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Kaufberatung Fiat 124 Spider

Die Neuerscheinung des Fiat 124 Spider, der dieser Tage als verkappter Mazda MX-5 in die Autohäuser rollt, könnte auch dem von 1966 bis 1985 gebauten klassischen Spider zu gesteigerter Aufmerksamkeit verhelfen – wobei: ein Hingucker war das Pininfarina-gestylte Cabrio schon immer. Und auch wir gucken hier etwas genauer hin, damit Sie als möglicher Kaufinteressent nicht auf die Nase fallen.

Der Fiat 124 Spider war der ewige Gegner des zeitgleich erschienenen Alfa Romeo Spider, und obwohl beide das Pininfarina-Design verkörpern, haben sie genügend eigenen Charakter, um Interessenten eine eindeutige Entscheidung zu ermöglichen. Als alter Alfa-Narr fiele die Wahl bei mir natürlich zugunsten der Mailänder Schönheit aus, während dem Besitzer unseres Referenzfahrzeugs, dem Bad Segeberger Zahnarzt Dr. Jens Nolte, die Trapezlinie der Turiner „Bella“ (der genau genommen in Lingotto sowie im piemontesischen Pininfarina-Stammsitz in Cambiano und eine Zeitlang auch in Deutschland im Fiat-Werk Neckarsulm gebaut wurde) besser gefällt. Mit dem Alfa und dem Fiat Spider ist es ein bisschen wie mit dem Unterschied zwischen rotem und grünem Pesto.
Genau genommen ist Dr. Noltes Spider aus dem letzten Baujahr 1985 übrigens kein Fiat mehr, sondern ein Pininfarina „Spidereuropa“. Fiat hatte die Produktion, nachdem der Spider bereits ab 1975 offiziell nicht mehr auf dem europäischen Markt angeboten wurde, 1982 ganz eingestellt. Vor allem auf dem US-Markt erfreute sich der Spider in den 1970er Jahren großer Beliebtheit – mehr als 80 Prozent der Produktion sollen in die USA geliefert worden sein.
Trotzdem ließ auch dort Ende der 1970er die Nachfrage nach – unter anderem wegen des ungünstigen Dollarkurses. Es war die Zeit, als viele US-Spider den Weg nach Europa zurück fanden, als man auf die Idee kam, den Wagen auch hierzulande wieder anzubieten. 1981 stand er auf der IAA in Frankfurt – allerdings nicht als Fiat. Als Pininfarina „Spider-europa“ war er ab 1982/83 wieder (ausschließlich) über das Fiat-Händlernetz erhältlich. 1985 endete nach insgesamt 200.000 gebauten Exemplaren die Fertigung bei Pininfarina, während der Alfa Spider noch bis Ende 1993 gebaut wurde.
In den letzten Baujahren erreichte der Pininfarina Spider einen technischen Reifegrad, der ihn ohne Abstriche am puristischen Road-ster-Gefühl deutlich komfortabler machte – das Interieur mit der großen Mittelkonsole wirkte gediegener, und man brauchte auch auf Annehmlichkeiten wie elektrische Fensterheber nicht zu verzichten. Im Spidereuropa gab es jetzt eine präzise arbeitende Zahnstangenlenkung statt der bisherigen schwergängigen und teigigen Schneckenrollenlenkung.
Die verbesserte das Handling wesentlich, während unter der Haube mit den beiden – nun großen – Buckeln standardmäßig ein 105 PS starker Zweiliter-Einspritzer verbaut war. Noch besser konnte es nur die 1983 in 500 Exemplaren gebaute Abarth-getunte Variante „Volumex“, die dank eines Roots-Kompressors 135 PS mobilisierte und damit leistungsmäßig auch dem Zweiliter-Alfa Spider überlegen war. Die Klassikerpreise für den Volumex-Spider, ebenso wie für die zwischen 1972 und 1974 1.000 Mal gebaute Version „Abarth Stradale“ mit 170 PS starker 1,8-Liter-Maschine sowie mattschwarzen Motor- und Kofferraumhauben aus Kunststoff sind von den Notierungen für die normalen Modelle deutlich abgekoppelt.
Wie beim Alfa Spider hatten auch die Fiat-Spider-Motoren zwei obenliegende Nockenwellen, die allerdings im Gegensatz zum Alfa mit einem Zahnriemen statt mit Duplex-Rollenkette angetrieben wurden. Der Zylinderkopf besteht bei beiden aus Leichtmetall, aber der Graugussblock des Fiat Spider lässt die Abstammung aus dem profanen Fiat-Großserienbau erkennen. Beim Alfa ist das ganze Motorgehäuse in Leichtmetall ausgeführt. Auch gab es den Alfa nur mit Fünfgang-Schaltgetriebe, während der Fiat Spider nach anfänglicher Serienausstattung mit fünf Gängen bis in die 80er in der Basisausführung immer mit Vierganggetrieben ausgestattet war und ein Fünfganggetriebe nur aufpreispflichtig geordert werden konnte.
Natürlich erfuhr auch der Fiat Spider in seiner langen Bauzeit diverse optische und technische Veränderungen, wobei ihm die Trapezlinie der Karosserie mit dem „Schwalbenschwanz-Heck“ immer erhalten blieb. Zwar wurden auch beim Fiat Spider im Laufe der Jahre die Stoßstangen robuster und die Rückleuchten größer, aber man hatte das doch bedeutend eleganter gelöst als beim Alfa Spider „Aerodinamica“ mit „Gummilippen-Spoilerwerk“.

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