Der Meister der Jäger

Minimaler Materialeinsatz bei den Auspuffrohren

Die ersten Tests in Zolder ließen Großes ahnen und Kremer Racing startete zuversichtlich in die 1979er Rennsaison. Die 24 Stunden von Le Mans waren in diesem Jahr fest in Porsche-Hand, 21 der insgesamt 55 Teams starteten in Zuffenhausener Modellen. Die beiden werkseigenen Renner qualifizierten sich auf Platz eins und zwei, gefolgt vom Kremer K3, für den Klaus Ludwig den dritten Startplatz herausgefahren hatte. Kremer Racing ging mit zwei Teams ins Rennen: Profifahrer Ludwig mit dem amerikanischen Gentlemen-Driver Don Whittington und dessen Bruder Bill auf dem K3 und direkt dahinter auf dem vierten Startplatz ein zweiter Kremer Porsche 935 mit Plankenhorn, Winter und Guardijan. Die Gebrüder Whittington waren sogenannte Pay-Driver, die das Rennteam im Gegenzug für ihre Teilnahme finanziell unterstützten, was seinerzeit gängige Praxis bei den privaten Rennteams war.

Das Porsche-Werksteam schien im Rennen vom Pech verfolgt. Nachdem der erste 936 ausgefallen war, disqualifizierte die Rennleitung kurz darauf den zweiten Werksporsche wegen unerlaubter Hilfe. Jetzt waren nur noch Kundenteams im Rennen und besonders die Kölner Erzrivalen Kremer und Georg Loos mit seinem Gelo-Team lieferten sich ihren gewohnt erbitterten Kampf. In den frühen Morgenstunden raffte ein Motorschaden gleich beide Gelo-Porsches dahin, der Weg schien frei und der Sieg sicher für Team Kremer. Doch plötzlich riss beim führenden K3 der Zahnriemen der Einspritzpumpe. Don Whittington ersetzte den Riemen, der jedoch kurz darauf erneut kapitulierte. In Ermangelung eines weiteren Ersatzzahnriemens baute der findige Amerikaner den Zahnriemenantrieb der Lichtmaschine aus und adaptierte ihn den Umständen entsprechend bestmöglich an die Einspritzpumpe. Eine Notlösung, mit der er es zwar mehr schlecht als recht zurück in die Box schaffte, die jedoch tatsächlich den finalen Sieg für das Kremer Racing Team bedeutete.

Kompletter Strip in 6 Minuten

Der Erfolg des K3 beschränkte sich aber nicht nur auf die Rennstrecke, sondern zahlte sich auch geschäftlich für Kremer Racing aus. Alles in allem wurden in den heiligen Kremer’schen Hallen 13 Modelle des K3 gebaut, für die der Kunde je nach Ausführung bis zu 375.000 Mark hinblättern musste. Außerdem gab es Umbaukits, mittels derer Rennteams ihren Serien-935er selbst auf K3 umrüsten konnten.
Nachdem Klaus Ludwig in der folgenden Saison zu Ford wechselte, übernahm Axel Plankenhorn seinen Platz als erster Teamfahrer. Die Saison lief schlecht für Kremer Racing und Plankenhorn schien vom Pech verfolgt, so dass das Team sich mitten in der laufenden Rennsaison gezwungen sah, ihn gegen John Fitzpatrick auszuwechseln. Eine weise Entscheidung, denn Fitzpatrick fuhr in dieser Saison zumindest noch drei Siege am Norisring, in Zolder und in Hockenheim für Kremer heraus. Nach der vergleichsweise ernüchternden Saison brachte Kremer 1981 den 935 K4 ins Rennen und der K3 wechselte in den Besitz von John Fitzpatrick, der den Wagen noch einigermaßen erfolgreich in der IMSA-Serie einsetzte. In den folgenden Jahren wechselte der Jägermeister mehrfach die Lager und fuhr für internationale Rennteams quer über den Globus.
2006 schließlich kam unser Foto-K3 wieder unter die Fittiche von Kremer Racing, diesmal im Bereich ‚Historischer Motorsport’. Der Kölner Rennstall stand mittlerweile unter der Führung von Uwe Sauer, der nach Erwin Kremers Tod die Geschäftsleitung übernommen hatte. Sauer war Techniker der ersten Stunde bei Kremer und hatte sämtliche Kremer-Porsche 935 von der Entwicklung bis zum Aufbau mit betreut. Als Kremer Racing 2008 den Jägermeister K3 zum Verkauf ausschrieb, schlug ein alter Kunde zu: Eberhard Baunach, seit frühester Jugend ein glühender Bewunderer des 935 K2, hatte sich 2007 eben jenen Jugendtraum erfüllt und den historischen Rennwagen mit der technischen Unterstützung des Kremer Teams wieder ins Renngeschehen zurückgeholt. Für seinen K2 hatte er sogar im vergleichsweise hohen Alter von 43 Jahren seine Rennlizenz gemacht. So ein Auto will schließlich gefahren werden, museumswürdiges Objekt hin oder her.

800 PS erfordern einen häufigen Wechsel der Verschleißteile, genannt Reifen

Als dann der K3 zum Verkauf stand, fackelte Baunach nicht lange und erweiterte seine Sammlung um ein weiteres Motorsport-Juwel. Sein Debüt im K3 gab er 2009 beim Oldtimer-Grand-Prix des DRM-Revival, wo er den 14. Platz belegte. Ein durchaus zufriedenstellendes Ergebnis für Baunach, der sich des historischen Wertes seines Rennwagens voll bewusst ist und daher lieber materialschonend fährt, als alles auf Sieg zu setzen. Schließlich weiß er um die Qualitäten seines Jägermeisters.
Verglichen mit dem 935 K2 profitiert der K3 nicht nur von rund 120 PS mehr Leistung, sondern auch von seinen zwei Turboladern, die das berüchtigte Turboloch deutlich entschärfen. Im Hinblick auf die längere Lebensdauer haben die Kremer-Techniker die Leistung des Dreiliter-Triebwerks auf runde 750 PS gedrosselt, bei 7.800 Umdrehungen völlig ausreichend. Fahrvergnügen ist allemal garantiert. Dass bei Kremer Racing der historische Motorsport weiterhin mit Hingabe gepflegt wird, dafür steht Eberhard Baunach auch mit seinem eigenen Namen, seit er im August 2010 den Kölner Traditionsrennstall gekauft hat.
Und Jägermeister? Schaffte in den 90er Jahren tatsächlich die Wende vom Altherrengetränk zum angesagten Party-Drink. Allerdings hat sich die Kultmarke in jüngerer Vergangenheit vom Sport-Sponsoring verabschiedet. Grund: Die Allgemeinheit findet die Paarung Alkohol und aktiver Sport heutzutage nicht mehr so prickelnd…

Die Verwandschaft:

Porsche 911 Turbo 3.0 Typ 930 Produktionszeitraum: 1974-1977 Motor: 3.0 6-Zyl. Boxer KKK-Turboladern Hubraum?: 191 kW, 343 Nm, 250 km/h Sprint: 0-100 km/h: 5,5 s

Porsche 911 Turbo 3.3 Typ 930 Produktionszeitraum: 1978-1989 Motor: 3.3 6-Zyl. Boxer Hubraum?: 221 kW, 430 Nm, 260 km/h Sprint: 0-100 km/h: 5,2 s

Porsche 911 Turbo 3.3 WLS Typ 930 Produktionszeitraum: 1984-1989 Motor: 3.3 6-Zyl. Boxer Hubraum?: 243 kW, 430 Nm, 270 km/h Sprint: 0-100 km/h: 4,9 s

Physik kann so sexy sein –
Technische Daten Kremer Porsche 935 Biturbo K3

Baujahr: 1979
Motor: Sechszylinder-Boxer-Biturbo
Hubraum: 2.994 cm3
Leistung: ca. 800 PS bei 8.000/min (gedrosselt auf 750 PS)
Max. Drehmoment: k.A.
Getriebe: Viergang-Handschalter
Länge/Breite/Höhe: 4.890/1.990/1.230 mm
Gewicht: 980 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 4 s
Top-Speed: 354 km/h
Wert: k.A.

Text Britta Bau/Fotos: Stefan Bau

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