Gib Gummi

Frau 8

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Ronald R. per Mail: Ich versuchte neulich mal wieder, meiner Freundin zu erklären, wozu man einen Burnout macht. Hoffnungslos, oder?

Liebe Ronald! Vielleicht hätten Sie mal Ihrer Liebsten mit einem Zitat von Jonathan Liebesman kommen sollen, dem Regisseur von „Texas Chainsaw Massacre“. Der wurde nämlich gefragt, warum er in dem Film diese grässliche Kamerafahrt durch das geräumige Loch eines Kopfes gemacht habe – und seine Antwort lautete: „Weil es geht.“ Wahrscheinlich ist die Geschichte erstunken und erlogen, aber sie ist in meinem Hirn kleben geblieben wie die Gummireste auf dem Asphalt nach einem gelungenen Burnout. Andererseits habe ich den leisen Verdacht, dass der Hausfrieden bei Ihnen mit einer solchen Erklärung nicht unbedingt eingekehrt wäre – wobei sich Horrorfilme bei Frauen ja größter Beliebtheit erfreuen, aber das ist wiederum ein anderes Thema. Bleiben wir also beim Durchdrehen der Reifen, im Stand oder als rollende Version, dem Wheelspin. Wie ich gerade las, ist die – nennen wir es Fahrtechnik zum Erwärmen der Reifen – in Deutschland nicht verboten. Wohl aber „die damit oft verbundene Geräusch- und Geruchsentwicklung“. Allerdings frage ich mich bei dieser Formulierung, wie man einen stillen und stinkfreien Burnout hinbekommen soll – und vor allem, wozu. Ja, es muss lärmen und riechen wie in der Hölle. Das verbrannte Gummi muss auf der Nasenscheidewand brennen und sich wie nasse Asche auf die Zunge legen, der beißende Qualm sich um den Wagen schmiegen wie der Nebel des Grauens und die schwarzen Streifen den Teer zieren wie Kampfbemalung das Gesicht eines Kriegers.

Was übrigens den Geruch angeht – der ist interessanterweise auch bei Computerspielen ein Thema. Schon 2011 wurde berichtet, dass ein Unternehmen an einem Gerät basteln würde, welches bestimmte Düfte während eines Videospiels erzeugen könne. Da stelle ich mir doch sofort vor, nächtelang „Burnout Paradise“ zu spielen, um mich stapeln sich leere Pizza-Schachteln und zerknautschte Red-Bull-Dosen wie bizarre architektonische Entwürfe. Vor mir dünstet von Zeit zu Zeit ein kleiner schwarzer Kasten eine kleine schwarze Wolke aus. Ein Odeur von Benzin, ein Hauch von Gummi, ein Quäntchen Altöl. Feine Rußpartikel legen sich auf meine kalkweiße Haut, ich wanke morgens um fünf ins Bett, der Himmel färbt sich blassrosa, ich stinke wie ein Dragststrip nach einem viertägigen Event. Pervers? Ja. Aber keine ganz reizlose Vorstellung. Vor allem reizvoller als die Idee, ein beduftetes Ego-Shooter- oder Zombie-Game zu spielen. Womit wir erneut beim Horror angelangt wären. Insofern, lieber Ronald, versuchen Sie es doch mit dem Zitat von Jonathan Liebesman. Einen Burnout macht man, weil es geht. Punkt.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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