Kaufberatung Porsche 911 Carrera 3.2 (Targa)

Ein Elfer kommt nach Hause

Wer beim Porschefahren mit allen Sinnen gefordert sein möchte und neben klassischer Optik auch hohe Alltagstauglichkeit erwartet, für den ist der letzte Elfer mit Ziehharmonikastoßstangen, der Carrera 3.2 (C1), eine gute Wahl. Schwierig wird es, hierzulande noch einen guten zu günstigen Preisen zu finden. Da kann sich ein Reimport aus den USA anbieten. Unser Beispiel-Targa stammt aus den Staaten

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Wer zu spät kommt, den bestraft auf dem Porsche-Klassikermarkt eine geradezu inflationäre Preisspirale. Die extreme „Thermik“ der Preisentwicklung hat nach den Ur-Elfern seit einiger Zeit auch die Porsche 3,2-Liter-Carrera-Ausführungen der Modelljahre 1984 bis 1989 erfasst und kräftig aufwärts gezogen. Das betrifft alle Bauformen, ganz gleich ob Coupé, Cabriolet, oder – wie in unserem Fall – den Targa, und es sieht ganz danach aus, dass der Trend anhält.
Interessenten sollten sich daher bald entscheiden. Billiger werden auch die 3,2l-Carrera nicht. Man bedenke allerdings, dass der Marktwert der „Faltenbalg-Elfer“ vor 15 bis 20 Jahren am Tiefpunkt angelangt war, man bekam schon welche für weniger als 10.000 Euro bzw. das entsprechende D-Mark-Äquivalent. Das führte dazu, dass die deutsche Sportwagen-Ikone schlechthin manchmal bei Besitzern landete, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Denn eines ist sicher: Im Unterhalt waren Elfer, gleich welcher Ära, nie billig. Notwendige Wartungsarbeiten wurden dann manchmal unzulässig lange hinausgeschoben. Reparaturstaus entstanden, und die hohen Porsche-Ersatzteilpreise animierten zu Flickschusterei mit Altteilen oder qualitativ fragwürdiger Repro-Ware. Nicht alles davon ist an den heute angebotenen Fahrzeugen aus­gemerzt. Die Teilepreise im Verhältnis zum Marktwert sind es auch heute noch, deretwegen die Vollrestaurierung eines frühen G-Modells unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum darstellbar ist. Umso wichtiger ist es, nicht auf einen „Blender“ hereinzufallen.

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Die Türen selbst sind unanfällig gegen Rost. Sie sollten satt ins Schloss fallen. Die Spaltmaße geben Aufschluss über mögliche Unfallschäden

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Die Vollverzinkung und dicker Steinschlagschutz sorgen dafür, dass man auch bei älteren Elfern hier selten ein Rostdesaster vorfindet

Für den ab 1983 gebauten Carrera spricht vor allem, dass das Luftboxerkonzept, gepaart mit klassischer Optik, hier seinen höchsten Reifegrad erreichte. Die Nachfolger, der ab 1988 angebotene Carrera 4 bzw. der ein Jahr später lancierte Carrera 2 (Baureihe 964), mögen zwar technisch in vielfacher Hinsicht nochmals deutlich überlegen sein, ihnen fehlt aber mit den neuen wuchtigen Stoßfängern an Front und Heck ganz eindeutig der Klassiker-Appeal der Ziehharmonika-Elfer.
Wer sich nach einem Carrera 3.2 der Baujahre 1983 bis 1989 umsieht, hat bei der Motorisierung die Qual der Wahl.  Zwar haben alle den gleichen Hubraum, aber eine sehr unterschiedliche Charakteristik. Wer den richtigen „Punch“ sucht, muss sich nach einem Modell in EU-Ausführung ohne Werks-Katalysator umsehen. Diese Variante liefert 231 PS und ein „hammermäßiges“ Drehmoment. Da zurzeit bis Baujahr 1985 reif fürs H-Kennzeichen, spielt die Steuereinsparung durch den Kat bis zu diesem Baujahr keine Rolle. Motorisch unterscheiden sich die Carrera-1-Modelle nicht nur durch die Hubraumerhöhung um 0,2 Litern von den Vorgängern mit drei Litern Hubraum, sondern auch durch die völlig neue digitale Motorelektronik (DME), die hier als „Motronic“ von Bosch zum Einsatz kam.
Die ersten Kat-Elfer mit zunächst nur 207 PS (wie unser Exemplar) wurden vor allem für den US-Markt mit seinen damals schon strengen Abgasnormen gebaut. Diese frühe Kat-Variante fühlt sich deutlich zugeschnürter an, als es die Minderleistung auf dem Papier vermuten lässt. Besser wurde es 1986, als die abgasgereinigte Ausführung wieder um 10 PS auf 217 PS zulegte. Beim Targa und beim Cabrio, wo es manchem nicht ganz so sehr auf das letzte Zehntel beim Sprint ankommt, sind die Werks-Kat-Fahrzeuge trotzdem eine gute Wahl, zumal ein guter Zustand von Blech und Mechanik zunehmend wertentscheidender wird.

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