Für Biedermänner und Brandstifter

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Ende der 1960er orientierte sich das Karosseriedesign bei Opel noch stark an US-amerikanischen Vorbildern – Rekord C und Commodore A belegen das. Besonders gilt das für die schicke Coupé-Variante, die uns als Referenzobjekt dient. Mit deutlichen Spuren jahrzehntelangen Gebrauchs lässt speziell dieser Wagen gut erkennen, wo mögliche Schwachstellen liegen

Opel, der Zuverlässige“ – der seit den 1950ern bekannte Werbeslogan der Rüsselsheimer Marke hat uneingeschränkt auch noch beim Rekord C bzw. dem Commodore A seine Gültigkeit. Und zwar gleich in zweierlei Hinsicht: Einerseits ist die Technik grundsolide und unverwüstlich (und damit besonders zuverlässig). Andrerseits und ebenso zuverlässig rafft es die ab Werk kaum rostgeschützte Karosserie dahin. In Ansätzen lässt sich das an unserem stärker patinierten Fotomodell, einem 1900er Coupé, gut erkennen. Weshalb sich der Wagen besonders als Referenz-
objekt für eine Kaufberatung der Modellreihe eignet – und zwar der gesamten, die auch Limousine und Kombi (Caravan) umfasst, die es beide wahlweise mit zwei (drei) oder vier (fünf) Türen gab. Da für die Nobelausführung mit sechs Zylindern als Commodore A dieselbe Karosserie verwendet wurde, sind auch die Mängel im Blechbereich dieselben – die Kaufberatung mithin auch dafür verwendbar.

Als die dritte Rekord-Baureihe (nach Opel-Nomenklatur deshalb mit dem dritten Buchstaben im Alphabet, dem „C“ belegt) am 23. August 1966 der Presse vorgestellt wurde, gab es reichlich Vorschusslorbeeren für die gefällige Anmutung des “Bonsai“-Amerikaners, dessen Entwurf sich am Chevrolet Chevelle der Konzernmutter GM orientierte. Die kompakteren Abmessungen und auch seine schlichte Ausstattung sorgten allerdings für die teutonische Note – der Rekord C war die Entsprechung zur „Linie der Vernunft“, mit der Hauptkonkurrent Ford seit Einführung des Taunus P3 („Badewanne“) Anklang fand. Der Vorgänger (das „Zwischenmodell“ Rekord B) wirkte jedenfalls noch verspielter. Das elegante Design des neuen Rekord C mit dem kecken Hüftschwung, den sämtliche Ausführungen kennzeichneten, konnte biedere, konservative Familienväter ebenso begeistern wie die nach Power gierende Jugend. Und mit der von 58 bis 106 PS sehr weit gespreizten Motorenpalette war hier auch für jedes Anforderungsprofil etwas Passendes dabei.DSC_3669bearb
Dasselbe galt für die Karosserieformen – Handwerker wählten den überaus geräumigen Caravan, Familienväter die gewöhnliche Stufenhecklimousine und junge wie junggebliebene Menschen das sportlich-elegante Coupé, wobei die besonderen Heißsporne für die Ausführung „Sprint“ mit dem 106 PS starken 1900 „H“-Motor votieren konnten. Letzterer stellt heute (abgesehen von den wenigen Cabriolet-Umbauten von Karl Deutsch, die zwischen 1967 und 1971 angeboten wurden, siehe Heft 10/14) die gesuchteste und mit Abstand teuerste Rekord-Variante dar. Unter 10.000 Euro sind hier keine guten Exemplare mehr zu bekommen, Spitzennotierungen liegen deutlich über 15.000 Euro. Übertroffen werden diese Preise lediglich von der heißesten Commodore-Ausführung, dem GS/E-Coupé, für das je nach Zustand noch ein Aufgeld von rund 2.000 Euro gegenüber dem vergleichbaren Rekord Sprint-Modell fällig wird. Daraus ergibt sich für Kaufinteressenten der Modellreihe gleich eine Entscheidungsfrage – ob es wirklich immer das jeweilige Top-Modell der Baureihe sein muss. Oder ob es nicht im Falle des Rekord auch ein um rund 25 Prozent günstigeres Modell mit einer kleineren Motorisierung sein darf – beispielsweise ein gut erhaltenes Rekord-Coupé mit der 75 PS starken 1700 S-Maschine, das in manierlichem Zustand ab rund 7.500 Euro zu bekommen ist. Oder beim Commodore das Coupé mit dem „einfachen“ 2500 S-Motor, der für um die 9.000 Euro 115 bis 120 gut im Futter stehende Sechszylinder-Pferde antraben lässt. Die Caravan-Ausführungen, die es nur beim Rekord gab, rangieren preislich übrigens auf ähnlichem Niveau wie die Coupés, nur die Stufenheck-Limousinen sind nochmals bedeutend günstiger und damit vielleicht ein Fall für Schnäppchenjäger.
Der Einstieg für eine 1500er-Limousine im Zustand 3 ist nach aktuellen Notierungen schon für unter 5.000 Euro möglich, wobei die Mittelklasse-Limousine mit ihren 60 PS schon damals und heute erst recht Mühe hat, im Verkehrsfluss mitzuhalten. Als Allroundtalente empfehlen sich die 75 bzw. 90 PS leistenden 1700 S bzw. 1900 S-Ausführungen. Eine Außenseiterrolle spielen die Rekord 2200-Modelle, die wie der Commodore mit einem Sechszylinder aufwarteten, der jedoch mit 95 PS die hauseigene Stallordnung befolgt und gebührenden Abstand zu den Commodore-Motorisierungen hält.

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