Alex und sein Cordoba – Mehr als nur eine Dose

Leserauto: 75er Chrysler Cordoba

Im Hamburger Hafen werden Weißblechdosen gequadert und als Recyclingware in die ganze Welt verschifft. In den USA wurde 1975 ein Auto gepresst und gewalzt, das garantiert nicht recycelt den Weg aus der weiten Welt nach Deutschland gefunden hat: der Chrysler Cordoba. Wir fahren das Half-Size-Coupé durch das ausgediente Weißblech

„ Ich war mal eine Dose.“ Kennen Sie auch noch diesen alten Werbespruch, der zumeist unter buntem Blechspielzeug stand und den Sinn von Recycling anpries? Er setzt sich in meinen Gehirnwindungen fest, als der lange, beige Chrysler Cordoba das Wertstoffterminal im Hamburger Hafen durchqueren will. Immer wieder gestoppt von Staplerfahrern und Lkw-Kutschern, die eher einen Spionageakt als eine coole Fotosession bei dem cruisenden Drivestyler vermuten.

Die 70er Jahre schreien ihren furnierten Luxus aus jedem Detail in die Augen des Fahrers

Doch schnell ist der Chef des Geländes milde gestimmt. Er verteilt ein paar Warnwesten und genehmigt den visuellen und akustischen Nachmittag auf seinem Hof. Alex Jobs steht in der langen Tür seines sehr speziellen Coupés, zieht sich die Lederjacke zurecht und lächelt zufrieden. Die wirklich coole Sonnenbrille krönt das Outfit des jungen Autobesitzers – der Indian Summer über der Elbe lässt sie heute auch tatsächlich zu einem sinnhaften Accessoire werden.

Das Auto dagegen war einst alles andere als „stylisch“. Die Chrysler Corporation verbuchte in den 70er Jahren keine großen Erfolge, die Konkurrenz verkaufte quer durch die OPEC-Ölkrisen nahezu sämtliche Modelle in sechsstelliger Jahresstückzahl, und man brauchte dringend ein eigenes Erfolgsmodell. Also dachte man ein paar Schritte weg vom „Full Size“ der fetten 60er Jahre und reduzierte den ursprünglich als „Plymouth“ geplanten Wagen auf knappe und bescheidene 5,4 Meter Gesamtlänge, versah ihn mit nur zwei Türen, einem Landaulet-ähnlichen Vinyldach, einer sehr luxuriösen Ausstattung und einem wohl klingenden Namen: Cordoba.

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