So redest du nicht mit mir!

avatar_6Ein Auto, das mit einem spricht, kennen wir seit der Fernsehserie „Knight Rider“, in der sich David Hasselhoff mit K.I.T.T. austauschte, einem Pontiac Firebird Trans Am. Wie wünschenswert ist ein quasselnder Wagen wirklich?

„Er kommt – Knight Rider – Ein Auto, ein Computer, ein Mann. Knight Rider – Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht.“ Ein schwarzer Wagen erscheint am Horizont und nähert sich frontal, er zieht eine Staubwolke hinter sich her, der Himmel leuchtet grün, an der Front des Fahrzeugs blinkt es rot wabernd in einer Lichtleiste. Sollte man die Serie damals aus Überzeugung nicht gesehen haben, kann man sich heute mit Absicht umfassend darüber informieren, dass der Wagen über alle möglichen unmöglichen Fähigkeiten verfügte, wie etwa den „Anharmonic Synthesizer“, der es der Kiste ermöglichte, Geräusche und Personen nachzuahmen, einen „Silent Modus“ oder den „Microjam“, mit dem er „andere elektronische Geräte beeinträchtigt“ (wie Autos). Dazu verfügte K.I.T.T. über CO2-, Sauerstoff- und Öldüsen, ein „Emergency Braking System“, einen eingebauten Geldautomaten, Enterhaken, unsichtbare Sicherheitsgurte, und so weiter und so fort. In Erinnerung geblieben ist dem Unkundigen jedoch nur: Michael Knight war ungefähr so uncool wie der Ziegenpeter aus der Zeichentrickserie „Heidi“, der schwarze Wagen hässlich wie die Nacht – und beide sabbelten zuviel. Wenn sie weiter voneinander entfernt waren, sogar über die Armbanduhr, die Michael trug.

Gleichwohl muss man anerkennen, dass die Fernsehserie eine Ahnung davon verbreitete, was uns erwartete. Bis zum Enterhaken haben es die modernen Autos nicht gebracht, was aber die Kommunikation angeht, setzten es sich die Autohersteller in den Kopf, ihre Produkte zum Sprechen zu bringen. Spracherkennungssysteme werden angeboten, Navigationssysteme belästigen uns akustisch, und im Januar wurde auf der Gadget-Messe CES in Las Vegas die neue E-Klasse von Mercedes präsentiert – ausgestattet mit Apples Spracherkennungssoftware „Siri“. Sprich, man schließt sein iPhone an, und schon steht der Verständigung zwischen Mensch und Maschine nichts mehr im Wege.

Träumen wir wirklich davon, dass ein kluges Fahrzeug uns versteht, uns zuhört und das Richtige zu entgegnen weiß? Vielleicht. Nichts stopfte mir zumindest mehr das Maul als eine Episode, die sich neulich in einem sehr neuen Auto zutrug, das ich fahren durfte. Ich kurvte mit dem Fahrzeug durch den dichten Verkehr der Innenstadt, und wie es immer so ist, kam mir irgendwann ein Blödmann in die Quere. Und was macht man dann? Natürlich fängt man an zu brüllen und schlägt auf das Lenkrad mitsamt aller darauf befindlichen Knöpfe. Und was passiert? Über in meine Schimpfkanonade voller F- und S-Wörter hinweg erklang plötzlich eine freundliche Frauenstimme: „Wie bitte?“ fragte sie höflich, vielleicht sogar mit einem leicht indignierten Tonfall. Ich verschluckte den Rest einer wirklich schmutzigen Beleidigung und schwieg. Darauf gab es keine Antwort. Das ist also die Zukunft.

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