Noblesse oblige

Kaufberatung Jensen Interceptor

Der Interceptor, hier in der dritten Generation, ist ein eleganter, extravaganter und exotischer Reisewagen. Er erfährt auf dem Klassikermarkt zurzeit noch nicht die Wertschätzung, die ihm eigentlich gebührt

Sie suchen einen extravaganten, sportlichen Oldtimer abseits des Mainstreams? Dann ist womöglich ein Jensen Interceptor genau das Richtige für Sie. Elegantes, unaufgeregtes Styling und solide US-Großserien-Antriebstechnik mit reichlich Power sowie (noch) günstige Preise sind doch gute Argumente für einen Kauf. Solange die Karosseriesubstanz stimmt

Ein dänisch klingender Name, eine in Italien entworfene Karosserie, ein amerikanischer V8 unter der Haube und ein Firmensitz im Königreich England – mehr „Multi-Kulti“ als beim Jensen Interceptor geht im Autobereich eigentlich nicht. Trotzdem sind die unter diesem Namen hergestellten Fahrzeuge eher auf den kiesbelegten Zufahrten vornehmer britischer Castles zu Hause als in den bunten Vielvölker-Kiezen unserer Metropolen. Kein Wunder: Der Interceptor war ein Beau für die High Society. Zu den Käufern zählten zahlreiche Filmstars und bekannte Musiker, unter anderem Cliff Richard, der damalige britische Außenminister Lord Carrington, der Schauspieler Tony Curtis und die Sängerin Dusty Springfield.

Um das Rätsel der vielen Kulturen aufzulösen: Bei der Firma Jensen handelt es sich um einen urbritischen Autohersteller, 1935 von den Brüdern Richard und Alan Jensen in West Bromwich gegründet und infolge von Absatzproblemen nach der Ölkrise wegen Insolvenz 1976 geschlossen. Einen frühen Interceptor hatte Jensen schon 1950 im Programm, nach Ablösung des ziemlich skurril gezeichneten Jensen C-V8 lebte der Name 1966 in dem bei der Carrozzeria Touring in Italien gezeichneten Saloon (GT) wieder auf. Im Gegensatz zum altbacken wirkenden C-V8, der über eine Kunststoffkarosserie verfügte, wurde der neue Interceptor mit einer konventionellen Blechkarosserie gefertigt. Markantestes Designmerkmal des Interceptor („Abfangjäger“) ist zweifellos die riesige vollverglaste Heckklappe, von den Briten scherzhaft als „Goldfish Bowl“ bezeichnet.

Die ersten 50 Interceptor-Exemplare wurden in Italien bei Vignale karosserieseitig vorproduziert, bevor man die Fertigung 1967 komplett nach West Bromwich verlegte.

Wie beim Vorgängermodell tat im Interceptor zunächst ein 6,3-Liter-Achtzylinder von Chrysler Dienst, und auch das Rohrramen-Chassis sowie die Radaufhängung entsprachen weitestgehend der C-V8-Basis. Das war von außen nicht zu erkennen und stellte für den Kleinserienhersteller – ebenso wie die Verwendung des Großserien-Antriebs – eine willkommene Möglichkeit zur Kostenreduktion dar. Auch eine ganze Reihe weiterer Nischen-Sportwagenhersteller wie DeTomaso, Iso Rivolta oder Monteverdi nutzten die billigen und leistungsstarken amerikanischen Hubraumriesen in den 1960ern für ihre Modelle.

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