Das Biest vom andern Stern

Firetruck im neuen Gewand

am1113_race_monster_01

Der Amerikaner Gary Wales baut aus alten US-Firetrucks halbneue Race-Monster. Wir haben uns seine jüngste Kreation, den gelben „La Bestioni“, etwas genauer angeschaut

Für die einen ist Gary Wales der personifizierte Untergang von automobilhistorischem Kulturgut, also der vermenschlichte Shiva, der Zerstörer. Für die anderen ist er ein Gott des Customizing, und somit einer der Kreativsten in der Menge der privaten Autobauer. Egal, wie man ihn auch sieht: Gary Wales ist mit Sicherheit ein ganz besonderer Typ.

Nicht umsonst haben die Verantwortlichen der Pebble Beach Car Week ihn mit seinem jüngsten Werk, das wie seine anderen auch „La Bestioni“ – also „das Biest“ – heißt, eingeladen. Er darf sein gelbes Sechsmetermonster auf dem geheiligten Rasen von „The Quail“ präsentieren, zwischen echten alten Aston Martin, genialen Porsche 356, Race-Vetten und Spykers neuestem Roadster. Und wahrscheinlich fragt nur der mitteleuropäische Durchschnittsbesucher mit offenem Mund: „Was’n das?“

am1113_race_monster_02

Sehr amerikanisch: Gary Wales mit seinem „La Bestioni“ bei „The Quail“ auf der Pebble Beach Car Week. Der Ex-Broker baut immer mal wieder Eigenkreationen auf uralte Chassis

Auf die Frage hat Gary Wales gewartet. Er schiebt sich die Sonnenbrille auf die Stirn und fängt an zu erzählen: „Das ist eine Feuerwehr von 1919. Nur ein bisschen anders. Der Leno findet das geil.“
Der „Leno“, das ist natürlich US-Talkstar Jay Leno, der eine Garage voller Exoten besitzt und bekanntlich auf riesige offene Zigarren mit Kettenantrieb steht.

In seiner Internet-Sendung „jaylenosgarage.com“ hat er Wales und seiner Rakete auf 40-Zoll-Rädern ganze 20 Minuten gewidmet, inklusive Testfahrt. Tatsächlich nimmt Wales gerne mal ein tolles altes Auto (in diesem Falle ein American LaFrance-Feuerwehrwagen von 1919), befreit es von allem Alltagsballast und baut auf dem Rahmen irgendetwas Neues, Stilbrüche inklusive. Er lässt den Motor unberührt (hier ein 14 Liter großer Reihensechszylinder mit etwa 120 PS, gebaut mit drei Paaren von je zwei Zylindern, damit man nicht gleich den ganzen Motor ersetzen musste, wenn es Schäden an einem Block gab, 18 Zündkerzen und einem Drehmoment wie ein Dampfhammer), nutzt auch das originale Getriebe (eine Dreigang-Handschaltung) und die Kraftübertragung (durch Kette auf die Hinterräder), und dann beginnt die Kreativität. Er dengelt den Kühler neu, schraubt aus alten Bentley und Rolls-Royce irgendwelche Schalter ab, nutzt ehemaliges Interieur von Maharadscha-Karren, kreiert einen fiesen kleinen Teufel als Kühlerfigur und verkauft alles zusammen an Amerikaner, die sonst schon alles haben.

am1113_race_monster_03

am1113_race_monster_04 am1113_race_monster_05

Die Schalter und Instrumente sind garantiert alt und echt – aber aus vielen Autos zusammengesammelt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code