Der Arbeits-Rolli

Rolls.-Royce Silver Shadow Pick-up

Der Botschafter des künftigen Meilenwerks Zürichsee ist ein ganz und gar ungewöhnlicher Luxuswagen: ein zweisitziger Rolls-Royce Silver Shadow Pick-up. Träume Wagen klemmte sich hinter das Steuer des Edelbriten und lieferte Entschleunigung aus

Wer einen Rolls-Royce Silver Shadow fährt, sollte sich vorher genau überlegen, ob er da auch reinpasst. Nein, nicht was die körperliche Größe oder Beschaffenheit angeht, sondern ob man darin nicht völlig lächerlich aussieht. Ein Chauffeur passt hinein, der gut gekleidete Firmenchef mit kurzgeschnittenem Haar und grauen Schläfen passt hinein. Vielleicht auch schon der langhaarige Künstler, weil der Silver Shadow an sich schon ein Klassiker ist.

Britisches Understatement: einfache Ganganzeige auf der Lenksäule

Alt aber zweckmäßig: das schlichte Tastenradio fürs gemeine Volk

Hauptsache Rundinstrumente:

Davon gibt es im Rolls-Royce so einige

Holz vor der Hütte

In den seltenen RR-Pick-up des Meilenwerk Zürichsee allerdings passt jeder hinein. Das liegt daran, dass sich das einst „beste Auto der Welt“ selber nicht mehr so ernst nehmen kann, wenn sich statt eines Fonds für Fondmanager eine Ladefläche für Lademeister befindet. Hier denkt niemand mehr an Prunk und Protz, sondern eher an Packesel und Privatlaster. Der Clou: Der Edel-Pick-up ist kein umkarossierter Reichen-Spleen, sondern wurde tatsächlich in einer Kleinserie von zehn Autos vom Neuwagen mit langem Radstand direkt umgebaut in einen Last-Wagen, und zwar vom US-Karosserie-Spezialisten Classic Coachwork. Erstkäufer war ein Gärtner aus Florida. Der Mann nutzte den Diamanten aus Crewe, um Busch, Blüten, Blätter samt Spitzhacke und Schaufel zu solventen Kunden zu kutschieren und deren abgebrochene Palmwedel abzutransportieren. Als ausgelutschte vierrädrige Schubkarre kam der arme Brite nach gelebtem Leben nach Deutschland, wurde wieder aufgebaut und dann vom Chef der Meilenwerk AG, Martin Halder, in Berlin entdeckt.

Ein Würfel für die Eidgenossen

Der nutzt die restaurierte, holzbeplankte Ladefläche, in die deutlich die beiden hinteren Federbeindome ragen, um einen Schweizer Würfel durch die Gegend zu fahren – als Botschafter des neuen Meilenwerks Zürichsee, das bald eröffnet werden soll. Da verblassen fast die kleinen, feinen Planenverschlüsse auf dem Ladeflächenrand. Dass der Wagen was kann, hat er bereits bei der Youngtimerrallye „Creme 21“ gezeigt – da gewannen zwei Meilenwerker mit dem knapp 5,2 Meter langen Emily-Träger.

Es wird Zeit, sich selbst hinter das dünne Lenkrad zu klemmen. Nein, klemmen muss man sich nicht – wenn man etwas hat, dann ist es Platz. Dass der Innenraum nahezu an der superbreiten B-Säule aufhört, merkt man nicht. Dafür ist er voll fett mit beigem Leder ausgepolstert, das Cockpit ist schwarz und mit drei verschiedenen Holzarten verziert. Überraschend sind zwei Entertainment-Systeme – eines spielt nur Kassetten ab, das andere ist das Radio. Dazwischen befinden sich die Knöpfe für die Klimaanlage.

Früher Tempomat: nicht wirklich schön, aber sinnvoll bei so einem Cruiser

Schwer gebraucht: An den Kratzern hinterm Schlüssel ist ein langes Leben ablesbar

Das Wichtigste im Verborgenen: Fernlicht, Bremse, Gas – von links nach rechts

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