Alle Achtung beim Achter

Kaufberatung BMW 850 CSi

…manchmal sind allerdings auch nur die Haubenaufsteller verstellt. Hier können überdies die Gasdruckelemente schlapp-machen

Wer bei den Verbrauchs- und Unterhaltskosten weitgehend „schmerzfrei“ veranlagt ist, hat üblicherweise auch viel Freude mit einer solchen Entscheidung. Denn trotz seiner opulenten Ausrüstung mit jedwedem Elektronik-Schnickschnack, der Anfang der 1990er verfügbar war, machen gepflegte Fahrzeuge im Alltag erstaunlich wenig Probleme. Sie erweisen sich in bester GT-Manier als souveräne Reisewagen für ungetrübte „Freude am Fahren“. Und das trotz des heftigen Leergewichts, das je nach Ausführung zwischen 1.790 und 1.955 Kilogramm liegt: Irgendwie schafft BMW es aber immer wieder, auch einem schwergewichtigen Supertanker wie dem 8er ein hohes Maß an Agilität und Wendigkeit anzuerziehen.
Der Beschleunigungswert von 6,0 Sekunden für den Sprint von Null auf 100 ist schon mal ein Indiz dafür. Die 7er- und 8er-BMW zählten mit zu den ersten Autos, bei denen die Hersteller aus selbstverpflichtendem Verantwortungsgefühl die Höchstgeschwindigkeit künstlich bei 250 km/h abregelten. Apropos Supertanker: Zunächst wurden alle 8er in Erwartung eines besonders hohen Exportanteils in die USA grundsätzlich für Normalbenzin ausgelegt, was mit zu einem hohen Verbrauch beiträgt. Der kombinierte Verbrauchswert für den 850 CSi ist zwar bei Tempo 90 und 120 mit sehr moderaten 8,5 bzw. 10,2 Litern/100 km angegeben, im Stadtverkehr liegt die Herstellerangabe dafür bei 19,8 Liter. Die Wahrheit liegt im Praxisverbrauch sicher irgendwo in der Mitte zwischen diesen Werten.

Verdeckte Scheibenwischer verbessern die Aerodynamik

Die Schwellerverkleidungen machen eine seriöse Inspektion des Blechs dahinter kaum möglich

Nicht alle 8er waren zeitlebens in solventen und pflegenden Händen. Aus Viert- und Fünfthand stammend wurden und werden 8er-BMW nach wie vor zu teils erstaunlich günstigen Einstiegspreisen auf Kiesplätzen der einschlägigen Fähnchenhändler angeboten. Wer da bei der Ankaufuntersuchung nicht höllisch genau hinschaut, kann wenig später ein richtig böses Erwachen erleben, wenn sich ein großer Wartungs- und Reparaturstau in enormen Folgekosten für Verschleiß- und Instandsetzungsarbeiten niederschlägt. Manche 8er, die preislich bereits die Bodensohle erreicht hatten, wurden dann auch noch für Hobbytuner attraktiv, die den Wagen mit noch breiteren Rädern oder gar zusätzlicher Spoilerbeplankung „individualisierten“. Wurden dabei dann beispielsweise die Radlaufkanten gebördelt oder durch eine weitere Tieferlegung Aufsetzer provoziert, gelten solche Umbauten unter Liebhaberaspekten heute meist als „Sachbeschädigung“.
In einem weiteren Punkt können 8er-Besitzer sich freuen: Die Ersatzteilversorgung ist über die offiziellen BMW-Kanäle überdurchschnittlich gut, allerdings auch überdurchschnittlich teuer. Weiteres ist über spezialisierte freie Händler erhältlich.

Der 8er-BMW im Detail

Karosserie, Unterboden
Allgemeines
Rost ist bei der 8er-Baureihe insgesamt ein untergeordnetes Thema – so richtig übel befallen ist die Karosserie nur bei wirklich ungepflegten (oder manchmal auch bei customisierten) Fahrzeugen. Das hat drei Gründe: Erstens wurde dem BMW (wie auch den meisten anderen Autos der 1990er) schon ab Werk ein brauchbarer Korrosionsschutz mitgegeben, zweitens sind die 8er-BMW ja auch noch nicht so alt – bis zum H-Kennzeichen brauchen selbst die allerersten noch drei Jahre. Und drittens wurde ihnen oft auch eine etwas bessere Pflege zuteil als es bei Durchschnittsautos der Fall ist. Trotzdem sollte man auch bei 8ern an bestimmten Stellen genauer aufs Blech schauen.

Front, Motorraum, Vorderkotflügel
Der 8er wurde nicht im Hinblick auf „Nullfugen“ konstruiert – die Frontmaske /Stoßstange weist einen erkennbaren Spalt zur Motorhaube und den Kotflügeln auf, der von innen durch ein Gummi abgedichtet wird, um die Aerodynamik zu verbessern. Ungleichmäßige Spaltmaße weisen auf Unfallschäden hin. Checken Sie unbedingt auch den Bereich unter der Bugschürze – sie liegt so tief, dass schon ein Anparken an eine höhere Bordsteinkante zu bleibenden Schäden führen kann. Und sind die Standleuchten, Blinker und Scheinwerfer auch schmal in den Abmessungen, kann sie doch ein Stein getroffen und durchschlagen haben, dann ist kostspieliger Ersatz fällig – ebenso, wenn die Leuchten undicht sind und Wasser eingedrungen ist. Dass Sie die Funktion der Klappscheinwerfer ohnehin genau prüfen, setze ich voraus. So zugebaut wie der Wagen im Motorraum ist, ist eine weitergehende Analyse auf Unfallschäden (beispielsweise gestauchte Längsträger) kaum möglich.
Bei den Vorderkotflügeln sind insbesondere die Radlaufkanten (vor allem umgebördelte) korrosionsgefährdet. Und wenn die Radhausschalen aus Kunststoff gebrochen sind (was öfter der Fall ist), können Schmutz und Feuchtigkeit auch dahinter ihr zerstörerisches Werk verrichten.

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