Obercool in Oberhausen, Tag 2
Rendezvous mit Grabber Blue, Teil 2
Die N8 war kurz, einerseits, weil ja die ersten Bilder online gehen sollten (ich habe bis Mitternacht gesessen, alles für Sie), andererseits, weil die schon früh scheinende Sonne durch die Hotelfenster flutet und unseren unermüdlichen Redakteur aus dem kurzen Schlaf kitzelt! Heute ist Tag 2 des US-Car-Treffens auf dem Vorplatz des Centro in Oberhausen, und heute ist Sonntag. Das bedeutet, dass hier vor Ort nicht die vielen Shopper sind, die ihre Einkaufstüten an den Flanken der Autos entlangschrabbeln, sondern die echten Fans. Die, die extra heute hier her gekommen sind. Und auch heute sollten sämtliche Rekorde gebrochen werden!
Aber zunächst muss ja das Gelände erreicht werden. Den Mustang habe ich gestern stehen gelassen, zu groß war die staunende die Menschenmenge um ihn herum und zu kurz der Weg ins Hotel. Na okay, 3 Kilometer. Und heute Morgen geht es weder zu den Jungs vom Metal-Konzert (die Fans hingen auf der Brücke im Hintergrund ab, heute zeugen davon noch diverse Bierflaschen) noch in die kleine Pizzaria. Keine Zeit. Keinen Musikbedarf. Keinen Hunger. Ich muss arbeiten.
Arbeiten heißt heute, am heiligen Sonntag vor allem eins: Ihre Fragen zum Mustang und zu unserem Magazin TRÄUME WAGEN beantworten und – mit dem Verteilen der Magazine nicht sparsam sein. Denn Sie sollen ja auch mal anfassen können, was Sie vielleicht gleich im Anschluss abonnieren werden. Also, ich meine jetzt das Magazin. Das Auto meinetwegen auch. Mich nicht. Die ersten Interessenten kommen schon zuhauf und pendeln durch den sonnendurchfluteten Stand, den wir uns mit der Firma Velocity Parts teilen. Die TRÄUME WAGEN ist ja ganz schön dick, man merkt das vor allem, wenn man davon eine ganze Palette in Einzelpaketen über den Platz schleppt…
Mustang und Performance bis zum Horizont. Ich mache mich mal auf eine erste Runde, Kaffee holen und schauen, was sich sonst noch so auf dem immer voller werdenden Platz tummelt. Überall blubbern großvolumige V8 Motoren, hier und da wird noch ein bisschen poliert und rangiert, die Frisur gestyled, das Röckchen gezupft und die Koteletten gebürstet. Und als die Kirchenglocken das Ende der Messe einläuten kommen auch die letzten Gläubigen vors Centro. Rock on.
Dr.Mustang hat zwar die Ponies gerufen – die Artenvielfalt ist aber genau wie gestern unübertroffen! Von wegen nur Mustangs. Von wegen nur Ford. Auch wenn die Marke mit der blauen Pflaume sehr präsent ist, finden sich gut gemischt in den Reihen immer wieder auch andere Schmuckstücke aus allen Epochen der amerikanischen Automobilbaukunst.
Alt wie neu, gepflegt wie poliert, kantig und glattgelutscht, original und verspoilert. Alles ist wieder da, und die Zuschauer bekommen das Gefühl, dass es noch viel mehr als gestern werden könnten. Sie Sonne spiegelt sich verführerisch im Chrom, der blaue Himmel kontrastiert sagenhaft. Und Burgerking hat noch geschlossen, wo bekomme ich denn jetzt meinen so dringend benötigten Kaffee her?
Geht Ihnen das auch manchmal so, dass Sie in der Vergangenheit Fahrzeuge echt schlimm fanden und heute nicht ganz ohne Interesse um die gleichen Autos rumschleichen? Ich hatte so einen Pontiac Trans Am als Modellauto und fand ihn immer sehr unsportlich und kantig. Hm. Liegt das denn nun an meinem Kaffeedurst oder meiner Altersmilde, heute hat er eine nicht zu verachtende Attraktivität. Klasse.
Allein in den Ställen der Ponies gibt es unfassbar viele Ausstattungen, Modellreihen und Cockpits. Und nicht jeder hat sie original belassen, so dass man sich als Autosiast gar nicht satt gucken kann. Und durstig. Ich muss sehr schlimm ausgesehen haben, die Veranstalter am Dr. Mustang Stand winken mich zu sich und ich bekomme einen herrlich frischen, leckeren Milchkaffee präsentiert. Jetzt ist der Tag schon fast ganz mein Freund.
Und der Tag ist noch lange nicht vorbei. Gazellengleich hüpfe ich zum Kofferraum unseres Verlagsponies und hole ein neues Exemplar der TRÄUME WAGEN raus, als ich ein paar Meter weiter die Neuauflage des HERTZ Mustang von 1966 sehe! Wahnsinn. Und genau so wenig original wie der Fastback in unserem Artikel, mit der gleichen Begründung wie der Besitzer Robert Willinger: “Was soll ich mir einen überteuerten, runtergerittenen Mietwagen kaufen?” Stimmt. Hauptsache cool, und das ist gelungen.
Wohl denen, die ein Cabrio haben. Da ist nach oben noch eine Menge Luft. Da der Kaffee in meinen Adern seine Wirkung tut (und Burgerking endlich auf hat) wird die Fotorunde noch ein bisschen erweitert.
Warm ist es. Voll wird es. Der Veranstalter spricht schon jetzt von über 1000 Fahrzeugen, und es werden immer mehr. Sie bullern im Schrittempo über die mit Besuchern verstopften Straßen. Wer ein Plätzchen hat, baut seinen Klappstuhl oder Grill oder beides auf und genießt erst einmal den Rummel und die neugierigen Menschen.
Endgültig gerettet ist mein Tag nach Kaffee Nummer zwei, als ich Zeuge des Gesprächs zweier Mittfünfziger aus dem Rheinland werde. Sie: “Hemma, du Reinhold, hemma hiea. Wat isn das hier auf die Haube vonne fürn Pferd, wat is dat denn, sach ma?” Reinhold entgegnet leise: “Dat isn Logo vonne Japaner, dat sind hier allet japanische Teile.” Es ist nicht überliefert, ob die beiden das Gelände lebend verlassen haben, mir tut jedenfalls noch immer die Nase weh, weil ich da Kaffee durchgelacht habe.
Ein Plymouth Belvedere!!!! *hach* über ein vergleichbares Modell, den Fury, werden wir beizeiten noch einen Artikel im Magazin bringen. Eigentlich könnte man hier über jeden zweiten Wagen eine Geschichte erzählen, aber das sprengt den Rahmen doch erheblich. Aus der Ferne klingen Steel-Guitars, nanu? Wilder Westen? Hier?
Da steppt das TANZbein fast unwillkürlich. Meine Musik ist das nicht so ganz, aber sie passt hier dazu wie der Hut auf den Kopf! Und sie macht Spaß. YIIIHAAAA! Später werden noch fröhliche Damen in roten Kleidern mit schwarzen Punkten drauf den Rock’n Roll zelebrieren. Ich sag ja – für jeden was dabei. Die Jungs von Velocity haben derweil hinter dem Stand ein bisschen BossHoss lauter gemacht, sie sind wohl auch nicht so spezialisiert auf echten Country…
Howdy, dann können die Cowboys ja auch gleich die saftigen Steaks auf den eingebauten Grill flanken. Es ist ja immer gut, wenn man perfekt ausgestattet ist. Gibt es solche Barbecue-Anlagen auch mit NOX-Einspritzung? Ich weiß es nicht. Und auch die Händler, die fliegenden wie die festen, bieten wieder ihre Ware feil. Von der alten indianischen Volkskunst bis zum T-Shirt mit eindeutiger Botschaft quer über den Bauch gibt es alles, was das Ami-Herz begehrt.
Aber zurück zu den Autos. Und ich muss auch langsam mal wieder zurück zu unserem Stand, wahrscheinlich sind schon alle Magazine vergriffen… Interessant hier ist die Menge an Farben und Formen. Keine andere Nation auf der ganzen Welt hat glaube ich verrückte und exessivere Farben in die Cockpits fließen lassen als die Amerikaner in den 50ern und 60ern.
Doch wo Licht ist ist auch Schatten. Menschen sterben. Auch in den USA. Und da auf der anderen Seite des Teichs alles ein bisschen größer ist, nimmt man an dieser Stelle auch gern einen originalen Leichenwagen mit ins Programm auf. Wow.
Und wenn Sie noch immer nicht genug haben von ausufernden Formen in Farben, die auf der Netzhaut brennen haben wir hier noch mal zwei klassische Vertreter der Branche: Einen Ford Edsel und einen Chevy Impala. Einfach mal anders sein. Das gilt hier nicht nur für die Autos, sondern auch für die allermeisten Besucher auf dem Platz.
So, und nun atmen Sie mal durch. Die hier Anwesenden nutzen dazu die Mittagssonne, lange genug mussten wir ja auf sie warten. Schlafen im Schatten oder auf der Motorhaube, auf dem weichen Rasen oder auf dem Rücksitz – jeder wie er möchte. Mein Tag ist noch lange nicht zu Ende… Ich lerne, wo der Wagenheber unseres Verlagsponies ist (weil unser Standnachbar einen Platten hat) und sehe endlich mal die Doppelauspuffanlage im Rohzustand. Wunderbar.
Zurück bei unserem Freund in Grabber Blue. Oha. Was ist hier denn los? Wo kommen die ganzen Menschen her? Nun gilt es den Spagat zu wagen zwischen online sein und mit Menschen in Echtzeit reden. Und das als Mann. Seriell, nicht parallel. Irgendwie ging das, und schon gegen 14:00 Uhr sind sämtliche TRÄUME WAGEN Magazine an den Mann und die Frau gebracht. Es waren ja nur zwei Paletten. Man scheint uns gern zu mögen.
Pimp my Ride. Sie möchten sich in den Mustang gerne mal reinsetzen, und irgendwie scheinen wir die einzigen zu sein, die das erlauben. Na klar. Uns kann man anfassen, schließlich ist der kleine Dicke in Grabber Blue ein Alltagsauto. Weitestgehend. Und er macht sich ganz wunderbar neben dem Track Day Mustang von Velocity, dessen Entstehen Sie auch jeden Monat in unserer Serie nachlesen können. In Echtzeit.
Na wann das mal nicht einer unserer jüngsten Leser ist. Papi sollte dann demnächst mal das Taschengeld erhöhen, damit er sich einen solchen Mustang dann mit 18 auch wirklich kaufen kann. Er wollte gar nicht mehr raus… Aber der Tag neigt sich dem Ende entgegen, die Sonne verdrückt sich langsam aber sicher und wir bauen dann mal ab. Oberhausen ist ein Treffen der ganz besonderen Art. Abwechslungsreich, riesengroß und irgendwie sympathisch.
Immer noch mit Countrymusik im Ohr gleite ich mit vollem Tank und leerem Kofferraum über die immer schlimmer verbaustellte A1 zurück nach Hamburg. Das waren zwei sehr coole Tage. Da wir hier nicht alle Bilder reinsetzen konnten, haben wir für Sie eine große Galerie auf Facebook veröffentlicht! Schauen Sie doch mal rein!
Und kommen Sie gut nach Hause, wo auch immer Sie gerade sind. Wir sehen uns auf dem nächsten Treffen. Oder?


































Sehr geiler Artikel. Könnte mir in den A… Beissen, dass ich nicht da war. Die paar Kilometer. Maybe next year. Gruss, Marc