E – wie eigensinnig

Jaguar E auf der Nordschleife

Jaguar E auf der Nordschleife

Klassiker sind wie Diven: teuer, laut und unberechenbar. Kein Grund, sich nicht auf die Königsdisziplin mit ihnen einzulassen: die Oldtimerrennerei. TRÄUME WAGEN erklomm den Schalensitz im Renn-Jaguar E des Meilenwerks und versuchte, einen Stint des Historic Marathon beim Oldtimer Grand Prix auf der Nordschleife zu bewältigen

Es ist dieses Geräusch, das einem sagt: Das war’s. Dieser brutale mechanische Seufzer, wenn Metall Metall zerstört. Dazu die hässliche Ölwolke, die wie aus einem plötzlich geöffnetem Ventil bläulich in den Passagierraum dringt, um noch einmal zu unterstreichen: Das war’s.

Wie, ich greife vor? Verzeihung. Das war nicht meine Absicht. Aber solche Geräusche vergisst man nicht so schnell. Sie sind das Letzte, was man erleben will. Doch der Reihe nach: Eigentlich war das Vorhaben genial.

Tanken auf die einfache Art: Das geht per Kanister und Trichter. Damit der Jaguar E-Type auch im alten Fahrerlager des Nürburgringes eine gute Figur macht Tanken auf die einfache Art: Das geht per Kanister und Trichter. Damit der Jaguar E-Type auch im alten Fahrerlager des Nürburgringes eine gute Figur macht

Tanken auf die einfache Art: Das geht per Kanister und Trichter. Damit der Jaguar E-Type auch im alten Fahrerlager des Nürburgringes eine gute Figur macht

Und die Idee von Martin Halder. Halder ist Chef der Meilenwerk AG, die in Deutschland und in der Schweiz diverse „Foren für Fahrkultur“ plant und betreibt. Orte, an denen sich Oldtimerfreunde treffen, ihre Fahrzeuge langfristig parken, reparieren lassen können etc. Und seit kurzem existiert das „Meilenwerk Historic Racing“, eine Gentlemen-Fahrergemeinschaft, die sich bei Klassiker-Treffen wie dem Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring in einem Zelt versammelt, Erfahrungen austauscht und gemeinsam verliert und gewinnt. Logisch, dass Halder dazu selbst mit einem Klassiker antreten muss: Dafür hat er sich einen Jaguar E, Baujahr 1963, gekauft. Voll ausgerüstet mit allem, was der FIA-Anhang K für Oldtimerrennen verlangt: Käfig, Schalensitze, Mehrpunktgurte, Feuerlöscher und so weiter. Mit dem ist er ein paar Bergrennen gefahren, aber noch keine Rundstrecke.

Der 3.8-Liter-Motor ist etwas gestärkt – mit scharfer Nockenwelle, drei Weber-Doppelvergasern und Fächerkrümmer wuchtet er 300 PS auf die Kurbelwelle. Bei einem Fahrzeuggewicht von rund 1.100 Kilo verspricht das Spaß ohne Ende. Und dann ruft Halder an und fragt, ob ich neben ihm und dem Ringtaxifahrer und Branchenkenner Jörg Bratke von Bergen als dritter Mann seinen E-Type beim 210 Minuten dauernden Historic Marathon während des Oldtimer Grand Prix ein paar Mal um die 73 Kurven der Nordschleife wuchten will. Was für eine Frage – hätten Sie abgelehnt?

Eben. Der ersten Euphorie allerdings folgte Ernüchterung. Denn von vier mir selbst gestellten Fragen musste ich drei verneinen: Erstens: Hast Du eine Rennlizenz? Na klar, bei VW Motorsport im Frühjahr nach vielen Jahren Pause erneuert. Zweitens: Hast Du die nötige Ausrüstung, natürlich FIA-genehmigt? Nein. Drittens: Kennst Du das 80.000-Euro-Auto? Äh, nein. Und viertens, die vielleicht wichtigste Frage: Kennst Du die Nordschleife?

Skepsis ist bei Oldtimerrennen immer angesagt, wie bei Autor Roland Löwisch vor der Qualifikation. Denn nicht immer halten die Autos, was sie versprechen... Jaguar E auf der Nordschleife

Skepsis ist bei Oldtimerrennen immer angesagt, wie bei Autor Roland Löwisch vor der Qualifikation. Denn nicht immer halten die Autos, was sie versprechen…

Blöde Frage – wer kennt sie schon? Vielleicht alle, die in der Gegend wohnen. Und Profis wie Röhrl, Stippler, Mass, Blomqvist. Wobei ein Blick in die Meldeliste zeigt, dass die alle mitfahren. Na klasse. Und Halder sagt auch noch: „Das ist keine Kuschelveranstaltung.“

Ich habe mich da in eine ernste Lage gebracht. Egal, Augen auf und durch: Ich kaufe feuerfeste Unterwäsche, Rennschuhe, Balaklava, Handschuhe, alles selbstverständlich mit der FIA-Norm 8856-2000. Den Overall bekomme ich vom Meilenwerk-Team, Helm samt HANS – Kopf- und Nackenschutzsystem – leihen mir die Jungs von VW Motorsport in Hannover.

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