immer wieder zum Einsatz kommen. So kann man in jedem großen Studio jederzeit eine 30er-Jahre-Straßenszene ohne Hilfe von außen drehen.

Für einen Film wie “Blues Brothers”, bei dem gefühlt Hunderte von “Bullenkarren” mitspielen, braucht man aber Möglichkeit drei: die Hilfe eines Spezialisten wie CVS. “Cinema Vehicle Services” ist die größte und auch älteste Firma für Filmautos und allem, was damit zu tun hat, in den USA – und damit auch auf der Welt.

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Aber es gibt auch Ausgefallenes, wie diesen Citroën DS mit US-Doppelscheinwerfern…

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Alter Dodge-Truck: Auf den ersten Blick in Super-Zustand…

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…so wie dieser 49/50er “Shoebox Ford”

Bei unserer Ankunft auf dem 30.000 Quadratmeter großen Firmengelände in North Hollywood, in unmittelbarer Nähe der großen Studios fallen zunächst die langen Reihen mit Polizeiautos und Taxis auf. Daneben und dazwischen parkt so ziemlich alles, was in Filmen so gebraucht wird: Pkw aller Baujahre, Pick-ups, Trucks, Reisebusse, Schulbusse, Wohnmobile, sogar ein französischer Citroën DS mit amerikanischen Doppelscheinwerfern. “You name it, you find it here” lautet eine amerikanische Redensart, was etwa so viel bedeutet wie: “Es gibt nichts, was es hier nicht gibt.” Und das sind ja nur die Autos, die gerade nicht im Einsatz waren.

Das Geschäft hat 1975 recht bescheiden angefangen.
Damals eröffnete Ray Claridge die “Sepulveda Auto Clinic” im Stadteil Van Nuys – mit zwei Mechanikern und in einer 70 Quadratmeter großen Halle. Die Firma wuchs sofort, 1977 kam der erste Auftrag aus der Filmbranche. Zwei Jahre später schaffte Claridge ein paar Polizeiautos an, um sie für Dreharbeiten zu vermieten.

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Bei Dreharbeiten ist es oft hilfreich, zwei gleiche Exemplare zu haben, so wie diese 58er Rambler…

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…oder die “Waterfall”-Chevy-Pick-ups

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Auch eine ganze Flotte von Rettungswagen steht auf dem Hof

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Sonnenbrille empfohlen: Hier werden gerade die vielen Blinklichter ausprobiert

“And he never looked back” ist eine weitere amerikanische Redewendung. In der Tat konzentrierte sich Claridge mehr und mehr auf den Verleih an Filmfirmen, bald war die Flotte auf rund 50 Autos angewachsen. 1985 musste er mit seiner Firma auf ein größeres Gelände umziehen. Der Verleih war jetzt das Hauptgeschäft und so erhielt die Firma den namen “Cinema Vehicle Services”. Die Flotte war inzwischen auf rund 500 Fahrzeuge gewachsen. 1997 zog CVS auf das jetzige Gelände, mittlerweile liegt der Bestand an Fahrzeugen bei mehr als 1.000 Stück.

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Immer aufm Sprung – General Lee

Auf dem Areal herrscht stets rege Betriebsamkeit, die logistische Leistung ist beeindruckend. Noch beeindruckender aber ist der Auto-Bestand: eine ganze Reihe  Muscle Cars, dazu Automobilia wie alte Neonreklamen, Emailleschilder, Motoren und Ähnliches. Da liegt die Annahme nahe, dass das nicht nur aus Geschäftsinteresse zusammengetragen wurde…

Selbst einen großen Werkstattbereich gibt es. Hier werden nicht nur die üblichen Wartungen und Reparaturen erledigt, sondern auch normale Limousinen in “Bullenkarren” oder Vans in Krankenwagen verwandelt. Ganze Regale voller “Rundumleuchten”, wie das offiziell heißt, finden sich hier zu diesem Zweck.

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Doppelt hält besser: Zwei 54er Chevys

Aber damit sind die Möglichkeiten noch lange nicht erschöpft. CVS bauen auch “besondere” Autos für Filme auf Bestellung, die dann an die jeweilige Filmfirma vermietet oder verkauft werden.Prominentestes Beispiel ist sicher der Eleanor-Mustang aus “Gone in 60 Seconds” (“Nur noch 60 Sekunden”) aus dem Jahr 2000, inzwischen ein Kultfilm. Nachdem Chip Foose den Prototyp gebaut hatte, fertigten CVS elf Kopien für die Dreharbeiten, alle etwas unterschiedlich, abgestimmt auf den jeweiligen Einsatzzweck; vier davon überlebten die Dreharbeiten übrigens nicht. Auch einige der im Kinofilm “Starsky & Hutch” eingesetzten roten Gran Torinos wurden von CVS aufgebaut.

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Im Regal warten jede Menge “Rundumleuchten” auf ihren Einsatz. Auch Sammlerobjekte wie diesen “gläsernen” Chevy-Sechszylinder kann man bewundern

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Der coole alte Sun-Tester wird noch benutzt. Sogar ein Feuerstein-Auto mit passenden Accessoires findet man in einer der Hallen

Zu den echten Kultautos gehört auch der mit einem riesigen Kompressor ausgerüstete 70er Dodge Charger aus dem ersten Teil von “The Fast and the Furious”. Das “Hero Car”, also das Auto, das in Nahaufnahme gezeigt wird und deshalb auch gut aussehen muss (bei den Stunt-Autos, die oft nicht mal eine richtige Inneneinrichtung oder einen laufenden Motor haben, kommt es nicht so darauf an) befand sich noch Jahre nach den Dreharbeiten im Besitz von CVS, ehe es in ein privates Automuseum in der Schweiz wanderte. Auch das Wunderauto K.I.T.T. (Knight Industries Three Thousand) aus der neuen Knight-Rider-Serie von 2008, diesmal ein neuer Mustang und kein Pontiac Firebird, stammt aus der Schmiede von CVS. Und ein weiteres Kultauto konnten wir uns ansehen: “General Lee”, den 69er Charger der “Duke Boys” aus der Fernsehserie “The Dukes of Hazzard” (bei uns: “Ein Duke kommt selten alleine”), die von 1979 bis 1985 gedreht wurde. Der große George Barris hatte den Wagen mit der Südstaatenflagge auf dem Dach und den zugeschweißten Türen damals designt, gebaut wurde er dann in unzähligen Exemplaren, weil immer mehrere pro Folge für die legendären Stunts draufgingen. Von den verschrotteten “Bullenkarren” wollen wir hier gar nicht reden. Das Auto hier ist keines der von CVS für den Kinofilm von 2005 gebauten Exemplare und auch keine der zahllosen Repliken, die es heutzutage gibt, sondern einer der wenigen überlebenden Wagen aus der alten Fernsehserie.

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In einer Ecke steht gleich eine ganze Reihe von Muscle Cars

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Da dürfen natürlich die Blues Brothers nicht fehlen

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Bunte Palette: Auch Street-Machines sind im Programm

Weiter hinten eine Lackierhalle, die groß genug ist für Busse und Lastwagen. Auch einen “upholstery shop”, eine Sattlerei, gibt es. Dort wird von der geplatzten Naht bis zum vollen “custom interior” alles erledigt. Hinzu kommt eine eigene Autoglaserei und eine Grafikabteilung, die alle Arten von Grafiken und Aufklebern – zum Beispiel für Krankenwagen oder Polizeiwagen – herstellt. Außerdem steht noch eine ganze Flotte von eigenen Autotransportern zur Verfügung, um die Wagen bei Bedarf am jeweiligen Drehort anliefern zu können. Fazit: Auch wenn man nicht gleich ein Auto bei CVS mieten will – wer die Zeit hat, sollte dort hereinschauen…

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Und noch mal Muscles, sogar im Doppelpack: zwei Chevelle SS

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Lowrider für Spezialauftritte

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Ausnahmsweise mal stumm: K.I.T.T. aus der neuen Knight-Rider-Serie

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Auch sogenannte “process vehicles” für Innenaufnahmen kann man mieten

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Gleich eine ganze Flotte von “Beamer”-Motorrädern, wie man die BMW drüben nennt

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Cool: Emailleschilder, Neonreklamen und ein alter Verkaufswagen der “Helms Bakery”

Information
Cinema Vehicle Services ist nach eigenen Angaben die älteste und größte “full service picture car company” in den USA.
Cinema Vehicle Services, 12580 Saticoy Street, North Hollywood, CA 91605, Tel.: 001 818 780 6272, bob@cinemavehicles.com, www.cinemavehicles.com

Bilder: Hans Pfeiffer

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