1958er VW Käfer: Fehlt Ihnen was?

Eine überraschende Selbsterfahrung in einem 1958er Käfer

Wir schreiben das 21. Jahrhundert. Die automobile Welt hat sich in 125 Jahren rasend schnell gedreht.  Komfort, Sicherheit und elektronische Assistenzsysteme täuschen geschickt hinweg über Verbrennung, Öl und Gestank. Dabei ist der steinalte Grundgedanke noch immer am Leben: ein Motor, eine Karosserie, vier Räder. Wie viel ist notwendig, um sich in der heutigen Zeit fortzubewegen?

Mit dem Gestern durchs Heute

Herr Müller möchte den sonnigen Maitag nutzen, um mit seinem Volkswagen 1200 in ein kleines Anwesen im schönen Schleswig-Holstein zu reisen. Er will dort ein paar Tage von seinem Bürojob abschalten, einmal keine Schreibmaschinen und keine Akten in großen Regalen um ihn herum sehen. Den fjordblauen 1958er Käfer hat er schon am Wochenende poliert und den Reifendruck geprüft, nach dem Kühlwasser muss er nicht schauen, diesen Teil übernimmt praktischerweise die vom Gebläse um den Motor herum geschaufelte Außenluft. Alles, was er benötigt, passt in seinen kleinen Reisekoffer. Dazu legt er noch ein gutes Buch und seinen Wanderstock mit den vielen schönen Erinnerungswappen vergangener Urlaubsziele. Der Rücksitz ist ein wundervoller Platz für dieses Utensil, und statt Laptop, Playstation und Smartphone-Accessoires platziert Herr Müller unter der vorderen Haube lieber noch sein Picknick-Körbchen, direkt hinter dem Tank. Vielleicht lädt ein schönes Plätzchen am Wegesrand zum Verweilen ein.

Ein dickes rotes Buch mit vielen bunten Linien aus ganz Europa eignet sich hervorragend zum Abschätzen der bevorstehenden Strecke. In Kombination mit vielen gelben Schildern an den großen Kreuzungen ist Herr Müller in der Lage, seinen Weg nur mit seinen Augen zu finden. Die Notwendigkeit einer Jog-Shuttle gesteuerten oder Touch-Screen gestützten Navigationsprogrammierung entfällt, das überlässt er seinem Nachbarn. Der ist Inder und arbeitet für Microsoft.

Noch eine kurze Kontrolle des Motorölstands im Heck, alles im Rahmen. Die Haube schließt sich schwer und strahlt Zuverlässigkeit aus. Ein chromiger Knopf statt keyless-Entry öffnet die wuchtige Fahrertür, die hinter ihm “klonkend” ins Schloss fällt. Die Morgensonne hat schon viel Kraft. In diesem Moment könnte man die mehrseitige Bedienungsanleitung der Achtzonen-Klimatronic studieren, um über zwölf beleuchtete Knöpfe eines der 42 möglichen Belüftungsprogramme über das Menü noch zu individualisieren. Oder man kurbelt das Seitenfenster einen Spalt herunter und dreht das filigrane Dreiecksfenster so, dass frischer Fahrtwind über die Unterarme streichelt.

Mehr als sechs Volt Bordspannung sind nicht notwendig, um den Boxermotor mit Zündfunken zu versorgen. Durch die plane, direkt vor ihm liegende Windschutzscheibe  sieht Herr Müller die Landstraße. Im Sichtfeld liebevoll zusammengestellt, da wo oft der Wunderbaum pendelt, befindet sich noch ein kleines Blumensträußchen, das seine Frau Ilse ihm gepflückt hat. Er setzt mit dem kleinen Hebelchen den Blinker, der schnarrend aus der B-Säule klappt, und rollt dem Tag entgegen. Ein Liedchen auf den Lippen ersetzt das Soundsystem mit den integrierten digitalen Aktiv-Endstufen. Wo eigentlich beleuchtete Disco-Displays blinkend den Interpreten, den Songtitel und die Kontonummer des Plattenlabels preisgeben, befindet sich hier eine kleine, ebenfalls fjordblaue Metallblende. “Da-has muss ein schle-hechte-her Müller sein, de-hem niemals fie-hiel das Wandern ein….”

Alles im Blick und alles dabei. 100 km/h reichen auf der Autobahn, das Pflaster reicht für das Wehwehchen

Parallelen zum Wandern sind im Käfer bei Überlandfahrten schon zu entdecken. Müllers breite Füße spielen geschickt mit den drei schmalen Pedalen im Fußraum, während er beherzt und manchmal Zwischengas gebend die Gänge einlegt. Die Reise geht zunächst durch Rapsfelder und kleine Ortschaften, der freundliche Krabbler schnurrt sein sonores Lied und ist zügig unterwegs. Kerngesund klingt das Maschinchen, keine Warnlampen weisen auf bevorstehende Inspektionen hin. Nichts stört den Genuss der Landschaft oder des Reisens, noch nicht einmal eine Tankanzeige. Herr Müller beschließt, in einem der nächsten Orte noch eine kleine Kaffeepause einzulegen und bei der Gelegenheit auch gleich noch einmal nach dem Benzin zu sehen, bevor es auf die Bundesautobahn geht. Bei einer Nussecke und einem Kännchen Jacobs Krönung im Dorfkrug studiert er das Wochenmagazin, während auch der Käfer sich tickend und knackend eine kleine Auszeit in der Mittagssonne gönnt. Er ist nicht verschlossen. Warum sollte jemand etwas aus ihm entwenden?

Rück-Sicht ist bauartbedingt obligatorisch.

Rauchende Reisende finden Entlastung.

An der Tankstelle belächelt man den Herrn mit Hut, als er die vordere Haube öffnet, einen Metalldeckel aufschraubt und aus der Zapfsäule Benzin in den Tank laufen lässt, immer mit einem halben Auge den Pegelstand im Inneren begutachtend. Einzig der Motorradfahrer gegenüber scheint ihn zu verstehen. Die beiden fachsimpeln ein wenig über Baujahre und Höchstgeschwindigkeiten. Etwas verwirrt ist Herr Müller im Verkaufsraum der Tankstelle. Er möchte vorsichthalber noch einen halben Liter Öl mitführen, wird von der Aushilfskraft an der Kasse aber nur fragend angeschaut. Einen 2009er Chardonnay hätten sie im Angebot, und zum Jack Daniels gäbe es heute sogar noch einen Schlüsselanhänger. Das macht ihn irgendwie traurig, und noch viel später auf der Autobahn fragt er sich, was eigentlich aus den ehemaligen echten Servicepunkten für Durchreisende geworden ist.

Wo auch immer das Ziel sein mag, Verweilen und Ankommen sind Bestandteil der Reise

100 km/h genügen völlig, um auf deutschen Straßen entspannt das Ziel zu erreichen. Der Stress der linken Spur ist komplett nicht vorhanden, kein pfeifender Turbo muss sich beruhigen und kein Verkehrsfunk lässt ihn nicht geplante, völlig verstopfte Routen einschlagen. Eben gerade, als er seine Wanderlieder durchgesungen hat, sieht Herr Müller die Ausfahrt zum Anwesen, in dem er telefonisch sein Zimmer reservierte. Die netten Menschen nehmen ihm Stock und Hut ab, den Koffer trägt er traditionell selbst. Das Auto kann bleiben, wo es ist, die nächsten Gäste werden erst übermorgen erwartet. Und das Abendessen beginnt bitte pünktlich um 19:00 Uhr. Es versprechen schöne Tage zu werden.

Rundumsicht und Raumgefühl machen einfach nur glücklich, einziger Haken im Verborgenen wäre da…

… eine gewisse Enge im Fußraum. Wenn die Socken dann mal qualmen, kurbelt man einfach das Fenster runter

Herr Müller ist im klassischen Sinn verreist. Ohne Internet und Billig-Wahn, ohne Smartphone und Facebook hat er für eine mehrere 100 Kilometer umfassende Strecke vielleicht 30 Minuten länger gebraucht als sein Abteilungsleiter mit seinem 5er-BMW. Er muss sich nicht vom alles infiltrierenden Entertainment und den rasenden Psychos erholen, er kommt schon vorentspannt und gut gelaunt an seinem Ziel an. Er lässt sich weder von informationsintensiven Multifunktionsdisplays noch von 24-stündiger Erreichbarkeit  wahnsinnig machen. In einer Welt der elektrischen Helferchen und alles draußen lassenden Highspeed-Kapseln fehlt es in einem über 50 Jahre alten Automobil genau genommen an – NICHTS. Diese Art des Verreisens macht glücklich und entspannt schon beim Hinweg. Lassen Sie sich wieder mal drauf ein. Der Sommer kommt ja erst noch.

Tanken und Ölstand messen für gepflegtes Vorankommen, die richtige Lektüre ist immer dabei

Bilder: Jens Tanz. Einige Bilder mit freundlicher Genehmigung von Schloss Tremsbüttel, www.tremsbuettel.de

30 Gedanken zu “1958er VW Käfer: Fehlt Ihnen was?

  1. In meiner “Jugend” wusste ich den Käfer nicht wirklich zu schätzen – in der Anfangszeit meines Führerscheins waren davon noch massig als schlecht gepflegte Verbrauchsfahrzeuge unterwegs.
    Heute sieht das ganz anders aus. Der Käfer ist weitestgehend von den Straßen verschwunden. Alltagsfahrzeuge sieht man kaum, wenn überhaupt dann verhätschelte Messemodelle, die vielleicht 100km im Jahr zurücklegen.
    Mittlerweile habe auch ich meine Freude an der Form entdeckt. Besonders die Modelle mit den kleineren Rückleuchten wie dieses sind doch herzerfrischend schön.

    Zum Thema entschleunigung kann ich auch nur zustimmen… Ich fahre mittlerweile lieber ne’ Stunde eher los, als mit nem pochenden Magengeschwür entnervt anzukommen.
    Die “Belohnung” ist ein Durchschnittsverbrauch unter 7litern, und das mit nem über 20 Jahre alten Benziner.
    Wenn ich die armen Lemmige heute so sehe, wie sie mit bis zum platzen angeschwollener Halsschlagader um jeden Meter in der Stadt kämpfen, um 10km weiter 2 Autos weiter vorne an der nächsten roten Ampel zu stehen — nee, geh’ mir wech, brauch ich nicht mehr!

    • Hallo Maik,

      ich frage mich, wann diese Hektik losgegangen ist? Lief das parallel mit den Smartphones und der Möglichkeit, allways-on zu sein? Oder fällt es mir jetzt mehr auf, weil ich älter werde und mein Nervenkostüm ausdünnt?

      Ich hatte mit Bronx ja schon mal Schnick Schnack Schnuck in Sachen Käfer gemacht, hab dann aber meine verfügbare Zeit aus den Augen verloren. Vielleicht im kommenden Jahr? Irgendwie gehört der Käfer noch zu den Autos, die ich eine Zeitlang besitzen und fahren möchte. Und der Fiat 131 Mirafiori. Und …..
      Ach jeh…

      Jens

      • Sprichst Du von mir, bin ich da 😀

        Von den “Dickholmern” (produziert bis ’64 zu den Werksferien) hatte ich 2 Stück! Einen Ovali (56er) und einen 61er-Export. Es folgten ein 71er und ein 73er 1303 S. Danach noch zwei Mexicanos, die aber nicht vergleichbar – und daher nur kurz gefahren wurden.
        Zum Schnick Schnack Schnuck in Sachen Käfer gibts ja auch noch einen offenen Händlerreport, aber, kommt Zeit, kommt Tat. Oder 😉
        Unsere Käfertour rennt uns nicht weg, nehmen wir das mal in die Agenda 2013 auf. Der “Käfer-Papst” verwies mich jüngst an einen 67er, der “unseren” Vorstellungen gut entsprochen hätte. Nur nicht beim Preis, es war ein Privatverkauf. Der Besitzer war aber etwas zu “überzeugt”.

        Der hier von Dir gezeigte ist die hohe Zeit des Käfers. In Sachen Qualität und Solidität der Zenit. Formal zitiert er noch den “Ur”-Entwurf, jedoch mit den entscheidenden Verbesserungen, die ihn als extrem ausgereiftes und haltbares Modell damals heraushoben. Zuverlässigkeit war, bei allen Defiziten die ein Käfer konstruktionsbedingt sein ganzes Leben lang herumtrug, seine Stärke. Ach ja, Jens – es sind Winker, die Blinker kamen erst 61 dazu! Für den Export gab es sie ja schon früher, genau wie die hydraulischen Bremsen. Im Inland fuhr man noch etwas länger winkend und Seilzug-bremsend durch die Gegend. Zumindest in der einfachsten Standart-Ausführung seinerzeit.
        Einen besitzen werde ich irgendwann auch wieder. Man kommt nie ganz davon los! Ich hab den nicht umsonst als Tatoo auf meiner Schulter 😉

        Sorry, no boxer – no sound, excuse me!
        Bronx

        • Ay Bronx,

          da spricht der Fachmann, Respekt, was du alles aus deinem Wissensfundus kramst! Ich bin tatsächlich noch immer scharf a) auf unsere angedachte Tour und b) damit einhergehend auf einen Käfer. Wir sehen mal. Jetzt muss ich zunächst ein paar Orgasachen in meinem Alltag synchronisieren, und wenn die schwingen dann geht das LOOOOOOOS!

          Jens

          • Gern! Ich schrieb doch: keine Eile!
            Wenn Du das ÜBERHAUPT einplanen kannst nächstes Jahr, betrachte ich das (ob deines engen Zeitrahmens) erst recht als Bereicherung! Wo es hingehen würde, weißt Du ja 😀

            Bronx

              • Da bin ich sicher – bei dem Papa 😉 Eine kleine Sandfrau also…
                *Hach* Süß ….
                Ein Mann und vier (!) Frauen, Respekt. Das bedingt Nehmerqualitäten 😉

                Bronx

              • Hey Bronx,

                vier Frauen? Mein Hund und meine Katze sind auch weiblich 😀 Argh. Ich brauche FREUNDE. MÄNNER. Ich werd noch ganz kirre 😉

                Jens

  2. Mit genau so ein Käfer ist meine Mutter (ihr erster eigener) von ca. 1970 an mit uns gefahren. Er wurde für 1000 DM (gesponsort von meiner Oma) gekauft und hat uns ein paar Jahre begleitet bis die brauen Pest ihm endgültig ein Ende bereitete… er hatte noch Spikes im Winter…

    • Hallo Snoopy,

      die braune Pest…… Wenn ich an den Käfer meines Opas denke, ein cremefarbener Export aus den 60ern, wenig gelaufen und immer im Neuzustand…… da war alles original und gepflegt wie am ersten Tag. Und 1980 oder so wurde er dann in Zahlung gegeben, er war prinzipiell nur ein gut gepflegtes altes Autos. Meine Mama hat sich beim Volkswagenhändler in Uelzen einen roten, zweitürigen Jetta gekauft. Ich glaube für den Käfer gab’s 2000 Mark. Heute würde ich einen kleinen Teil meiner Seele hergeben, wenn ich den wiederhaben könnte. Also, den Käfer. Den Jetta fand ich schon immer doof, auch wenn er heute selten ist.

      Ach manno.

      Jens

      • Ich glaube ein Amerikaner hat ihn noch weitergefahren. Die Rücksitzbank war nass weil die Kotflügel hinter durch waren. Unter dem Bodenteppich sah es nicht besser aus. Nachfolger wurde ein gebrauchter R5 erste Serie. Der rostete schneller… Wir hatten die Exportversion mit Hydraulikbremsen, den Bügeln auf der Stoßstange Blinker und Winker. Der TÜV hat dann den Abbau der Winker gefordert. Die lagen noch Jahre in der Garage… Wollt ihr ein historisches Bild 😉

  3. Mit Wonne lese ich Eure Kommentare! Ihr, die ihr eben und an anderer Stelle noch urmännliche Kraft und Stärke an einem Fahrzeug fordertet, empfindet jetzt hier plötzlich und unerwartet nahezu liebevolle Zuneigung zu Vernunft, Genügsamkeit und Entspannung. Welch ein Zerriss! Oder welch ein Wandel?

    Klingen mir eben noch die Ohren vom “lahmen 70PS-Bulli, der ja allenfalls zum Dahincruisen taugt” … höre ich mich noch wehrend entgegnen, dass ich mich “ganz bewußt für die Entschleunigung entschieden” habe … ?

    Was ist denn nun Dichtung? Und was Wahrheit?
    Oder ist das abhängig vom Thema des Blogs?

    Jungs – seid immer authentisch!

    Ihr sagt es selbst: die heutige Zeit nervt mit ihrer Geschwindigkeit und Hektik. Aber ihr habt es selbst in der Hand (oder im Gasfuß), ob ihr Euch mitreißen lasst – oder ob ihr entspannt reist.
    Und das gilt hier und in jedem anderen Blog.

    Ich merk’ schon: wir werden alle älter – und ruhiger.

    El 😉

    • Guten Morgen du langer Fahrlehrer,

      auch wenn ich ein wenig den Überblick verloren habe, wen genau du nun meinen könntest (“ihr” ist ja immer sehr pauschal) muss doch das eine das andere nicht ausschließen? Ich denke, man kann durchaus großen Motoren und PS-Zahlen im mittleren dreistelligen Bereich zugeneigt sein und sie begehren, obwohl man sich nach Entschleunigung sehnt und mit liebevollem Blick ein 20-PS Auto betrachtet.
      Ich glaube nicht, dass dadurch irgend jemand nicht mehr authentisch ist.

      Denn ist es nicht das coole an unserer Leidenschaft? Dass es unter den alten Autos sowohl die einen Riesenspaß machenden Boliden mit klarer Ansage beim Auftritt als auch sehr entschleunigende, zum Cruisen einladende Alltagsklassiker gibt? Und alle sind sie irgendwie in ihrer Welt interessant. Ich selbst lenkte fast 10 Jahre lang einen Bulli mit 55PS Saugdiesel, finde aber unseren 413PS Mustang in Drebber Blue 😉 sehr unterhaltsam und fuhr ihn echt gern. Ich hatte einen Audi V8 mit 280 Quattro-PS und bin nun auf einen Ford Taunus von 1975 umgestiegen. Ich mag den Käfer, würde aber jederzeit unseren Mach 1 zum Tanken fahren.
      Das ist doch SUPER. Verbleit! Und nicht blogabhängig – glaube ich.

      Einen schönen Freitag und gute Genesung wünscht
      Jens

      • Moin Jens,

        wer stellte denn diesen wundervoll erhaltenen oder restaurierten Käfer für den Report zur Verfügung? War das Privat, oder aus einem Fundus / Museum o. ä? Ein derartiger, originaler Zustand ist doch recht selten anzutreffen.

        El,

        da ist sie wieder, die Stimme aus dem Kissen, das Gewissen der Entschleunigten! 😀
        Du solltest ein paar Dinge etwas lockerer sehen (können). Ich will nicht wiederholen, was über mir geschrieben steht, sehe das aber ähnlich.
        Mann kann sich sowohl für “urmännliche Kraft und Stärke” begeistern, wohlwissend, das diese Artefakte aus einer anderen Zeit sind. Das macht sie aber nicht minder schön. Emotionen sind nun mal nicht rational.
        Besagter, hier gezeigter Käfer erfreut denn auch den Freund alten Blechs.
        Weil er emotional andere Facetten besetzt, welche ein 300 PS Mustang natürlich nicht bedienen kann. Ist man deswegen nicht authentisch?
        Zum Reddy äusserte ich mich ja bereits, Du kennst meine Meinung zu dieser Motorisierung. Wer es mag, alles gut!
        Würde ich unseren Senator im Alltag fahren, wäre das sicher nicht in meinem Sinne, dieses alte Auto möglichst lange in diesem Zustand zu erhalten. Deswegen gibts ja noch den “Dicken”.
        Aber zwischendurch möchte ich auch etwas Vergnügen haben. Und das würde genauso mit einem alten Käfer funktionieren. 😉

        Bis demnächst in D, Bronx.

        • Hallo Bronx,

          der Käfer ist von einem Privatmann aus Hamburg, der viel rumkommt und immer für gute Kontakte sorgt. Wir haben den Tag zusammen verbracht und ne Menge zu Lachen gehabt, wie du dir vorstellen kannst 🙂 Das Auto ist in einem einmaligen Zustand, den wird er wohl auch nie wieder hergeben…

          Jens

          • Verstehe! Ich würde DEN auch nie wieder hergeben. Sympatischer Mann! In Hamburg kenne ich nur Raffay. 😉 Ähnlich kompetent, wie Ebeling bei uns. 😀

            Bronx

            • Hallo Bronx,

              aber Raffay ist ein Händler. Den kennt hier ja jeder, und so ziemlich jedes Auto von VW oder Audi der letzten gefühlten 42 Jahre hat einen Raffay Aufkleber irgendwo auf der Scheibe…..

              Jens

              • Moin Jens,

                Das Raffay bei Euch im Norden eine feste Größe ist, wusste ich.
                Was ihn (für mich) interessant macht, der besitzt einen von 6(?) bekannten VW 38. (KdF) Den vor 2 Jahren auf einem litauischen Acker entdeckten KdF mit der (nachgewiesenen) “6” auf dem Tunnel rechne ich mal nicht mit ein. Der wurde zwar wiederhergestellt, ist aber mehr Replika als original. Was die handwerkliche Leistung aber nicht schmälern soll!
                Ein KdF erkennt man nicht nur an den Luftschlitzen über der Motorhaube (es sind mehr als die “späteren” Exemplare bekamen), auch die vorderen Kotflügel um die Lampentöpfe
                herum sind anders. Und und …..
                Käfer-Historie ist wie eine kleine Wissenschaft und dabei unglaublich spannend. Es gibt immer noch etwas, was man nicht wusste.

                Guten Start in die Woche wünscht Bronx.

        • Ich finde immernoch, Wasser zu predigen und Wein zu trinken, ist wie der Pastor, der mit Freuden in den Puff geht. Soviel Polarität in einem Menschen grenzt doch schon fast an Schozophrenie. Wer will sich denn derart fest im Griff haben, diese zwei Charaktere nebeneinander disponieren zu können … und den jeweilig Richtigen im passenden Moment rauszulassen? Gerade welchem testosteron- und adrenalinabhängigen Mann gelingt solch ein Balanceakt?

          Entweder habe ich mich entschlossen, eher auf der ruhigen Seite des Lebens dahinzugleiten – oder ich will die Sau rauslassen. In welchem Zerriss lebe ich, wenn ich einerseits mit wohlwollendem Blick der Vergangenheit und ihrem offensichtlich entspannteren Zeitmanagement nacheifern möchte aber andererseits vielleicht nur wenige Stunden später mit blutunterlaufenem Blick einem anderern Ghostrider unbedingt beweisen muss, dass ich über die bessere Herde wilder Mustangs unter der Haube verfüge. Wie veträgt sich nahezu zeitgleich “Hängolin” und “Schwanzvergleich” in einem Körper?

          Kann man sich da morgens noch selbst im Spiegel in die Augen blicken ohne das Gesicht zu verlieren?

          By the way und nicht, dass ihr das in den falschen Hals bekommt: ich mag die Story (oben) auch und die Bilder sind genial. Mein Vater hat zu genau der Zeit, aus der dieser Käfer stammt auch drei (glaube ich) von diesen Kugeln gefahren. Es könnte möglicherweise sogar sein, dass ICH in so einem Ding entstanden bin.

          Ich liebe meine K70 und ich liebe schon jetzt den Redstar … aber ich werde dem Trend der hektischen Zeit einfach nicht mehr folgen … und ich bin der ehrlichen Meinung, dass die ganze Menschheit besser täte, sich langsam mal zu entschleunigen. Sie tut natürlich alles andere als das und die Autoindustrie interessiert sich nach wie vor und mehr denn je für “größer, weiter, schneller” … und wir Adrenalinjunkies fallen massenhaft darauf rein. Vernunft ist anders! Aber das will ja einfach niemand wahrhaben.

          Diese aufgeschriebenen Gedanken sind immer wieder nur kleine Stupse von mir … (zugegebenermaßen penetrante) Gedankenanregungen. Lustig ist nur immer wieder, wie alle Benzinsüchtigen darauf reagieren: “da will uns einer unser Spielzeug schlecht machen!” Will er aber nicht! Ich bin eher froh, dass ihr manchmal solche Einsichten (wie oben beschrieben) habt! Vielleicht wird sich diese Einstellung ja irgendwann mal festigen und verstärken. 🙂

          El

          • Bester El,

            da kommen wir ja wieder zum Thema zurück. Entschleunigung. Ist doch fein, da sind wir uns anscheinend einig. Und bei allem anderen, nenn’ es meinetwegen Schizophrenie (das ist übrigens was GANZ anderes), interpretierst du bei dem einen oder anderen hier in meinen Augen irgendwelche Dramen rein und feuerst sie – warum auch immer – mächtig an. Dabei sagen hier alle beteiligten doch nur, dass sie PS UND wenig PS gleichermaßen gut finden. Ich sehe da kein Problem. Und niemand denkt, dass du sein Spielzeug schlecht machst. Demnach, wenn hier einer predigt bist du selbst das. Und wenn das zum Nachdenken anregt ist das ja auch fein.
            Komm gut in die neue Woche

            Jens

  4. Die Abwechslung macht es. Gestehe das ich neulich schnell auf der AB unterwegs war. Wollte links mitschwimmen und hatte noch ein paar 100km vor mir. Am Ende war es ein guter Schnitt ohne Stau. Aber ich hatte nach so Aktionen auch schon echt Kopfschmerzen. In der Regel belasse ich es bei 130…
    Gerne cruise ich mit dem Spider mit max. 80 über schöne Landstraßen… ist auf jeden Fall das viel schönere Reisen… aber man braucht halt viel Zeit…

    • Hallo Snoopy,

      genau so geht es mir auch. Wenn ich zweckmäßig und mit leichtem Zeitdruck unterwegs bin, nehme ich den Rudolf Diesel. Und an Tagen wie heute, also an FREIIITAAAGEN zum Beispiel, kommt der Taunus dran. Ich freu mich auch schon wieder wie ein Schneekönig, ihn gleich nach Hause ins Wochenende zu fahren. Hach…

      Jens

  5. @Gigante…

    Ich verstehe diese leichte biestigkeit in deinem Text nicht richtig, so kenn ich dich ja gar nicht…
    Wieso dürfen/können nicht zwei Seelen in einem Körper existieren? Ich muss ehrlich zugeben, das bei mir meine momentane finanzielle Situation den Ausschlag zur Entschleunigung gegeben hat.
    Die Psyche, die nach jahrzehntelangem Stress ihren Teil beiträgt ist natürlich auch nicht zu vernachlässigen.
    Natürlich habe ich momentan mehr spaß daran, niedrige Tankrechnungen zu genießen, aber ich schließe nicht kategorisch aus, das – würde ich mich irgendwann mal wieder “fangen” es nicht evtl. auch wieder nen 20v Turbo-Audi auf meinen Hof verschlagen könnte. Ich hab das Ding ernsthaft geliebt!

    In diesem Sinne – locker durch die Hose atmen, und immer ne Handbreit platz unter’m Gaspedal…

    • Ich behaupte mal, dass das keine Biestigkeit ist. Vielleicht ist es aber der eiserne Wille des Alters, die Welt doch noch überzeugen zu können. Obwohl ich mir andererseits sicher bin, dass DAS niemand und niemals schaffen wird … okay – ich bin ja schon ruhig! 🙂

      • Hi ihr zwei,

        das Posten von Katzenbildern auf Facebook oder das immer wiederkehrende stumpfe Kopieren von Hoax auf die eigene Pinnwand kann man ja auch nicht verhindern. Die Leute sind wie sie sind, und manchmal wundert man sich über Seiten, die man so nicht erwartet hatte. Seelenstrip 2.0, diesmal virtuell. Ha.

        Wichtig ist, was man draus macht. Ich geh mal den Taunus volltanken. Euch allen einen guten Start in den grauen Montag!

        Jens

      • Moinsen,

        noch mal was dazu: ich KANN mich entschleunigen und begeistere mich (nicht erst seit heute) für Käfer aller Arten. Ob mit 24 oder 34, 50 oder mehr PS. Einen mit 2,9 L von Tafel durfte ich mal fahren. Wieviel PS der hatte, weiß ich gar nicht genau. Es müssen um die 200 gewesen sein. Es war Spektakulär! Ein bisschen wie der Ritt auf einem Marschflugkörper 😀
        Ich KANN mich daher auch für PS-Monster begeistern (doch, diese unglaubliche Freiheit nehm’ ich mir) und DENKE NICHT DARAN das als wiedersprüchlich zu empfinden. Punkt!
        Deswegen heißt es ja ANSICHTEN! Jeder interpretiert seine Sicht der Dinge. Ein wenig tollerante Denke, anderen gegenüber, sollte dabei nicht zu kurz kommen. Sonst wird es zur Doktrin und die haben wir woanders schon zur Genüge.

        Greetz

        • Hey Bronx,

          ich bin meine erste Klassiker-Rallye auf einem Memminger Käfer gefahren. Großartig. Danach wollte ich auch einen 🙂
          Wir sollten dieses Projekt nicht aus den Augen verlieren…

          Jens

          • Memminger? Cool. Die können was! Genau wie TDE.
            Memminger Feine Cabrios sind Spitze.
            Ich glaub nicht dass wir das aus den Augen verlieren werden. Man(n)
            kann halt nicht alles in ein Jahr pressen. Das hat uns DIESES doch erneut gelehrt, oder 😉

            • In der Tat, in der Tat.
              Dieses Jahr ist abgehakt. Aber im kommenden sind weniger Lasten auf den Schultern und mehr Raum für feine Sachen. Unsere Tour gehört dazu. Ich arbeite daran!

              Jens

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