DER ENDGÜLTIGE RENNFAHRER Senna

Ab dem 12. Mai gibt es die Chance auf eine außergewöhnliche cineastische Erfahrung. Völlig unerwartet kommt die Spielfilmdokumentation SENNA in die Kinos. Der aus ausschließlich zeitgenössischem, teils noch unveröffentlichtem Material produzierte Film ist Porträt und Dokumentation, überzeugende Hommage oder schlicht: ganz großes Kino.

Michael Schumacher sagte: “Wer seinen Kindern einmal zeigen will wie gut Senna war, der soll ihnen ein Video von Donington 1993 vorführen.” Gemeint hatte der 7-fache Weltmeister die vielleicht legendärste Rennrunde in der Geschichte der Formel 1, denn… es regnet in Strömen beim Großen Preis von Europa in Donington am 11. April 1993. Ayrton Senna startet von Position 4 im McLaren-Ford. Vor Senna in der Startaufstellung stehen Alain Prost, Damon Hill (beide Williams-Re-nault) und Michael Schumacher (Benetton-Ford). Kurz nach dem Erlöschen der roten Ampel zieht auch noch Karl Wendlinger (Sauber-Mercedes) an Senna vorbei. Senna liegt zunächst auf Position 6, bevor es in die erste Kurve geht… Doch dann lässt er seine Konkurrenten auf der regennassen Fahrbahn wie Fahrschüler aussehen. Während die ersten auf dem schmierigen Untergrund ins Kiesbett rutschen, überholt er noch in der 1. Runde alle fünf Fahrer vor ihm – Wendlinger sogar auf der Außenbahn! – und beendet bereits die 1. Runde auf der Spitzenposition. Senna gewinnt mit einem Riesenvorsprung auch das Rennen. Damon Hill kommt mit einem Rückstand von 1:23 Minuten als Zweiter ins Ziel…

Ayrton Sennas unglaubliche Story, seine sportlichen und spirituellen Leistungen auf und neben der Strecke, sein Streben nach Perfektionismus und der Mythos, der seine Person seitdem umgibt, sind das zentrale Thema von SENNA. Die Spielfilmdokumentation umspannt das Leben des legendären Rennfahrers ab seiner ersten Saison im Jahr 1984 bis zu seinem Tode im Jahr 1994. Weit mehr als nur ein weiterer Film für Formel 1-Fans, erzählt SENNA diese bemerkenswerte Geschichte auf ungewöhnliche Art und Weise: Keine üblichen Dokumentarfilmtechniken, sondern eine cineastische Herangehensweise, die das außergewöhnliche Dokumentationsmaterial auf beeindruckende Weise nutzt. SENNA wurde mit vollständiger Unterstützung von Ayrton Sennas Familie hergestellt. Sie gaben erstmals ihr Einverständnis für einen Dokumentarfilm über sein Leben. Die Formel 1 Holding um Bernie Ecclestone gestattete den uneingeschränkten Zugang zu bisher unveröffentlichtem Material. Das Ayrton Senna-Institut, die gemeinnützige Institution, die nach seinem Tod ins Leben gerufen wurde, stand ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite. Sequenzen aus dem brasilianischen Fernsehen sowie Material aus den Fotoarchiven der Senna-Familie durften ebenfalls verwenden werden.

Die Anfänge des SENNA-Projektes

Produzent James Gay-Rees wurde inspiriert von Geschichten, die ihm sein Vater über Ayrton Senna erzählte. Der war für die Tabakfirma John Player Special tätig, die Sennas schwarzen Lotus im Jahr 1984 sponserte, und tatsächlich lernte sein Vater Senna auch persönlich kennen. “Mein Vater kam von verschiedenen Rennen zurück und erzählte mir, dass dieser junge Bursche irgendwie anders als die anderen Fahrer sei. Er war extrem selbstbewusst, hatte einen unerschütterlichen Glauben – und er stand seinem Beruf sehr gewissenhaft gegenüber.” Seit dieser Zeit hatte Gay-Rees der Senna-Virus befallen. Über die Jahre wuchs der Wunsch, eine Dokumentation über den legendären Rennfahrer zu
realisieren.
Ein entscheidender Tag für die Verwirklichung des Projekts war im März 2006, als es Gay-Rees sowie dem Autoren und Ausführenden Produzenten Manish Pandey endlich gelungen war,  ein Treffen mit Ayrton Sennas Familie zu arrangieren, um die Genehmigung für einen Film über sein Leben zu erfragen. “Meine Frau bat mich, möglichst nicht zu weinen, da ich sehr emotional bin”, erzählt Pandey. Mit dieser Bemerkung im Hinterhopf hielt er seine knapp 40-minütige Präsentation – eine Mischung aus Sound, Bewegtbildern und Fotos  –  während er versuchte, seine Emotionen einigermaßen zu kontrollieren. “Zum Glück fing ich nicht an zu weinen – aber jeder andere im Raum! Mehr als eine halbe Stunde lang weinten sich Ayrtons Schwester Viviane und der Rest der Familie die Augen aus. Am Ende stand Viviane auf, umarmte mich und flüsterte in mein Ohr: “Du kennst wirklich meinen Bruder.” Wir hatten uns nie zuvor getroffen, aber sie verstand, was wir mit dem Film beabsichtigten.”
Die Senna-Familie meldete sich kurze Zeit später und sagte: “Wir würden es gerne mit dir und James machen. Uns gefällt, was du eingebracht hast. Wir sind ziemlich sicher, dass es funktionieren wird.” Letztlich dauerte es doch noch zwei Jahre, den Deal zu zementieren. “Ihnen war klar, dass wir keinen Film über seinen Tod, sondern über den Menschen Ayrton Senna drehen wollten”.

Wie entstand schließlich der Film?

SENNA wurde inszeniert von Asif Kapadia, geschrieben von Manish Pandey und produziert von James Gay-Rees, Tim Bevan und Eric Fellner. Ein ganz spezieller Aspekt dieser Dokumentation ist die Tatsache, dass zu keinem Zeitpunkt die Gesprächspartner bzw. die Interviewpartner im Bild zu sehen sind. Viele Interviews sind zu hören, aber sie liegen über den Filmsequenzen als Voice-Over. Eric Fellner erinnert sich, dass sich Asif Kapadia von Beginn an gegen die Idee sträubte, die Interviewpartner im Bild zu sehen. “Ich denke, es gibt dem Film ein Alleinstellungsmerkmal. Die meisten Dokumentationen sind anders aufgebaut. In SENNA bekommt man sehr viel Ayrton Senna zu sehen”, lacht Fellner. “Es hat mitunter den Anschein, als ob uns Ayrton Senna seine Story die ganze Zeit über erzählt. Das war Asif sehr wichtig und das treibt den Film an.”
Kapadia erklärt: “Sehr früh schnitten Manish und ich einen zehnminütigen Kurzfilm nur aus YouTube-Footage zusammen. Von dem Moment an war klar, dass unsere Herangehensweise funktionieren würde. Ich wusste, wir würden einen brillanten Film drehen, mit einem sehr starken Ende – schockierend, bewegend und tragisch. Und dann gibt es noch seine Selbstfindung und die Rivalität; einen Anfang, die Mitte und das Ende. Wofür brauchen wir Gesprächspartner im Bild? Einige Sequenzen im Film stammen tatsächlich von YouTube. Einiges stand uns auf Super 8 zur Verfügung, und einiges wurde auch auf 35 mm gedreht. Für mich hatte es immer ein wenig den Anschein, als ob wir lauter Mosaiksteine zusammengefügt haben. Unser Film ist technisch nicht perfekt. Manchmal erinnert er an ein Stück Gaudí-Architektur. Ich wollte ein neues Genre erfinden und fand mich irgendwo zwischen Fiktion und Dokumentation platziert.”

AUTO MOBILES-TRÄUME WAGEN hat SENNA vorab gesehen. Zu sechst in einem großen Kinosaal. Von der Security um sämtliche technischen Geräte gebracht. Doch an unerlaubtes Abfilmen haben wir nicht eine einzige Sekunde lang gedacht, denn SENNA zog einen jeden von uns unmittelbar in seinen Bann. Zum Glück saß ich vorne unbeobachtet in Pole Position, denn SENNA ist wirklich ergreifend. Für jeden. Ab 12. Mai im Kino.

 

Senna – ab 12. 5.
ein Muss für F1-Fans
AYRTON SENNAS KARRIERE IN ZAHLEN
Grand Prix: 161
Pole Positions: 65
Siege: 41
2. Plätze: 23
3. Plätze: 16
WM-Punkte: 614
Schnellste Rennrunden: 19
Runden in Führung: 2.956
Kilometer in Führung: 13.469 km

Bilder: Universal Pictures

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