Das hat Gesicht

avatar_6Was ist der Unterschied zwischen einem Auto und einer Gurke? Ganz klar, der Wagen erzeugt beim Anblick Gefühle, die Gurke selten. Und das liegt natürlich an den Scheinwerfer-Augen eines Fahrzeugs.

Ja, wer bist du denn? Ach, ein Porsche 924 mit Klappaugen. Erblicken wir ein Fahrzeug, so eine Studie, reagiert unser Gehirn, als ob es ein Gesicht erkennen würde. Das war vor einigen Wochen in der Presse zu lesen, und nicht wenige mögen sich fragen – ja, wie denn sonst? Jeder von uns weiß schließlich, dass Autos nicht besonders viel mit der Bewältigung einer Strecke zu tun haben. Es geht um große Gefühle, Enttäuschung, Liebe, Schuld, Hass und Verzweiflung – das ganze Programm. „Auto emoción“ eben, wie ein Werbespruch von Seat schon besagte.

Der offensichtlichste Grund für die Gefühlsduseligkeit – vom Diskurs Freiheit, Macht und Mobilität einmal abgesehen – liegt natürlich darin, dass Autos tatsächlich ein Gesicht haben. Und was erblicken wir allem voran? Die Scheinwerfer. Da ist es nicht uninteressant einmal nachzublättern, welche Geschichte sich eigentlich hinter der Autobeleuchtung verbirgt. Klar, alles fing mit einer Kerze an, mit einer Petroleumlatüchte, irgendeiner Funzel auf dem Gefährt. Im Königreich Preußen verlangte eine Polizeiverordnung vom 15. April 1901: „Während der Dunkelheit und bei starkem Nebel müssen die Laternen brennen.“ Jawoll, und an diesem Grundsatz hat sich seitdem nicht viel verändert. An der Technik umso mehr: Es folgte ein paar Jahre später der elektrische Scheinwerfer mit Batterie. Um 1913 erfand man das Abblend- und Fernlicht, eine kleine Sensation, erzeugt wurde die Innovation durch zwei unterschiedlich geneigte Scheinwerfer. Für uns banaler Alltag, aber da muss man erstmal drauf kommen. Reflektoren verstärkten die Leistung, durch Riffelungen in den Gläsern wurde das Licht gebündelt und gezielter auf die Fahrbahn gelenkt. Es kam eine Zeit, da verwendete man neuartige Halogen-Glühlampen in Zusatzscheinwerfern, später setzte man Xenon-Scheinwerfer ein, wir verfluchten die blauen Blender.

Wobei man beim Thema Leuchtmittel auch nostalgisch werden kann: Anfang der 60er Jahre, obschon sich die Gelehrten da streiten mögen, sah man den ersten rechteckigen Scheinwerfer, es heißt, es sei ein Peugeot 504 gewesen – zuvor erstrahlte der Schein im Rund oder Oval. Nicht zu vergessen das Kurvenlicht, das erste Mal in Europa bei der Déesse eingesetzt. Oder der Opel GT mit den um die eigene Achse rotierenden Scheinwerfern, die man mit einem Hebel bewegte. Der Maserati SM mit seinen sechs Hauptscheinwerfern in der Glasvitrine und dem hydraulischen Kurvenlicht. BMWs mit „Angel Eyes“ und die Unart, mit Nebelscheinwerfern und Standlicht rumzulodern. Naja, das fällt wohl weniger in die nostalgische Kategorie.

Aktuell fokussiert man sich auf das dynamische Voll-LED-Gefunzel und die Technik, dank der Fußgänger automatisch angestrahlt werden. Licht aus, Spot an. Und auf den Straßen blitzt und funkelt es in den Scheinwerfern wie in einem UFO zu Weihnachten, mandeläugig, rautenförmig, schlitzartig und trapezgeformt, ellipsoid, rund, kantig. Charakter sollen die Scheinwerfer verleihen, dem Wagen ein Angesicht geben. Seltsam nur, wie sehr sich die Visagen der neuen Autos ähneln. Denn kommt mal ein alter Porsche 924 um die Ecke, denkt man gleich – ach, das hatten wir ja schon.

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