Früher war mehr Lambo

Fragen Sie Frau 8

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” -Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Jay Bee per Mail: Kommt es mir nur so vor, oder gibt es im Fernsehen keine Serien mehr mit coolen Autos?


Lieber Jay Bee! Schöne Steilvorlage, um zu greinen, dass früher alles besser war. Das Lenor-Gewissen war reiner, die Smarties bunter, die Weiten unendlicher und Fernseh-Serien cooler. Natürlich vermisse ich „Die Profis“. Jeden Mittwoch um zwanzig nach neun saß man im Schneidersitz in der Wohnstube und starrte ehrfürchtig auf die Mattscheibe, während Bodie und Doyle im Ford Capri oder Escort RS 2000 um die Ecken schleuderten. Waren die cool und schlumpig!

Oder die US-Serie „Miami Vice“, in der Sonny Crockett und Ricardo Tubbs zwischen Flamingos, Palmen und nackten Brüsten aufs Lässigste Drogenhändler, Waffenschmuggler und Geldwäscher jagten. Heute weiß man, dass Sonny Crockett eine Replika des Ferrari 365 GTS/4 fuhr, einen California Daytona Spyder – basierend auf einer Corvette und mit Ferrari-Teilen aufgebaut. Damals wusste man nur eins: Man brauchte dringend ein rosa Muscle-Shirt, einen knittrigen Leinenanzug und einen weißen Lamborghini Countach LP 500 S mit Mehrton-Hupe. Ich persönlich hatte es als weibliches Wesen einfacher, man brauchte nur einen klitzekleinen Bikini – und den Lambo. Was Fernseh-Serien alles in unseren Köpfen anstellten! Wobei mir einfällt, dass wir an dieser Stelle nicht Sascha Hehn und sein weißes Golf 1 Cabrio aus der „Schwarzwaldklinik“ unterschlagen wollen. Immerhin lehrte er uns, dass Autotüren nicht zum Öffnen und Schließen gebaut wurden, sondern nur dazu, damit Arztsohn-Ärzte sie übergrätschen.

Genug der Nostalgie. Natürlich muss man zugeben, dass die Anzahl an Serien, in denen Fahrzeuge eine wichtige Rolle spielen, abgenommen hat. Das liegt an der Veränderung der Konstruktion von Männlichkeit und den einst fix daran gelöteten Attributen wie Brusthaar, Kippe und Karre – und an der Tatsache, dass sich generell der gesellschaftliche Stellenwert des Autos wandelt. Dass die   fetten Kisten zahlreich und unverdrossen durch neue Kinofilme     fahren, steht auf einem anderen Blatt.

Klar scheinen nur zwei Dinge zu sein: Erstens war nicht alles schön. So möchte ich nie wieder „Knight Rider“ sehen müssen. Zweitens finden sich heutzutage durchaus automobile Perlen im Sumpf der Dauerdröhnung. Dazu gehört das Porsche 964 Cabriolet in der amerikanischen Serie „Californication“ mit David Duchovny. Heruntergerockt, mit nur einem Scheinwerfer, ein Fluchtwagen, eine Dreckschleuder, so verlottert wie sein Besitzer Hank Moody. Insofern – ja, die Welt geht den Bach herunter. Aber es wird immer jemanden geben, der mit einem Porsche dagegen anfährt.

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Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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