Noch deutscher als deutsch

67er Rekord C-Limousine der Karosseriebaufirma Karl Deutsch

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Das dünne Zweispeichenlenkrad möchte so sanft wie möglich geführt werden, federleicht und somit nicht besonders präzise reagiert die Lenkung. Das ist fast amerikanisch.

Der Aufschnitt allerdings nicht. Den hat Deutsch gemacht – nicht ohne die Karosserie mit ein paar Verstärkungen zu versteifen, schließlich fehlt mit dem Dach ein wichtiges stabilisierendes Teil. Die Schweller sind breiter als in der Serienlimousine, die B-Säulen verstärkt, genauso wie die Bodenbleche unter den Sitzen. Normalerweise befindet sich im Deutsch-Rekord ein Quer-Rohr unter dem Armaturenbrett zur weiteren Festigung, unser Exemplar hat das nicht – niemand weiß, warum das hier so ist.

Trotzdem macht das Auto einen ausreichend stabilen Eindruck. Weil alles so leicht und weich zu bedienen und das Temperament des Oldies durchaus begrenzt ist, kommt gar nicht der Gedanke auf, mit dem Rekord sportlich aufzutreten. Der Deutsch-Opel ist ein Cruiser, in den sogar fünf Erwachsene passen. Die drei im Fond kuscheln auf einer großen Sitzbank, zu zweit allerdings fällt man in Kurven unweigerlich um (die fehlende Sicherheit bei aufgeschnittenen Autos war ein anderer Grund, warum es nicht so viele Fans davon gab). Aber der Auftritt ist es wert. Und sollte das Wetter mal verrückt spielen, ist das Dach zu zweit in wenigen Sekunden befestigt. Normalerweise liegt es unter einer Persenning und fühlt sich da sehr wohl.

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Und was hat der Karl Deutsch GmbH das Genick gebrochen? Wie so oft: neue Ideen anderer. Zum Beispiel die selbsttragende Karosserie. Trotz neuer Konstruktionen wie etwa offene Borgward-Isabella-Modelle

(immerhin rund 1.000 Cabrios wurden es) oder die des Opel Rekord, wurde das Überleben immer problematischer. Als schließlich ein geöffneter Ford Capri ein Flop wurde und ein dickes Spaniengeschäft vermutlich aus politischen Gründen scheiterte, musste Deutsch schließen. 1972 war Schluss.
Geblieben sind ein paar sehr deutsche Wagen…

Technische Daten

Opel Rekord C 1700 L „Deutsch“ Cabriolet
Baujahr: 1967
Motor: Vierzylinder
Hubraum: 1.698 cm3
Leistung: 75 PS bei 5.200/min
Max. Drehmoment: 127 Nm bei 2.700/min
Getriebe: Viergang-Handschalter
Antrieb: Hinterräder
Länge / Breite / Höhe: 4.574 / 1.754 / ca. 1.460 mm
Gewicht: ca. 1.060 Kilo
Beschleunigung 0-100 km/h: ca. 18 Sek.
Top-Speed: 148 km/h
Preis 1967: ca. 11.670 D-Mark
Wert heute: ca. 40.000,- Euro

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Text und Fotos: Roland Löwisch

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