Kaufberatung Audi 200 5T – Luxuriöser Dampfhammer

Mit dem Audi 200 5T legte die Marke mit den vier Ringen endgültig die Hosenträger ab. Auch heute, gut 30 Jahre nach Markteinführung der Luxuslimousine, ringen einem die Fahrleistungen ein ehrfürchtiges “Oha” ab, sobald der Turbo-Schub einsetzt. Leider werden die 200er selten wie die Blaue Mauritius, denn Rost hat fast alle dahingerafft

Kaufberatung Audi 200 5T

Unser Referenz-200er ist in Sachen Rost ein Paradebeispiel für eine Kaufberatung. Erst recht zu diesem Modell – denn blechmäßig ist dieser Audi 200 5T praktisch an allen Stellen durchgerostet, an denen es bei dieser Baureihe möglich ist. Die außerordentliche Korrosionsanfälligkeit mag etwas erstaunen, weil Audi im Jahr 1979 das Rostproblem erkannt zu haben schien und beim Typ 43 erstmals eine sechsjährige Garantie gegen Durchrostung einführte. Da hätte man erwarten können, dass die Rostvorsorge entsprechend besser geworden wäre, trotzdem sind die Autos wenige Jahre nach Ablauf dieser Frist reihenweise den Rosttod gestorben.

Auch ein paar Elektrikmacken unseres Hightech-Luxusgleiters sind typisch für das fortgeschrittene Alter. Genauso typisch ist allerdings auch, dass der unverwüstliche Fünfzylinder immer noch zieht wie ein Bulle, dem man ein rotes Tuch vor Augen hält. Die nachdrückliche Beschleunigung sucht schon ihresgleichen in dieser Fahrzeugklasse – daran ändert nicht einmal die Automatik etwas, nein, sie passt sogar sehr gut zum Wagen. Denn wenn der Lader genügend Druck aufgebaut hat, ist der Wandlerschlupf längst passé, und man kann ohne Zugkraftverlust bei Schaltvorgängen bis zur Spitze von über 200 km/h durchbeschleunigen. Beim handgeschalteten 5T ist Tempo 100 aus dem Stand in 8,6 Sekunden erreicht, die Automatik-Variante genehmigt sich hier nur wenig länger. Die auch heute noch beeindruckenden Fahrleistungen resultieren nicht zuletzt aus einem Leergewicht von lediglich 1.260 kg (heute wiegt sogar ein VW Scirocco mehr).

Kaufberatung Audi 200 5T

Das Faszinierendste am 200 5T ist allerdings nicht, dass er so schnell beschleunigt, sondern wie er das macht. Das Erlebnis lässt sich tatsächlich am ehesten mit einem Jet-Start vergleichen. Stempelt man das Gaspedal aufs Bodenblech, passiert – nichts. Nach einer kurzen Gedenkpause nimmt die Fuhre dann sehr sanft Fahrt auf, um bei Erreichen von um die 3.000 Umdrehungen umso ungestümer nach vorn zu preschen, als gäbe es kein Morgen mehr. Vor allem auf regennasser Straße ist der Frontantrieb dann hoffnungslos mit der Leistung überfordert, der Vorderwagen, dessen Spitze in den Himmel zu weisen scheint, führt einen wilden Veitstanz auf dem Asphalt auf. Und der Pilot hat alle Mühe, die tobende Bestie unter Kontrolle zu halten. Man würde jetzt wirklich damit rechnen, dass als nächstes der “Take-off” folgt.

Ganz klar: Der 200 5T war das erste Auto aus dem seinerzeit noch “V.A.G.” benannten Konzern, das sich der damalige Audi-Technikchef Ferdinand Piëch selbst gebaut hat, so wie er es später mit dem Audi V8 und dann bei VW mit dem Phaeton auch wieder tat. Sonst hat er sich die Marken einfach gekauft, die Autos nach seinem Geschmack bauen sollten – Bentley und Bugatti. Und immer haben ihn die Kritiker belächelt, wenn Piëch zunächst abwegig erscheinende Vorstellungen äußerte, was er mit einer Marke vor hatte – beispielsweise Seat gegen Alfa positionieren – oder eben Audi vom “Onkel-Auto-Image” zu befreien und in der Oberklasse zu positionieren.

So wäre also auch der 200 5T ohne den gewieften und technikvernarrten Österreicher mit Wurzeln in der Porsche-Dynastie nie entstanden. Der 200 war die erste Baureihe, mit der Audi den Angriff aufs Oberhaus überzeugend unternahm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code