Mach‘s Dir selbst

Frau 8

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Chubaka per Mail: Schrauben Sie eigentlich selbst?

Lieber Chubaka! Es gibt Momente im Leben einer Frau, da fühlt man sich wie Dolly Buster, der ein gutaussehender Mann mit dem Zeigefinger in eine Brust piekt und fragt: „Sind die echt?“

Was Dolly Buster dem Mann antworten würde, wäre wohl nicht druckbar. Auf Ihre Frage hingegen gibt es drei Antwort-Möglichkeiten: Entweder man zuckt a) mit den Schultern und sagt: „Klaro.“ Man erstickt einfach die Diskussion im Keim. Nimmt einen langen Schluck aus seinem Bier, wischt sich mit dem Handrücken über den Mund, schnippt den Rest seiner filterlose Zigarette in den Wind und geht ab.

Oder man zitiert b) den US-amerikanischen Schriftsteller Don DeLillo: „Menschen, die Dinge reparieren können, sind in der Regel kleingeistige Eiferer.“ Dann wirft man seinen schwarzen Seidenschal über die Schulter, rückt seine Brille auf der hoch gereckten Nasenspitze zurecht und geht ab.

Variante c) hingegen sähe so aus, dass man seine Hände tief in die Hosentaschen schiebt und „Mhnnönichmehr“ murmelt. Nicht selbst schrauben? Wie uncool ist das denn? Und heißt es nicht: „Was du nicht reparieren kannst, gehört dir nicht“? Gut, nun stammt der Satz aus dem Reparatur-Manifest der Bastler-Firma iFixit, die sich vornehmlich mit der Instandsetzung von Elektronik befasst, vor allem der von Apple und weniger mit dem – sagen wir – Austausch eines Lenkungsdämpfers oder der Vorderachslagergummis bei einem Mercedes SL der 107er-Baureihe. Trotzdem. Reparieren ist im Trend und schont die Umwelt. Man setzt ein Zeichen gegen Abfallberge und Ressourcenverschwendung. Anhänger der sogenannten „Maker-Bewegung“ wollen die Dinge selbst in die Hand nehmen, frickeln, tüfteln und wieder heile machen, anstatt alles wegzuschmeißen, sobald die leiseste Abnutzungserscheinung auftaucht. Aber ich lenke ab. Wahr ist, dass ich es vermisse, inmitten von Schrauben, schmierigen Teilen, filzigen Lappen, Werkzeugen und Dreck zu sitzen, bis man die schwarzen Finger vor Kälte nicht mehr spürt und sogar vergisst zu rauchen, weil diese verdammte letzte Schraube wieder an ihren Platz muss – aber wo war der verdammte Platz dafür? Eine herrlich stille und investigative Dekonstruktion, meditativ und zerstörerisch. Irgendwann wurde der Wagen größer, die Lust kleiner, die Finger sauberer, und die Zeit schien wie Benzin aus einer defekten Leitung zu rinnen. Und ich legte mir eine neue Devise zu, einst ausgesprochen von Jake Ochmonek in der Fernseh-Serie „Alf“: „Was ich nicht reparieren kann, ist auch nicht kaputt.“

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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