Das Beste aus zwei Welten

Porsche 911 Turbo (930) und Shelby GT350

Pony Car mit Cobra unter der Haube
An Bord des Mustang stellt sich trotz Kriegsbemalung sofort das Heavy-Metal-Gefühl ein. Hinter dem dünnen Dreispeichenlenkrad des Pony-Cars lümmelt es sich lässig mit Blick auf eine unendlich lange Haube mit serienmäßiger Lufthutze. Entspannt bollert man dahin und lauscht dem Tremolo des 289 Kubikinch großen Cobra-V8, so dass selbst hierzulande die Landstraße kurzerhand zum Highway wird. Doch schon der nächste Ampelstopp könnte theoretisch der Startpunkt für ein spontanes Beschleunigungsduell sein…
Caroll Shelby gelang das Kunststück, die Gene der giftigen Cobra mit einem wilden Mustang zu kreuzen und somit ein für US-Verhältnisse außergewöhnlich bissiges Wesen zu kreieren. 1966 stoppte das US-Magazin „Car and Driver“ einen serienmäßigen 1966er Shelby GT 350 mit 6,6 Sekunden für den Sprint von null auf 60 Meilen pro Stunde. Die Viertelmeile knackte der Wagen trotz Automatikgetriebe in nur 15,2 Sekunden und einer Endgeschwindigkeit von satten 150 Stundenkilometern. Die Topspeed betrug 188 Kilometer pro Stunde.

Leider wurde der Fahrzeugbestand durch exorbitante Vollgasorgien schnell und besonders für die Versicherer schmerzhaft dezimiert. Der Autoverleiher Hertz schaffte 1966 für seine Mietwagenflotte satte 1.001 GT 350-Modelle an – ein eigentlich kluger Schachzug, um den nachgeschärften Mustang potenziellen Käufern näher zu bringen. Mindestens 25 Jahre alte Hertz-Sports-Car-Club-Mitglieder durften die 306 PS starken Fastbacks mieten. Der damalige Kurs: faire 17 Dollar pro Tag und weitere 17 Cent pro Meile.
Tatsächlich litten die Fahrzeuge mit dem zusätzlichen Buchstaben H für Hertz extrem, denn nicht wenige Kunden nahmen den Slogan „Rent-a-Racer“ all zu wörtlich. Sie nutzten die Trackqualitäten aus, missbrauchten den schnellen Shelby als Rennwagen fürs Wochenende oder liehen sich kurzerhand den Cobra-Triebsatz für ihren Rennwagen aus.

Stolze Besitzer mit gutem Geschmack: Hans-H. Simering und Leo Graw sind bekennende Oldtimerfreunde

Prädikat wertvoll
Nach heutigen Maßstäben verdienen sowohl der Shelby als auch der Porsche eindeutig das Prädikat Vintage. Der Mix aus ihrem kantigen Charakter und dynamischem Potenzial macht an. Was die Wertentwicklung angeht, schossen beide Typen in den letzten Jahren förmlich durch die Decke. Überschaubare Produktionszahlen sorgen dafür, dass Sammler inzwischen weltweit auf Einkaufstour gehen, um sich ein gutes Exemplar zu sichern. Während man für einen guten Shelby mit bis zu 150.000 Euro rechnen muss, hat der Porsche 930 in Bestform bereits die 200.000er-Marke geknackt.

Autor: Lars Jakumeit
Fotograf: Günter Poley

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code