Dream on!

Frau 8

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Sabrina per Mail: Mein Freund wünscht sich einen Mustang, kauft jede verdammte US-Car-Zeitschrift.
Aber er wird nie einen besitzen! Warum hechelt er einem Traum hinterher?

Liebe Sabrina! Da steigen wir doch gleich mal ganz tief in die Materie der Sehnsüchte ein. Der griechische Philosoph Epikur unterschied zum Beispiel drei Arten von Wünschen: Als erstes hätten wir die natürlichen und notwendigen Wünsche wie eine Stulle oder ein Bier, um die Grundbedürfnisse zu stillen. Als zweites die natürlichen und nicht notwendigen Wünsche. Das wären ein Käsebrot und ein sehr kaltes Bier – eindeutig vorteilhaft, aber nicht zwingend, um zu überleben. Tja, und zu guter Letzt wären da noch die Wünsche, die weder natürlich noch notwendig sind. Epikur dachte damals zwar mehr an Statuen, die man aufstellt und weniger an einen Mustang, aber eine leise Stimme sagt mir, dass er von einem Fastback GT mit Viergang-Schaltgetriebe, Wood-Performance-Lenkrad und 4,7-Liter-V8 (289 cui) nicht so richtig viel gehalten hätte. Der nämlich fiele für ihn in die Kategorie „Braucht kein Mensch“ und sind ‚„Erzeugnisse nichtigen Wahnes’“.

Klingt für mich jetzt nicht so, als ob Epikur ein besonders lustbetonter Mensch gewesen wäre. Ob er grundsätzlich gegen das Träumen war, vermag ich nicht zu beurteilen, ich persönlich würde zu diesem Diskurs aber zwei Grundsätze aufstellen. Erstens: Der Mensch muss träumen. Würde er es nicht, würden wir noch immer auf einem Baum sitzen und Bananen pellen. Denn wo kein Wunsch ist, ist auch kein Wille. Zweitens: Es ist zwar eine feine Sache, sich Wünsche zu erfüllen, aber die schönsten Sehnsüchte bleiben doch oft die unerfüllten. Nichts ist perfekter als die Vision, die noch nicht von der Realität zerfressen wurde. In diesem Sinne können wir die Augen schließen und uns vorstellen, in den Fastback GT zu steigen und ihn anzuschmeißen. Perfekte kleine Regenwassertropfen schütteln sich auf dem schieren schwarzen Lack der Motorhaube, gleiten im Gleichmarsch über die geschwungene Fläche, verdampfen ins Nichts oder perlen in die Tiefe. 209 PS, Baujahr 1965, in „Tuxedo Black“ mit 6.627 Meilen auf der Uhr, nicht so übel. Der Motor hustet heiser vor sich hin, der Fuß senkt sich langsam auf dem Gaspedal.

Und nun öffnen wir die Augen. Die Kiste aus Kalifornien kostet 39.950,- Euro, der Lack ist von feinen Rissen durchzogen wie ein Kirchen-Fresko, aus den Kunstledersitzen quellen die Eingeweide, beim Anfahren fällt der Rückspiegel ab. Die Rostherde an der Frontscheibe glühen seit Jahrzehnten vor sich hin, und wer alles über Kanten- und Falzkorrosion wissen möchte, ist bei dieser Schese genau richtig.
Realität? Braucht kein Mensch, liebe Sabrina.
Dann doch lieber träumen.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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