Das fliegende Clubzimmer

Kaufberatung Jaguar Mark II

Originärer Lebensraum der Großkatzen sind herrschaftliche Villen

Originärer Lebensraum der Großkatzen sind herrschaftliche Villen

Fallen Ihnen unterhalb eines alten Rolls-Royce oder Bentley andere Limousinen ein, die so viel britisches Flair verströmen wie ein Jaguar Mark II? Mir nur wenige. Dieser Umstand hat wohl auch wesentlich zum Kultstatus des Modells beigetragen. Und noch immer ist er eine reiz- und stilvolle Alternative zur „großen Heckflosse“ von Mercedes und ungleich sportiver als ein BMW „Barockengel“. Man sollte allerdings einen Guten finden, um glücklich zu sein

Viele Männer pflegten im Großbritannien der 1950er- und 60er-Jahre in einem „Club“ Konversation zu treiben. Frauen waren dort nicht zugelassen. Man rauchte eine Pfeife oder zwei und genehmigte sich ein Ale oder einen Whisky dazu. Das Etablissement war typischerweise mit hochflorigen Teppichen und dick gepolsterten Leder-Fauteuils ausgestattet, vor den Fenstern hingen schwere Gardinen, die soliden Tische und das edle Barmobiliar machten der Schreinerzunft alle Ehre. Der von 1959 bis 1967 gebaute Jaguar Mark II war für erlauchte „Members“ solcher Clubs das perfekte Fortbewegungsmittel, um ohne jeglichen Stilbruch vom Club-Salon in den Saloon umzusteigen und den Heimweg anzutreten. Hier wie dort die gleiche Anmutung, die gleiche Gediegenheit bei den verwendeten Materialien. Die Zeiten solcher Clubs sind auch im traditionsbewussten England inzwischen weitgehend vorbei, einen Jaguar Mk. II kann man allerdings noch auf dem Klassikermarkt kaufen – unter anderem bei Van Bargen Klassische Automobile in Hamburg, wo man auf die Marke spezialisiert ist. Dort entstanden auch die Beispielfotos für die Kaufberatung.

Noch immer muss man sich nicht klein machen, um in einen Mk. II einzusteigen, oder sagen wir besser: ihn beinahe aufrecht zu beschreiten. Die hohen Türen und das Kuppeldach sorgen für reichlich Kopffreiheit, und die Fondpassagiere müssen sich ebenfalls nicht über mangelnde Beinfreiheit beklagen. Obwohl es schwer fällt, sich wild herumtollende Kinder auf der Rückbank der Edel-Limousine vorzustellen, so muss doch festgehalten werden, dass das Raumangebot einen Mk. II zu einem idealen Familien-Oldtimer macht. Natürlich kann man ihn auch alleine fahren – die Agilität der Motorvarianten macht ihn ohnehin zu einem „Selbstfahrerauto“, ein Mk. II ist keine Chauffeursänfte.

Das betrifft allerdings nur die größeren Motorversionen. Von den drei lieferbaren Sechszylinder-Ausführungen, einem 2,4-Liter mit 120 PS, einem 3,4-Liter mit 210 PS und einem aus dem E-Type entlehnten 3,8-Liter mit 220 PS fällt die kleinste wegen unzureichender Leistung aus der Empfehlungsliste, auch wenn sie mit deutlichem Preisabschlag gehandelt wird. Aber wollen Sie wirklich mit einem Jaguar fahren, dem bei 155 km/h bereits die Zunge aus dem Hals hängt, wenn Sie mit dem „Großen“ auch mit bis zu 200 km/h unterwegs sein können und die 100 km/h-Marke schon nach 8,8 Sekunden erreichen? Vermutlich nicht.

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