Die Parksau

Frau 8

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Doris S. aus B.: Ich habe meinen Mann wirklich gern – aber wie kann ich ihm beibringen, sich nicht immer auf zwei Parkplätze gleichzeitig zu stellen?

Liebe Doris! Nichts gegen Ihren Gatten, aber er braucht ein neues Auto. Ich unterstelle ihm an dieser Stelle nicht, dass er an einer Einparkschwäche leidet, vielmehr liegt das Problem wahrscheinlich an dem übermäßigen Platz innerhalb des Wagens. Einer Studie des Forscherteams um Andy J.  Yap vom Massachusetts Institute of Technology zufolge versauen große Fahrzeug-Innenräume nämlich völlig den Charakter. Yap und sein Team ließen für den Versuch Studenten das Computer-Rennspiel „Need for Speed: Hot Pursuit” spielen, mit jeweils geräumigen und engen Autositzen. Dabei stellten sie fest, dass die Probanden mit viel Platz am Po eher dazu tendierten, nach einem Unfall Fahrerflucht zu begehen als ihre bedrängten Mitstreiter. Dazu untersuchten die Forscher in den Straßen von New York, welche Auto-Marken wie parkten – und siehe da: Je größer der Innenraum der Kraftfahrzeuge war, desto saumäßiger die Parkleistung.

Jetzt ließe sich daraus der Rückschluss folgern, dass jeder Oldtimer-Besitzer automatisch ein Charakterschwein wäre, schließlich hat man in einer alten Kiste genügend Freiraum, um seine miese Persönlichkeit zu entfalten (es sei denn, er fährt einen Fiat Nuova 500 oder eine Isetta.) Ist natürlich Blödsinn, wobei es ja nicht ganz uninteressant ist, dass das subjektive Machtgefühl auf der Straße mit einer entspannten Körperhaltung im Auto einhergeht. Genauso interessant ist es auch, was das Sitzen in einem neumodischen Automobil mit uns macht. Seien wir ehrlich: Als Kind purzelte man früher kreuz und quer über die Rückbank, baute seine Carrera-Bahn auf oder legte die eine oder andere Patience. Naja, fast. Unvergesslich aber in jedem Fall das Gefühl, nach dem Führerscheinerwerb hinter dem Steuer zu sitzen und den linken Arm locker aus dem offenen Fenster zu 
strecken oder den rechten über die Lehne des Beifahrersitzes zu 
legen.

Versuchen Sie das heute mal. Beim Versuch, allein den Ellenbogen aus dem Fenster zu hängen, kugelt man sich schon die Schulter aus, weil die Autofenster zu Schießscharten auf Augenhöhe verkommen sind. Naja, und den rechten Arm bekommt man eh nicht über die Kopfstütze des Nebensitzes gehievt. Dazu fühlt man sich in jedem modernen Wagen mit Airbags und Mittelkonsole, als klemmte man zwischen Leber und Milz eines schweren Trinkers. Die Folgen sind Platzangst, Atemnot und Nostalgie-Wahn. Aber: Man parkt wahrscheinlich wie eine Eins ein.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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