Gamer-Kolumne “Grand Turismo”

Sehr witzig, die Kreativen von Gran Turismo.

Ok, die mittlerweile fünf erschienenen Versionen gehören zu den besten Autorennspielen überhaupt. Und ich liebe sie! Auch werden sie offiziell als Rennsimulationen gehandelt, aber die Behauptung, dass die Spiele den Gamer auf die echten Rennstrecken vorbereiten, finde ich doch sehr weit her geholt. Jungs, glaubt ihr denn wirklich, dass ein ausbalanciertes Gameplay und die perfekt nachgebauten Strecken eine Rennfahrerin aus mir machen?

Ich muss es zum Glück nicht ausprobieren, das hat mein ehemaliger Kollege Michael gemacht. Der Computer-Redakteur stellte sich einem Race Duell am Nürburgring – das Video ist bei Youtube zu finden. Michaels Gegner ist der versierte Nordschleifen-Bezwinger Jörg. Dieser verliert zwar den ersten Test an der Konsole mit zweieinhalb Minuten Rückstand, wird es Michael auf der echten Rennstrecke aber mehr als heimzahlen.
Der Redakteur darf als erstes ran. Er kennt die Strecke durch mehr als hundert Fahrten auf der Konsole wirklich gut, doch das nützt ihm trotzdem wenig. Die Spitzengeschwindigkeiten des Nissan GTR von mehr als 300 km/h traut er sich in den zwei Runden nicht annähernd auszureizen. Dafür wird er jeden Meter blasser um die Nase, guckt wie ein Pferd mit Scheuklappen nur geradeaus und schwitzt dabei den kompletten Fahrersitz voll. 

Praktiker Jörg gibt ihm anschließend bei seinen Runden dann mitleidslos den Rest. Der Nürburgring hat nicht umsonst den Spitznamen „Grüne Hölle“ und wird als „härteste Rennstrecke der Welt“ gehandelt. Jörg knallt nur so durch die engen und unübersichtlichen Kurven und sowohl seine Verzögerungen als auch die Beschleunigungen wirken so hart, als säße er an der Konsole. Wenn ich Michael da auf dem Beifahrersitz sehe, wie er sich zusammenreißen muss, tut er mir wirklich leid. Es ist kaum zu glauben, dass Jörg immer wieder lässig auf den Beifahrersitz schauen kann.
Die zweite Runde muss ausfallen – Michael kann nicht mehr. Der Dialog danach ist einfach göttlich. Jörg: „Machst du dir hier eine Badewanne, oder was?“ Michael: „Du hast mich kaputt gemacht.“ „Is’ n anderer Schnack, nä?“ „Völlig anders. Ich bin durch.“ – Mein bisheriges Dauergrinsen erreicht mit lautem Gelächter den Höhepunkt.
War wohl nix von wegen Rennfahrer durch Grand Tourismo. Gerade am Nürburgring habe ich schon einige Leute gesehen, die sich die Strecke noch einmal durch den Kopf gehen ließen oder sogar ohnmächtig wurden. Es gibt also Gründe dafür, warum Rennfahrer nicht auf Konsolen, sondern auf echten Rennstrecken trainieren. In der Formel 1, den GT-Masters, der VLN (und wie sie alle heißen) wird dem Fahrer eben mehr abverlangt, als den Streckenverlauf zu kennen. Die Jungs und mittlerweile viele Frauen wie Sabine Schmitz, die wirklich coolste Socke unter den Race-Ladys, müssen einiges aushalten.
Im sicheren Gamer-Cockpit merke ich nichts von tückischen Kurven und zerrenden Fliehkräften, auch mit den gemeingefährlichen Höhenunterschieden der in der Eifel liegenden Nordschleife hab ich nichts am Hut. Allerdings gibt es eine Menge Hobbyrennfahrer, die sich vor dem echten Nordschleifen-Run die Kurvenkombinationen dank Grand Tourismo ins Gedächtnis zurück rufen.

Aber für mich, liebe Gran-Turismo-Macher, hat Eure Rennsimulationen mit der Realität nicht viel zu tun. Ohne Praxis und Rennlizenz wird aus mir keine Rennfahrerin.
Aber schön wäre es gewesen.

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