Ein Cabrio für alle Tage

Kaufberatung Mercedes SL (R129)

am0914_kaufberatung_mb_03

Für all dies verfügt der R129 über diverse elektronische Steuergeräte und Stellmotoren. Sie sind die eigentliche Achillesferse des Wagens, denn tatsächlich streiken die Komfort- und Sicherheitseinrichtungen bei den in die Jahre gekommenen Fahrzeugen gelegentlich. Ersatz ist zwar für alles zu bekommen, allerdings zu gepfefferten Preisen. Die Kosten können jedoch auch schon bei der Fehlerdiagnose durch die Decke gehen, wenn beispielsweise schwierig aufzuspürende Kabelbrüche vorliegen. Auch waren die Auslesemöglichkeiten von einigen Fehlerspeichern in der Vor-OBD2-Zeit nur sehr rudimentär ausgebildet, sodass sich längst nicht jede Störmeldung auf dem Laptop in Klarschrift anzeigen lässt. Ein teures Auslesegerät kann man sich bei den frühen Jahrgängen ganz sparen – hier genügt eine LED mit kurzen Kabeln, die man in den Servicestecker steckt, um Fehler-Blinkcodes abzufragen. Manchmal streiken auch Komponenten der Komfort-Mechaniken wie beispielsweise der komplexe elektrohydraulische Verdeckmechanismus. Auch da sind Reparaturen richtig teuer.

Ziemlich entspannt sieht die Situation beim Antriebskapitel aus. Hier kam durchweg aus den Limousinen bewährte Großserientechnik zum Einsatz – anfangs waren es Sechs- und Achtzylindermotoren, die schon in der E-Klasse W124 und der S-Klasse W126 Dienst taten, später kamen modernere Aggregate der S-Klasse W140 bis zum Zwölfzylinder im SL600 unter die Haube, und aufgrund seiner 13jährigen Produktionszeit übernahm man ab 1995 auch die Benzinmotoren der damals neuen S-Klasse W220. Eine Sonderstellung nahmen die ab dem Jahr 1993 lieferbaren AMG-Modelle SL 60 AMG beziehungsweise von 1999 bis 2001 der SL 55 AMG und der SL 73 AMG ein.

Letzterer entfesselt 525 Pferdestärken auf der Straße und ist dazu angetan, sowohl in der Anschaffung wie bei den Wartungskosten und auch beim Verbrauch die Brieftasche eines Durchschnittsverdieners ungefähr in der gleichen (kurzen) Zeitspanne zu entleeren, die er für den Sprint von 0 auf 100 benötigt: Diese ist mit 4,9 Sekunden angegeben, während ein nahezu gewöhnlicher und ebenfalls nicht untermotorisierter SL 600 dafür ganze 6,1 Sekunden braucht. Sparsamer ist allerdings auch der nicht. Ob man so viel Power in einem Cabrio wirklich braucht, oder ob es nicht auch ein seidenweich laufender 300er mit dem etwas antiquierten Zweiventilaggregat (M103 E30) sein darf, ist letztlich Geschmackssache. Der beste Kompromiss ist womöglich der bullige 500er mit V8-Zylinder, für den sich auch die deutliche Mehrheit der Neufahrzeugkäufer entschied.

am0914_kaufberatung_mb_04

Natürlich wurde der SL in seiner langen Angebotszeit auch sonst vielfach überarbeitet, wobei hauptsächlich zwei große Modellpflegen (im Mercedes-Jargon MOPF 1 und MOPF 2 genannt) zu erwähnen sind. Die erste bescherte dem SL im September unter anderem neu gestaltete Front- und Heckstoßfänger, einen neuen Kühlergrill, Xenonscheinwerfer und bichromatische Rückleuchten sowie neue Leichtmetallräder, um nur die augenfälligsten Änderungen zu nennen.

Bei der zweiten Modellpflege im April 1998 fielen die optischen Änderungen geringer aus. Die Außenspiegel waren seither im SLK-Design gehalten, die Rückleuchten haben nur noch drei Rillen und sind jetzt monochrom gehalten, die Auspuffrohre sind jetzt oval. Außerdem gab es jetzt abermals ein neues Felgendesign im 17-Zoll-Format, unter dem auch eine überarbeitete größere Bremsanlage Platz fand, die Karosserieanbauteile sind jetzt in Wagenfarbe lackiert. Technisch sind vor allem die neuen V6- und V8-Motoren mit Dreiventiltechnik erwähnenswert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code