Vornehm auf den Landsitz

Kaufberatung Range Rover Mk. 2

In der Anschaffung damals preislich auf Porsche-Niveau rangierend (der letzte Neupreis lag 2001 für den HSE bei 81.500 Mark), dürften die einstigen Neuwagenkäufer von den ungezügelten Trinksitten, die bei diesen Tempi an der Tagesordnung sind, wenig beeindruckt sein. Bei den heutigen Spritpreisen (keine falschen Hoffnungen – die steigen auch wieder…), könnten Range-Interessenten durchaus in Versuchung kommen, den moderneren und viel genügsameren BMW-Diesel zu wählen. Erst recht, wenn man den Wagen nicht nur als Sammlerstück in die Garage stellen, sondern auch regelmäßig benutzen möchte. Doch von dem Diesel sind die meisten Range-Freunde wenig begeistert: Zu wenig „Bumms“, zur Fahrzeugklasse wenig passende Laufcharakteristik. Das gilt vor allem, wenn der Range einen schweren Pferdeanhänger oder einen Trailer mit einem (natürlich britischen) Klassiker darauf ziehen soll – Einsatzzwecke, die ihm wie auf den Leib geschneidert zu sein scheinen. Da sind die Benziner dann doch beliebter, wenngleich von ihnen ein anderes Ungemach droht: der Hitzekollaps, weil die V8-Maschinen unter Last besonders viel Abwärme produzieren. Wenn’s glimpflich läuft, pfeift nur eine Zylinderkopfdichtung durch. Mehr Pech hat man, wenn dann auch noch Risse im Block oder im Kopf zu beklagen sind.

Der Range Rover hat ein sehr stabiles Rahmenchassis mit mittragenden Karosserie-elementen

Der Tank ist aufprall- geschützt zwischen der Antriebstechnik untergebracht

Insgesamt war die zweite Range Rover-Generation zwar durchaus erfolgreich, was auch die immens langen Lieferzeiten zeigen, die man damals in Kauf nehmen musste. Aber seine Besitzer mussten wegen Qualitätsmängeln eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen. Die meisten trugen es mit britischer Gelassenheit und scherzten, vom neuen Range Rover brauche man eigentlich zwei, weil einer immer in der Werkstatt stünde. Damit haben wir eine weitere Achillesferse am Wickel, die dem Range der zweiten Generation nachhängt: Die außerordentlich hohen Unterhaltskosten, die eben nicht nur aus dem hohen Verbrauch, sondern gerade auch aus Wartungs- und Reparaturkosten resultieren. Hinzu kommt, dass die komplexe Technik nach ausgewiesenen Spezialisten verlangt. Und die werden ebenfalls nicht mehr, sondern weniger.

In den spritzwasserbeaufschlagten Bereichen am Unterboden drohen zuerst Rostschäden

Mit fortschreitendem Alter wird das Ganze naturgemäß nicht besser, sondern schlimmer, was sich auch an unserem „Fotomodell“, einem Range Rover 2,5 DSE aus dem Baujahr 2000, bemerkbar machte. Bei ihm streikte die Luftfederung, korrekt erkannt und angezeigt von der Bordelektronik, die für den fürchterlich hoppelnden und nicht hochpumpenden Wagen zugleich eine Vmax von 55 km/h vorschrieb. Das war nicht der einzige Defekt an dem noch keine 200.000 Kilometer gelaufenen Auto: Auch die Klimaautomatik war nicht mehr kontrolliert einstellbar, weil einzelne Segmente der grünen Digitalanzeige ausgefallen waren. Dass einen auch das defekte Werksradio nicht mit Musik aufmuntern konnte, setzte dem Ganzen die Krone auf.

Tatsächlich bietet die Karosserie auf dem stabilen Rahmenchassis fast die geringsten Kritikpunkte. Im Gegensatz zum Ur-Range und dem klassischen Land Rover Defender bestehen die Karosseriebleche zwar nicht mehr aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung, sondern aus konventionellen Stahlblechen, aber diese sind ordentlich korrosionsgeschützt. Natürlich kann es hier und da zu Rostschäden kommen, aber verglichen mit den Problemen, die die Technik bereiten kann, sind die Schwierigkeiten in diesem Bereich eher überschaubar. Während die Ur-Range Rover bereits seit einiger Zeit steigende Liebhaberpreise verzeichnen, ist die zweite  Range-Generation trotz des deutlich höheren Komforts zurzeit preislich in der Talsohle angekommen.

Fast alle am Markt angebotenen Fahrzeuge liegen deutlich unter 10.000 Euro, und die Preisskala beginnt tatsächlich knapp überm Nullpunkt. Unser Fotomodell war bei knapp unter 4.000 Euro positioniert – angesichts der nicht unerheblichen Mängel, die der Wagen aufwies und des etwas verwohnten Interieurs sicher eine sportliche Forderung
Und eigentlich nur ein Fall für Kfz-Mechaniker, die ihn sich selbst wieder herrichten können. Womit wir auch schon beim Fazit wären – welchen soll man nehmen?

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