Ein Traum im Schaum

Frau 8

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Wie sieht das Auto der Zukunft aus? Sitzen wir in
kleinen Würfeln, die von der NSA überwacht werden? Gibt es nur noch Fahrräder? Schön wär’s. Die Antwort ist viel 
schlimmer. Sie ist öde.

Wir schreiben das Jahr 2039. Ich steige in einen Jaguar „Project 7“ mit Elektromotor, der Name steht für die sieben Siege beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Lautlos zischt er durch die Stadt, aus der Stadt, 
auf die Landstraße. Der Wind umsäuselt den Überrollbügel und die Rückenflosse, herabgefallene Birkenblätter tanzen auf der Straße 
Ringelreihen, die Luft über dem Asphalt schillert seifenblasenheiß. Dann ist auch mal Schluss mit Ruhe. Ein Wort genügt, der Motor brüllt auf, es klingt nach 575 PS und nach Fünfliter-V8-Kompressor. Okay, der Sound kommt zwar nur aus dem Sound-Aktuator, aber wen stört das schon.

Man wird ja noch mal rumspinnen dürfen! Macht jeder, oder? Haste gedacht, nochmal fette Schnecke. Denn wenn man sich die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und der Autobörse Autoscout24 zum Thema „Unser Auto von morgen“ ansieht, die vergangenes Jahr erschien, sind Menschen ungefähr so einfallsreich wie festkochende Speisekartoffeln. Abgefragt wurden unter anderem die Erwartungen an ein Auto der Zukunft, Kosten, alternative Antriebe und Design. Was könnte man sich alles ausmalen!? Dass wir auf Käsescheiben gleiten. Avatare zum Arbeiten schicken, während wir in der Badewanne liegen und Löcher in den Schaum bohren. Oder dass sich jeder seinen Traumwagen am 3D-Printer ausdrucken kann.

Tja. Haste gedacht, fette Schnecke. 92,8 Prozent wünschen sich nämlich – „Maximale Sicherheit“. Fast 70 Prozent möchten außerdem ein eigenes Auto besitzen, das ihr Bedürfnis nach Privatsphäre erfüllt. Soviel zum Thema „Car Sharing“. Dazu hätten „zwei Drittel gern als zentrales Kriterium beim Fahrzeugdesign eine kosteneffiziente Gestaltung (62,5 Prozent)“, nur etwas über 42 Prozent finden, dass es radikal anders aussehen darf. Wie öde! Kein Wunder, dass man die Autos heutzutage kaum mehr auseinander halten kann. Doch so ticken wir Menschen eben. Ängstlich, pragmatisch, preisbewusst. Leidenschaftslos. Es ist ungefähr so, als würde ich von einem T-Bone-Steak zukünftig erwarten, dass es mich mit einer ausgewogenen Mischung von Mineralstoffen und Vitaminen B1, B6 und B12 versorgt, dass es mich nicht fett macht und ich es bloß mit niemandem teilen muss. Ach ja, und wenn es nichts kostet, wäre es auch schön, wenn kein Tier dafür leiden muss.

Da lege ich mich doch gleich in die Wanne, bohre Löcher in den Schaum und phantasiere von fliegenden Käsescheiben, vom „Project 7“ und tanzenden Blättern im Wind. Und danach gibt’s ein blutiges Steak.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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