Der letzte Protz

Frau 8

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” -Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Eckhard G. per Mail: Ich hab da mal eine Frage: Ich suche und kaufe alte Autos, zerlege sie und setze sie eigenhändig zusammen. Ist es legitim, mit den Ergebnissen anzugeben?


Lieber Eckhard! Wie der deutsche Showmaster Robert Lembke schon sagte: „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen.“ Insofern würde ich mich genüsslich zurück lehnen, erst die eine oder andere Kühlerfigur und danach die Fingernägel polieren. Beunruhigend erscheint mir in dem Zusammenhang jedoch ein Interview, das ich irgendwann las. So behauptete darin Prof. Andreas Knie, Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, dass das Auto zukünftig kein Mittel mehr zum Angeben sei. Jugendliche müssten ihren Status in der Gesellschaft nicht mehr mit der Zahl der Zylinder darstellen, sondern mit Insignien wie Handys, Kleidung oder Musik. Zwar spiele Mobilität eine Rolle, so Knie, doch die Hauptsache sei, anzukommen. Kurz gesagt: Das Ziel wird das Ziel. Schauderhafte Vorstellung! Glaubt man Herrn Knie, gehören Sie, lieber Eckhard, zu einer aussterbenden Gattung, die es in Zukunft schwer haben wird, eine süße 19-jährige zu beeindrucken, es sei denn, ihr Haar sitzt super.

Nehmen wir zum Beispiel den Gumpert Apollo, ein Wagen, bei dessen Anblick Sie sich schütteln mögen, der aber dennoch eine Erwähnung verdient. Nicht nur, weil er wie ein Poser-Schlitten aussieht und Walter Röhrl sagte, er sei „fast Angst einflößend“, sondern auch, weil es sich um ein Ausnahmemodell einer Firma handelt, die dieses Jahr leider Konkurs ging. Das Auto ist der Knaller. Eine Karosserie aus Gitterrohrrahmen, die aus etwa 200 zusammengeschweißten Rohren aus Chrom-Molybdän-Stahl bestehen, was auch immer das sein mag. 650 PS, sequenzielles 6-Gang-Getriebe, so um die 1.200 Kilo schwer. Beschleunigt aus dem Stand in 3,1 Sekunden auf 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 360 km/h, Rundenrekord auf der Nordschleife, dritter Platz beim Divinol-Cup auf dem Hockenheimring. Eine Granate, so schnell, dass man das Atmen vergisst. Der Kopf dahinter: Der Ex-Audi-Motorsport-Chef Roland Gumpert. Und die Kiste? Sieht aus wie ein Fuchsschwanz, auf dem man behaglich herum kaute, mit Nagellack und Rennbenzin übergoss – um dann zu zünden und im Rausch zu brennen.

Mobilität? Ankommen? Spielt hier keine Rolle. Dafür liebt und zeigt man ein Fahrzeug nicht – egal, ob es sich um einen Aston Martin oder einen Apollo handelt. Autos sind Kunstwerk und Wahn, Vision und Finesse. Selten erschuf die Menschheit etwas, das so viel Können, Lust und Widersinn vereint. Ein Konstrukt, das Zerstörung bringt und Freiheit, das den Pulsschlag beschleunigt und an das man sein Herz hängt. Damit kann man schon mal angeben.
Solange es noch geht.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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