Mustang Boss Racing – Wer ist hier der Boss?

Es gibt nur einen wahren Boss – es sei denn, man erschafft mit gekonnten Eingriffen in die Technik eines 1969er Mustang Mach 1 etwas Vergleichbares erschaffen.

Der Name war Programm: Boss. Konnte man einen Führungsanspruch besser unterstreichen?
Den Mustang Boss, eine von der Trans-Am-Rennserie abgeleitete Version, gab es sowohl mit einem Fünfliter – als auch mit einem Siebenliter-V8 ab Werk zu kaufen. Der große Bruder war allerdings eine reine Straßenversion, da der Trans-Am-Serie eine Hubraumbeschränkung auf fünf Liter auferlegt war. Kein Wunder, dass eine nicht gerade geringe Stückzahl der 5.0-Liter-Modelle bei diversen Rennunfällen vernichtet wurde.

Böser Blick? Gar nicht notwendig bei dieser Front, die jedem auf der linken Fahrspur Respekt einflößt

Hier kommt der Boss: Bei 7.500 ccm und ca. 500 PS ist klar, wer Chef im Ring ist

Einen echten Boss zu finden, ist entsprechend schwierig und kostspielig, da nur rund 10.000 Stück dieser Muskelpakete produziert wurden. Warum also nicht einfach selber einen echten Powermustang auf die Räder stellen, dachte sich Classic Car Design aus Dasing und begann, mit einer guten Basis daran zu arbeiten.

Was eignet sich für so ein Projekt besser als ein 1969er Modell, das die wohl aggressivs-te Form aller Mustangs hat? Mit den Scheinwerfern innerhalb des Kühlergrills, seitlichen Lufteinlässen an den ?Kotflügelspitzen und der haifischähnlichen Schnauze hat er das, was man heute als “Überholprestige” bezeichnet. Wenn so eine Schnauze hinter dem eigenen Wagen auftauchte, war jeder gut beraten, den rechten Blinker zu setzen, die Fahrspur zu verlassen und dem Donner-?groll zu lauschen, der von hinten angeschossen kam.

Das sollte auch bei diesem 1969er Mach 1 funktionieren, wozu das Team aus Dasing tief in die Trickkiste griff. Einfach nur Leistung in ein Auto zu packen reicht natürlich nicht aus – besonders TÜV-Beamte lachen darüber nur ungern. Also musste ein Gesamtkonzept her. Das umfasste natürlich die Restauration der Karosserie genau so wie die des Innenraumes, der bei dieser Gelegenheit gleich einen Satz etwas sportlich ausgeformter Sitze, einen fetten Drehzahlmesser so wie ein Holzlenkrad verpasst bekam.

Ein Boss kann man nur sein, wenn man anderen überlegen ist – Grund genug, zu klotzen statt zu kleckern, um den 1969er zur Chefsache zu machen.

Ein 7,5-Liter-Aggregat mit feinsten Zutaten drückt nun ca. 500 PS an das C6-Getriebe mit Speed Wandler und Po-wershifter, was nicht nur für anständigen Vortrieb, sondern auch für schnelle Schaltvorgänge sorgt. Zur Vorsorge für längere Vollgasetappen wurden dem Motor ein High-Performance-Wasser- und -Ölkühler spendiert, die in einem sauber gearbeiteten Aluminiumgehäuse sitzen.

Das Fahrwerk wurde nicht nur überarbeitet, sondern genau wie die Bremsen der hohen Leistung und den Anforderungen an deutsche Straßen angepasst. Ein Koni-Fahrwerk sowie Fahrwerkstabilisatoren sollen für eine bessere Haftung der 225er-Gummis an der Vorder- und der 255er-Reifen auf der Hinterachse sorgen. Durch eine High-Performance-Bremsanlage bekam der “Boss” dann auch den Segen vom TÜV, so dass einem ersten Ausritt mit dem Mustang nichts mehr im Wege stand.

Fast nichts – nur das Wetter. Haben Sie schon mal einen Boss aufs Glatteis geführt?  Normalerweise gibt das Ärger… Zum Zeitpunkt unserer Testfahrt  herrschten minus fünf Grad, die Straßen waren alles andere als griffig, teilweise sogar vereist.

Aber zunächst sprang der Mustang ohne Zicken an und nach einer kurzen Warmlaufphase machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Gelände, um den Mach 1 mit seiner matten Grundierung zu fotografieren. Ein Boss in matt? Durchaus, denn der Besitzer präferiert diese Optik – er findet das wesentlich cooler als glänzenden Klarlack.

Chefsessel: wer hier sitzt, hat Überblick

Perfekt restaurierter Innenraum mit etwas Patina, die dem Mustang eine Seele verleiht und an vergangene Zeiten erinnert.

Nach anfänglich verhaltenem Umgang mit dem Gaspedal wurde das Vertrauen in den Boss immer größer. Doch ein Boss lässt sich nicht zu viel gefallen: Schnell quittierten die  Hinterräder den nachlässigen Umgang mit dem Gaspedal wegen der niedrigen Temperaturen mit wildem Durchdrehen, das Heck brach schlagartig aus. Mehr Übung, Gespür, Feinsinn war gefragt, und siehe: Nach ein paar weiteren Kilometern war der Mustang unter Kontrolle, so dass die angegebene Leistung abgerufen werden konnte.

Die Abstimmung des Fahrwerkes passt wunderbar zum bossigen Charakter des Mustang,  eine Seitenneigung der Karosserie ist praktisch nicht vorhanden. Der Boss ist trotzdem nicht zu hart abgestimmt, denn Querfugen und Bodenunebenheiten werden sauber geschluckt.

Das Höchsttempo des Mustang soll gut 220 km/h betragen. Haben wir aber nicht ausprobiert – einerseits existiert auf den Autobahnen rund um Bocholt ein Speed-Limit, andererseits war das spätwinderliche Wetter nicht einladend genug. Doch der bisherige subjektive Eindruck macht Lust auf sommerliche Temperaturen und freie Autobahnen… Die angegebenen Werte erscheinen absolut realistisch, die Beschleunigung liegt auf dem Niveau moderner Sportwagen. Nur dass ein echter alter Vergaser-V8 viel brutaler zur Sache geht, was die Faszination solcher Maschinen ausmacht.

Nach der Ausfahrt ist klar, ob Fahrer oder Auto der Boss ist: das Auto. Zumindest bei Minusgraden oder auf nassem Asphalt. Was sich ändern könnte, wenn die Reifen auf Temperatur gebracht sind und der Pilot die Power kontrolliert auf die Straße bringen kann.

Und wer ist unter den Mustangs der Boss? Das Original oder unser Test-Boss? Der Vergleich hinkt. Denn die Technik des “echten” Mustang Boss war noch lange nicht so weit wie bei diesem Mustang mit modernem Fahrwerk, Motor und Bremsen. Sicher ist:  Der Boss aus Dasing ist eine gute Alternative zum sündhaft teuren Original.

Like a Racecar: Zur besseren Gewichtsverteilung wanderte die Batterie in den Kofferraum

 

Kontakt: Classic Car Design, Dasing, www.Classiccardesign.de

Ford Mustang Mach 1
EZ: 02.1969
Kilometerleistung: 18.742 Meilen
Motor: 7,5-Liter-V8
Leistung: ca. 500 PS
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 220 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: ca. 5,5 s
Kraftstoffart: Benzin
Antrieb: Hinterrad
Getriebe: C6 Automatik mit Speed Wandler u. Megashifter
Gewicht: ca. 1.300 kg
Radstand: 2.743 mm
Länge: 4.760 mm
Breite: 1.824 mm
Vorderradaufhängung: Einzelrad mit Koni-Fahrwerk
Hinterradaufhängung: Starrachse mit Koni-Fahrwerk
Bereifung: vorne 225/60R15 auf Magnum 500 Felge 7×15, hinten 255/60R15 auf Magnum 500 Felge 8×15
Sonderausstattung: High Performance Kühler und Ölkühler, GFK Motorhaube, Motortuning, Holzlenkrad, Fahrwerksstabilisatoren
Bilder: Frank Sander

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