Oldtimer-Rennen: Bellezza e Velocita

“Die Schönheit der Geschwindigkeit” – dieser Gründungsmythos der italienischen Futuristen aus dem Jahr 1909 steht wie eine ewige Krone über der Mille Miglia, den legendären “Tausend Meilen” von Brescia am Gardasee über kurvige 800 Landstraßenkilometer hinunter nach Rom und wieder 800 Kilometer hinauf nach Brescia. Dorthin, wo am 26. März 1927 laut Enzo Ferrari “das größte Autorennen der Welt” mit 77 Teams und Rennwagen begann

Wie einen fressen Staub, die anderen müssen immer wieder in die öligen Tiefen ihrer Autos kriechen, die dritten kippen vor Müdigkeit irgendwann fast um: In etwa 32 Stunden 1.600 Kilometer zu fahren, besonders mit der fragilen Technik  der Sport- und Rennwagen aus den 1920er und 30er Jahren, ist eine fast schon brutale Herausforderung. Das Chassis knüppelhart, ohne Schutz vor Staub, Wind, Kälte und Regen. Und um am Ende im Riesenfeld vorn mitzumischen sind beim Copiloten außer Erfahrung jede Sekunde volle Konzentration und Übersicht gefragt.

Aber auch die Teilnehmer in den jüngeren Autos der rund 380 Teams konnten – besonders in Umbrien und in der Toskana – die wunderschöne Landschaft kaum genießen, denn hier lauerten die meisten der geheimen Kontrollen und Zeitprüfungen und die haarigsten Kurven und Kuppen der “Historischen Mille Miglia”, der längsten und wichtigsten Gleichmäßigkeitsrallye der Welt.
“Jede Rennstrecke ist heimtückisch,” wusste schon Enzo Ferrari – für die Mille Miglia gilt dies erst recht. Auch wenn die Mile Miglia heute kein Straßenrennen mehr ist, wie sie bis 1957 stattfand. Teilnehmen können heutzutage nur Fahrzeugtypen, die mindestens einmal an den legendären 1.000 Meilen zwischen 1927 und 1957 offiziell mitgefahren sind.

“Ladies in red”: Das Damenteam Hildegard Wortmann/ Heike Schneeweis wurde nach 1.000 Meilen auf ihrem BMW 328 Roadster auf Rang 160 klassifiziert

2012 standen mehr als 50 verschiedene  Automarken am Start in Brescia. Die technische Abnahme auf der zentralen Piazza della Loggia war wieder einmal ein Augenschmaus für Tausende begeisterter Besucher, Autofreaks  und Aficionados aus aller Welt. Und natürlich für attraktive Signoras und solche, die das von sich glauben und versuchten, mit den Auftritten der vielen raren Edelkarossen aus Milano, Turin oder Modena zu konkurrieren.

Das aufregendste Parfum auf der Piazza war jedoch ein Mix aus Benzoldunst, Rennöl und Abgasen.

Das Schönste am Event: Hier starten genauso Diesel-Pontons von Mercedes wie DKW aus dem Hause Audi, ein seltenes Monza Coupé – es wurde schließlich mit Peter Hudek am Steuer als 231ster klassifiziert – und eine schwarze 3=6-Limousine.

Viele tausend Zuschauer erlebten entlang der Strecke bei strahlendem Sonnenschein eine faszinierende Parade der schönsten und schnellsten Renn- und Sportwagen der 30-jährigen Epoche der Mille Miglia. Wahren Eventcharakter haben alljährlich die Passagen durch die historischen Innenstädte von Verona, Siena oder Florenz.

Ulrike Müller und Elisabeth Pötsch brachten Ihren Porsche 356 Speedster von 1955 trotz Ärger mit der Antriebswelle auf Rang 370

Das Team Claudio Scalesi und Daniel Claramunt aus Argentinien sicherte sich schließlich auf einem Alfa  Romeo 1500 GS Zagato von 1933 den Gesamtsieg. Der schnellste Rennwagen im Feld, der Mercedes 300 SL mit Jochen Mass am Steuer, konnte sich am Ende dagegen leider nicht klassifizieren.

Bestes deutsches Team wurden auf Rang 23 Horst Keil und Gino Perbellini auf Jaguar Biondetti Special aus dem Jahre 1950. Von den teilnehmenden Prominenten erreichte Sternekoch Johann Lafer auf einem Jaguar C von 1954 nur  Rang 254. Etwas besser machten es Prinz Leopold “Poldi” von Bayern auf einem BMW 328 (Rang 140) und Ex-Rennrodler Schorsch Hackl – ebenfalls BMW 328 – auf Rang 231. Der schnellste Werkskäfer 1/11 von 1956 erreichte mit der Besatzung Michael Macht  (VW-Vorstand) und Copilotin Birgit Priemer Rang 148.

Bilder: Jürgen Mügge-Luttermann

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