Absolute Giganten

MB E 500 vs. Maserati Quattroporte

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Zwei gegensätzliche Power-Limousinen der Neunziger jahre 
treffen sich zum Showdown

Das Traditionsduell Deutschland gegen Italien verspricht ganz große Spannung 
und Fahrkultur. Der in Modena gebaute Maserati Quattroporte spielt genauso 
wie sein süddeutscher Konkurrent Mercedes E500 Limited aus Stuttgart in der 
automobilen Youngtimer-Championsleague

Die gemeinsamen Nenner: Faszinierende V8-Motoren mit üppigen Leistungsreserven für ein großartiges Fahrerlebnis, leidlich getarnt durch vier Türen und reisetaugliche Kofferräume. Beide Fahrmaschinen tragen den Nerz nach innen, der Rest ist grundverschieden. Und das ist auch gut so.

Der 124er Über-Benz wirkt wie ein alter Bekannter. Ergonomisch vertraut, konservativ auf ein Werteverständnis der alten Schule abgestimmt, punktet er unter seinem seriösen Sacco-Blechkleid allerdings mit einem Kraftwerk von satten fünf Litern Hubraum. Das ist zum Glück alles andere als Mittelklasse.

Im italienisch-leichten Quattroporte mit „Modena Performance Pac 2 V8“ kompensieren gleich zwei Turbolader den motorischen Volumennachteil von beinahe zwei Litern mit Bravour: 418 Pferdestärken liegen dank Power-Pack bei maximaler Turbounterstützung an, das sind satte 98 PS mehr als unter der Haube der von Porsche gefertigten Überfliegerausgabe der ersten E-Klasse-Generation arbeiten.

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Ganz schön cool: Der böse Quattroporte gibt das wilde Männerauto

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Bitte Lächeln: Speed und Sound lassen auch Frauen nicht kalt

Showdown 
im Industrie
gebiet

Draußen im Industriegebiet im Süden Hamburgs, wo sich 1998 schon das Ford Consul V8 Coupé in Sebastian Schippers Film „Absolute Giganten“ wohl fühlte, sind unsere beiden Boliden goldrichtig aufgehoben, wenn es um einen intensiven Fahrvergleich geht. Sie brauchen längst keine Jugendstilvillen mit knirschender Kiesauffahrt mehr als Ort ihrer Inszenierung. Wir finden: Zu ihnen passt der ehrliche Asphalt des Industriegebietes für sprichwörtliche Erfahrung viel besser.

Industrial Pop der 
Neunziger

Im Gewerbegebiet an der Elbkante lenkt nichts von unseren beiden Protagonisten ab: Grundlegend unterschiedlich ist das Verständnis von Fahrkultur bei beiden Herstellern. Der W124 ist als nur 500 Mal gebautes Sondermodell E500 Limited natürlich ein Traumauto, wirkt aber vielleicht immer noch eine Idee zu vernünftig. Der Grund ist einfach: Dieser Typ verliert wirklich niemals die Beherrschung. Trotz der extrovertiert gemusterten Lederpolsterung, einer Einzelsitzanlage im Fond und elektrischem Heckrollo – als echter Schwabe strahlt er auch nach beinahe zwei Jahrzehnten die perfektionistische Aura von Solidität und Verlässlichkeit aus. Niemand sonst beherrscht den Spagat zwischen Autobahnhatz und der Rolle des mobilen Bausparvertrags so wie er.

Pomp und Protz wurde bei der Daimler-Mittelklasse maximal in homöopathischen Dosen geduldet: Dunkles Vogelahorn-Edelholz, die ausgestellten Radläufe und Breitreifen auf glanzgedrehten 17-Zoll-Sternfelgen sind das Ende der Fahnenstange, mehr wollte man im Schwabenland der Neunziger damals partout nicht ohne AMG-Insignien auf die Kunden loslassen.

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Tarnkappenbomber: Wer vermutet auf diesem Bild spontan 16 Zylinder und 738 PS?

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