Fahre das Wechselgeld!

Frau 8

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Manfred per Mail: Kommt es mir nur so vor – oder wird Autowerbung wirklich immer hirnloser?

Lieber Manfred! Schon möchte man ausrufen: „Ja! Alles voll schlimm heute!“. Früher überzeugten uns innovative Reklame-Sprüche wie „Fiat Panda – eine tolle Kiste“,  oder „Nur Fliegen ist schöner“ von Opel. Das hatte Geist, das hatte Esprit! Heute können wir keinen einzigen aktuellen Werbespruch nennen, weil alle Marken das Gleiche anbieten, lobhudeln und preisen. Dann hält man kurz inne, weil Denken nie schadet, kocht einen Kaffee und stöbert ein bisschen in der Geschichte der Autowerbung. Dabei entdeckt man die allererste Automobilwerbung, eine Anzeige von Carl Benz. Man schrieb das Jahr 1886, und die Slogans für den „Patent-Motorwagen“ lauteten „Keine besondere Bedienung nötig!“ und „Immer sogleich betriebs-fähig!“ Geradezu sexy in seiner Schlichtheit und kaum zu toppen, oder?

Offenbar nicht, wenn man sich die Anpreisungen der folgenden Jahrzehnte ansieht. Der Maybach 12 war „Der Welt hervorragendster Groß-Klasse-Wagen für Stadt und Reise, Repräsentation und Sport“, eine Opel-Werbung von 1926 tönte: „Versuche ihn, und du wirst staunen. Kaufe ihn, und er wird dein Stolz sein.“ Na, denn, überlegt man, da hat sich in den letzten 90 Jahren ja nicht sonderlich viel verändert. Man müsste es nur ins Englische übersetzen, schon klänge es cool und werbisch: „Try it and you will be amazed. Buy it – and it will be your pride.“ Verstünde zwar kein Mensch, aber das schert Werber ja selten. Passenderweise wurde von der Kölner Marketingagentur „Endmark” unlängst überprüft, ob Kunden die Botschaften der Autowerbung begreifen. Die Ergebnisse bewiesen mal wieder, dass der Mensch an sich doof und manchmal lustig ist: „Simply clever” von Skoda und „Simply more” von Fiat wurden noch einigermaßen erfasst, bei „Shift expectations” von Nissan übersetzte ein Befragter schlicht: „Schalte deine Erwartungen einen Gang runter“. „Defy Convention” von Mazda schnallt eh kein Mensch, weil sich Marke und Botschaft widersprechen – und aus Renaults „Drive the Change” machten zwei von drei Befragten „Nutze die Chance”. Die hübscheste Übersetzung allerdings lautete: „Fahre das Wechselgeld“.

Wäre nun hinlänglich bewiesen, dass Autowerbung heute nur noch aus Product Placement in Filmen und unverständlichen wie sinnentleerten Slogans bestünde? Nein, zumindest nicht, wenn man sich einen Reklame-Text von 1956 durchliest:
Freiluftfahren ist schon alt
Sommer Regen, Winter kalt
Familie das nun nicht mehr will!
Lösung klar: Goggomobil
Ganz ehrlich? Das ist nicht witzig. Das reimt sich noch nicht mal ordentlich. Früher war nicht alles lustiger. Aber das ist ja eine Debatte, die läuft und läuft und läuft…

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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